Integration in den Arbeitsmarkt

Integration in den Arbeitsmarkt

Mary Weigel-Koppka und Rami Kanbar, ein 29-jähriger syrischer Flüchtling, helfen seit Februar integrationswilligen Migranten, die in Hainichen bleiben möchten, bei den nötigen Schritten. Foto: Stadtverwaltung Hainichen

Mittelsachsen. Derzeit leben 3000 Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis. „Nach aktueller Prognose nimmt der Landkreis im Mai 74 Asylsuchende auf. Weitere Schätzungen liegen zur Zeit noch nicht vor“, teilte das Landratsamt Mittelsachsen mit.

Die Stadt Hainichen und Bürgermeister Dieter Greysinger haben bei der Integration in den Arbeitsmarkt definitv eine Vorreiterrolle in Sachsen und darüber hinaus inne.
Jedoch fruchtet die Arbeit nicht immer und auch nicht immer wie gewünscht. „Unsere Maßnahmen funktionieren bedingt“, sagte er. „Vor zwei Wochen haben drei Personen, zwei Afghanen und ein Pakistani, ein Praktikum bei einem Hainichener Betrieb begonnen. Und am Freitag konnte ich mit dem Geschäftsführer vereinbaren, dass zumindest zwei davon eine Ausbildung anfangen könnten.“
Unproblematisch gestaltet sich das aber nicht, denn der Hainichener Bürgermeister fügte ergänzend dazu an: „Allerdings will der Betrieb in der Presse nicht genannt werden, da er ansonsten befürchtet, bei einigen Kunden in Ungnade zu fallen.“

Die Arbeitsagentur Mittelsachen führt zu den aktuellen Zahlen aus: „Momentan sind 384 Personen aus Asylzugangsstaaten bei der Agentur für Arbeit Freiberg/Jobcenter arbeitslos gemeldet. Der größte Anteil (213 Personen) kommt aus Syrien. Derzeit sind sechs Flüchtlinge bei Maßnahmen in einem Unternehmen. Bei positiver Arbeitserlaubnis sind vier Festeinstellungen geplant. Eine Person ist seit 1. Dezember 2015  und eine weitere seit dem 1. Mai 2016 in einem Beschäftigungsverhältnis.“

Integration in den Arbeitsmarkt: auch die Unternehmen sind gefordert

Zur Integration in den Arbeitsmarkt gehört natürlich auch die Einstellungsbereitschaft von Unternehmen. Dazu erklärte die Agentur für Arbeit Freiberg: „In persönlichen Gesprächen signalisieren Arbeitgeber immer wieder, dass  sie bereit sind Flüchtlingen eine Chance zu geben. Das Interesse, Flüchtlinge im Unternehmen zu beschäftigen ist gegeben – vor allem im Verarbeitenden Gewerbe, aber auch im Gesundheitswesen, im Dienstleistungsbereich und der Gastronomie.“
Die Flüchtlinge und Asylbewerber bringen unterschiedliche Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt mit. „Die uns gemeldeten Flüchtlinge haben unterschiedliche Berufsqualifikationen. Wir haben Friseure, Elektriker,  Ärzte, Ingenieure oder Personen, die sich für Helfer-Tätigkeiten interessieren“, teilte die Arbeitsagentur dahingehend mit.
„Hinsichtlich der Einstellung im Unternehmen spielt die formale Qualifikation der Flüchtlinge nicht die größte Rolle. Vielmehr geht es den Unternehmen darum, dass Sprachkenntnisse vorhanden sind und man sich gut verständigen kann“ führen Arbeitsagentur und Jobcenter ins Feld. „Ebenso zählen Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Engagement und Lernbereitschaft. Wichtig ist außerdem, dass die Qualitätsansprüche des Betriebes, zum Beispiel DIN-Richtlinien, erfüllt werden.“
Zu den größten Problemen hinsichtlich der Integration in den Arbeitsmarkt führte die Agentur für Arbeit an: „Unsicherheiten bestehen auf Seiten der Unternehmen in Bezug auf die Rechtslage, zum Beispiel bezüglich des Aufenthaltsstatus, und was alles bei der Einstellung eines Flüchtlings beachtet werden muss.“
Allerdings bieten Arbeitsagentur und Jobcenter schon seit längerem auch dahingehend Unterstützung an: „Um diese Unsicherheiten zu reduzieren, finden bereits seit einiger Zeit Betriebsbesuche durch unsere Mitarbeiter in den Unternehmen statt. Die Arbeitgeber werden zur Einstellung beraten. Es stehen in den Teams des Arbeitgeber-Services spezielle Ansprechpartner zur Verfügung, an die sich jedes Unternehmen wenden kann.“

Integration in den Arbeitsmarkt – Agentur für Arbeit unterstützt

Seitens der Arbeitsagentur Mittelsachsen gibt es zahlreiche Arbeitsgruppen und Projekte sowie unterstützte Netzwerke zur Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Zum Beispiel arbeitet man eng mit dem Kompetenzteam Wirtschaft – Mittelsachsen des Landkreises, das sich unter anderem den Themen Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen widmet, zusammen.
Der Arbeitskreis „Migranten in Mittelsachsen“ der Arbeitsagentur behandelt Themen wie Zuwanderung und Flüchtlinge.
Ein Netzwerk mit der Bezeichnung Kernteam Fachkräftesicherung Mittelsachsen „Deine Zukunft Mittelsachsen!“ befasst sich der mit nachhaltigen Sicherung des Fachkräfteangebots in Mittelsachsen. Die Handlungsfelder sind dabei, Berufs- und Studienorientierung, Ausbildung und Studium, Qualifizierung, Integration und Zuwanderung sowie Personalentwicklung. Das Netzwerk „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist zum Beispiel eine Austauschplattform für Mitarbeiter der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter.
„Das Thema Integration ist sehr breit gefächert, der Landkreis beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema auch im Zuge der neuen Integrationsrichtlinie des Freistaates“, teilt der Landkreis mit. „Vor allem zahlreichen engagierten Bürgerinnen und Bürger aber auch Kommunen und Behörden machten sich um die Integration verdient. Die Integrationsmaßnahmen betreffen hauptsächlich das Erlernen der deutschen Sprache als Voraussetzung – sowohl ehrenamtlich als auch an der Volkshochschule und bei Kindern im schulpflichtigen Alter in den DaZ-Klassen.“
Weiter heißt es seitens des Landkreises: „Die Willkommens-Paten und die ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer sind unverzichtbarer Bestandteil der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit.  Der Landkreis Mittelsachsen hat über die Richtlinie „Integrative Maßnahmen“ etwa 50 ehrenamtliche Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer registriert, die im vergangenen Jahr in den Gemeinschaftsunterkünften und in anderen Einrichtungen des Landkreises den Flüchtlingen erste Sprachkenntnisse vermitteln.“

 

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