Im Dienst von Dr. Tod

Sven Rosenberger an einem der Plastinate aus einer Körperwelten-Ausstellung. Foto: privat

Mit Dr. Tod im Bunde und Weihnachten daheim

Von Sven Günther
Erzgebirge. Er ist eine der umstrittensten Figuren der jüngeren deutschen Geschichte. Gunther von Hagens. Der Körperwelten-Erfinder mit dem Krempenhut. Der Mann, der Menschen und Tiere plastiniert und weltweit ausstellt. Kritiker sagen: Es stellt sie zur Schau. Manche Zeitungen gaben ihm den Spitznamen Dr. Tod.
Ein junger Mann aus dem Erzgebirge arbeitet seit April 2009 eng mit ihm zusammen, hat es vom einfachen Präparator zu einem der wichtigsten Mitarbeiter beim Aufbau der „Körperwelten-Ausstellungen“ gebracht. Sven Rosenberger aus Crottendorf ist auf allen Kontinenten gefragt, wenn es darum geht, die Präparate im besten Licht und sehenswerten Posen zu präsentieren.
Die Körperwelten. Seit Jahren polarisieren die Ausstellungen Gunther von Hagens, ernten Jubel- und Entrüstungsstürme.
„Ich bin sprachlos. Es war bemerkenswert. Danke“, sagt zum Beispiel US-Schauspielerin Jennifer Aniston. Kollegin Nicole Kidmann meint: „Danke für diese wichtige Ausstellung. Eine großartige Art, etwas zu lernen.“ Und Schlager-König Jürgen Drews lacht: „Aus dem Kornfeld in die KÖRPERWELTEN Hamburg – extremer geht‘s nicht.“
Inzwischen sahen knapp 50 Millionen Menschen auf der ganzen Welt die elf unterschiedlichen Ausstellungen bei denen zwischen 160 und 200 echte menschliche Präparate sowie präparierte Tiere ausgestellt werden. Dafür, dass die in den richtigen Positionen und dem richtigen Licht beeindrucken, sorgt Sven Rosenberger.
Er erinnert sich: „Ich war nach meiner staatlichen Ausbildung zum Physiotherapeuten unzufrieden, weil es keine richtigen Jobs gab, mir immer noch einige wichtig Bereiche wie Manuelle Therapie fehlten.“ Der Crottendorfer suchte eine Herausforderung, ließ sich von einem Klassenkameraden nach Guben locken, wo Gunther von Hagen seinen Firmensitz hatte. Rosenberger wurde Plastinations-Assistent, bekam die ersten Leichen auf den Tisch. „Dabei kam mir meine fundierte Anatomie-Ausbildung zugute“, erinnert sich der Erzgebirger, der das Plastinieren als technischen Vorgang beschreibt, bei dem die Toten in einem Formalin-Bad fixiert werden, ehe das Blut ausgetauscht und der Körper in einem Silikonbad im Vakuum haltbar gemacht wird. Rosenberger: „Ich fing mit Armen und Beinen an. Das ist einfacher als die filigranen Arbeiten im Gesicht.“
Berührungsängste? Fehlanzeige! „Durch das Formalin riecht es nicht“, sagt der Erzgebirger. „Wenn man emotional kompakt ist, bekommt man kein Problem.“
Rosenberger machte bald den nächsten Schritt, zog in die Körperwelten-Zentrale nach Heidelberg, lernte musealen Messebau und ist jetzt leitender Techniker im nationalen und internationalen Ausstellungsbau der Körperwelten/BodyWorlds – Ausstellungen. „Fünf Kontinente, 30 Länder weltweit, 25 US-Bundesstaaten, rund 210 Auf- und Abbauten“, erzählt Sven Rosenberger und erklärt, dass er den Spruch „Der kürzeste Weg zu Dir ist eine Reise um Erde“ verstanden hat. Verliebt hat sich der Erzgebirger auf seinen Reisen auch, lernte seine Frau in Mexiko kennen.
Zu Weihnachten kommt er in die Heimat, freut sich schon: „Am Heiligen Abend in Crottendorf zu sein, die Familie um sich zu haben, möchte ich nicht missen.“

Sven Rosenberger arbeitet seit 2009 für Körperwelten-Erfinder Gunther von Hagens. Fotos: privat

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