Holger Zastrow (FDP): “Unsere Stärke ist kommunale Verwurzelung”

Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow sitzt auf der Wahlkampf-Trommel und spricht mit WochenENDspiegel-Redakteurin Judith Hauße in Chemnitz. Fotos (3): Cindy Haase

Es wird eine Richtungswahl! Selten war der Gang zur Urne spannender, als er am 1. September sein wird. Bleibt die CDU stärkste Kraft in Sachsen? Wenn Ja, mit wem kann sie regieren? Wie stark wird die AfD, gewinnt sie vielleicht sogar? Was wird aus der schwächelnden SPD und den in Sachsen gegen den Trend eher schwachen Grünen? Gelingt in einem rot-rot-grünen Dreierbund ein Regierungswechsel? Welche Rolle wird die FDP einnehmen? Können die Freien Wähler wie in Bayern eine Rolle spielen?

Wer sich traut, darf für sich trommeln! Dieses Angebot macht der WocheENDspiegel sächsischen Landtagskandidaten. Sie beantworten kritische Fragen unserer Journalisten.

Heute: Holger Zastrow (FDP), Unternehmer und Spitzenkandidat der FDP für den Sächsischen Landtag.

Hier geht es zum Trommelwirbel von Holger Zastrow (FDP):

Fehlt Ihnen das Auge für die Realität?

Ich denke nicht.

Weil Sie im Interview mit TAG24 die FDP als Koalitionär und sich als Minister sehen. Real müssen Sie um den Einzug in den Landtag bangen.

Wir liegen mittlerweile seit über zwei Jahren stabil bei jeder Umfrage in Sachsen über der Fünf-Prozent-Marke, meist bei sechs, sieben Prozent. Da gibt es überhaupt nichts zu bangen. Aber allein der Wiedereinzug in den Sächsischen Landtag reicht uns nicht. Wir wollen ein starkes Ergebnis von zehn Prozent. Denn wir brauchen ein entsprechendes Gewicht, um als starke Kraft mitzuregieren. Und wenn es erforderlich ist, stehe ich diesmal bereit, ein Ministeramt zu übernehmen.

Sie sind der einzige überregional bekannte Politiker der FDP in Sachsen. Genügt eine One-man-show für 5 % + x?

Es ist ja nicht ungewöhnlich, sondern heutzutage die Regel, dass nur noch ganz wenige Politiker überregional bekannt sind. Da freue ich mich, zu den bekannteren zu gehören. Aber eine außerparlamentarische Zeit übersteht man nur dann gut, wenn man ein Team ist. Und das sind wir. Unsere Stärke ist die kommunale Verwurzelung in ganz Sachsen, mit 21 Bürgermeistern und knapp 300 Mandatsträgern.

Als Unternehmer sind Sie es gewohnt, Probleme zu lösen. Warum wollen Sie es sich antun, als Politiker nur über Probleme zu palavern, am besten über welche, die man selbst verursacht hat?

Es ist wirklich so, dass die Politik oft an den wahren Problemen vorbeiredet. Es gibt grundsätzlich große Missverständnisse zwischen Politikern und Bürgern. Es geht alles bürokratisch langsam, man steht sich auf den Füßen. Das ist so, weil viel zu wenig Leute aus der beruflichen Praxis in der Politik sind. Wir leiden zunehmend unter dem Berufspolitikertum. Ich habe mir aber als Kind der Wende geschworen, nicht einfach das zu machen, was andere mir sagen, sondern will selbst mitentscheiden. Und deshalb kandidiere ich.

Als Problemlöserpartei wird die FDP nicht wahrgenommen. Überhaupt sind alle Themenfelder besetzt. Wer, respektive wofür, braucht es dann noch Liberale? Wer sollte sich also letztlich freuen, dass die FDP wieder in den Landtag einzieht? Es sind doch längst alle Interessen des Volkes abgebildet.

Eben nicht. Viele wichtige Themen und Haltungen sind überhaupt nicht abgebildet. Ich sehe außer der FDP niemanden, der für Freiheit kämpft. Alle anderen setzen doch nur noch auf den Staat. Alle anderen wissen es immer besser als der Einzelne selbst. Wir haben einen komplett anderen Ansatz: Wir sind die einzige wirklich unabhängige Partei, die mitten aus dem Leben kommt, aber trotzdem politische Erfahrung hat. Ich denke, dass ist ein interessantes Angebot, das wir damit machen.

 

 

Beim Bundesparteitag der FDP überraschte Ihr Chef, Christian Lindner, mit chinesischen Schriftzeichen als plakatives Element. Orientieren sich die Liberalen an den Asiaten?

 

Nein. Aber wir machen uns Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Wir vergessen die Erfolgsgrundlage unseres Wohlstands: unsere Industrie, unseren Mittelstand, unser Handwerk. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn in Zukunft immer mehr in Asien passiert als bei uns. Deshalb kämpfen wir gegen die fortschrittsfeindliche grüne Verbotspolitik, gegen die schädliche Energiewende und machen uns für die einheimische Automobilindustrie stark. Wir setzen auf Ingenieurskunst, Innovation und Erfindergeist.

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