IHK: „Weit entfernt von normal“

Chemnitz. „Der Rest an Optimismus darf nicht auch noch verloren gehen“, appellierte der Chemnitzer IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich am Dienstag zum Sommer-Pressegespräch der Industrie- und Handelskammer Chemnitz. Seine Worte richten sich an die Vertreter Innen der Politik von Bund und Länder. Denn trotz aller in den letzten Wochen und Monaten wirksamen Soforthilfen für die Wirtschaft sei es noch ein langer Weg bis zum gewohnten Normalzustand. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmen weiterhin die Geschäfte der regionalen Industrie“, sagt Wunderlich.

Zwar komme die Nachfrage und Produktion wieder mehr in Schwung. Dennoch sei man weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Ein weiteres Problem zeichnet sich derweil auch am Ausbildungsmarkt ab. Zum 30.06.2020 wurden etwa 20 Prozent weniger Ausbildungsverträge im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 geschlossen. „Aktuell gibt es mehr Ausbildungsangebote als Ausbildungssuchende“, so Gabriele Hecker aus dem IHK-Fachbereich Ausbildung. Und dabei suchen die Ausbildungsbetriebe trotz der aktuellen Situation nach neuen Azubis. Diese fehlen aber bislang. Insgesamt 1055 freie Ausbildungsplätze sind im gesamten Bereich Südwestsachsen noch zu haben. „Gesucht wird im Moment noch in fast allen Bereichen, gerade in der Metall- und Elektroindustrie, aber auch im Handel und der Gastronomie hoffen wir auf eine weitere Besetzung der noch freien Ausbildungsplätze“, erklärt Gabriele Hecker.

Den größten Rückschlag gäbe es im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie in der Tourismusbranche. „Aufgrund der vielen Schließungen wegen Covid-19 sind viele Unternehmen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht“, sagt Gabriele Hecker. Zudem seien die fehlenden Berufsberatungen in den Schulen während der Corona-Zeit ein wesentlicher Faktor für den Rückgang der Ausbildungsverträge gewesen.

Die IHK Chemnitz will deshalb nochmals ihre Aktivitäten zum Abschluss von Ausbildungsverträgen in der Region durch eine dauerhaft geschaltete Azubi-Hotline sowie zusätzlichen Werbemaßnahmen in den bekannten Social-Mediakanäle wie Facebook, Instagram oder Youtube, verstärken. „Aber die Schülerinnen und Schüler müssen auch selbst endlich aktiv werden. Die Lehrstellenbörse ist voll. Doch der Trend bewegt sich momentan eher zur Bequemlichkeit“, ergänzt Wunderlich, der gleichzeitig auch auf die momentanen Probleme der gesamten Wirtschaft blickt. „Das Fass dürfe nicht zum Überlaufen gebracht werden“, warnt er. Gemeint sind zusätzliche Belastungen, wie das neue Lieferkettengesetz oder der veröffentlichte Gesetzentwurf der Staatsregierung zur Grundsteuer.

Beide Gesetze, die noch in diesem Jahr von der Bundesregierung beschlossen werden sollen, würden die UnternehmerInnen auf ihren Weg hin zu Normalisierung stark beeinträchtigen. „Die Wirtschaft muss erst einmal wieder auf die Beine kommen und darf nicht mit zusätzlichem Belast konfrontiert werden. Kritisch beäugt er vor allem die neue Grundsteuer in Sachsen, die Wohnungsmieter entlasten soll. Gleichzeitig werde jedoch, so Wunderlich, die Wirtschaft dadurch einseitig belastet. „Diese Logik ist gefährlich für die Unternehmen und langfristig auch für das Gemeinwesen insgesamt.“

Der Gesetzentwurf der sächsischen Staatsregierung knüpft an das sogenannte Bundesmodell an, das heißt es wird eine Neubewertung aller Grundstücke unter Berücksichtigung der Bodenrichtwerte und der statistischen Nettokaltmiete, der Fläche, der Immobilienart und des Alters der Gebäude geben. Zudem erfolgt eine Verschärfung durch die Splittung und Erhöhung der einheitlichen Steuermesszahl (0,36 ‰ für Wohngrundstücke und 0,72 ‰ für Geschäftsgrundstücke). Dr. Marco Hietschold, Geschäftsführer Zentrale Dienste sehe darin aber eine reine Simulationsrechnung. „Die Mehrbelastung ist vorprogrammiert.“ Zudem könne es hierdurch auch zur Verschlechterung der Wettbewerbssituation der sächsischen Unternehmen kommen, so Hietschold.

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