Interview: Carsten Körber tritt erneut an

Bundestagsabgeordneter Carsten Körber. Foto: Sebastian Brückner

Zwickau/ Berlin. Carsten Körber wird für die Bundestagswahl 2021 erneut ins Rennen geschickt. Die CDU-Mitglieder im Bundestagswahlkreis Zwickau gaben dem Abgeordneten kürzlich im Rahmen einer Mitgliedervollversammlung in der Sachsenlandhalle Glauchau erneut ihre Zustimmung. WochenENDspiegel-Redakteurin Alice Jagals sprach mit ihm.

Gratulation, Herr Körber, zur Wiederwahl für die Direktkandidatur der Union für die Bundestagswahl 2021. Sie konnten bei der Mitgliederversammlung knapp 90 Prozent der Stimmen für sich gewinnen. Ohne Gegenkandidat. Ist der Beruf nicht so beliebt? 

Wenn man Umfragen Glauben schenken darf, ist der Beruf tatsächlich nicht über Gebühr beliebt. Man steht sehr im öffentlichen Fokus, man wird oft kritisiert – regelmäßig auch für Dinge, für die man nicht kann. Zudem ist man nur die Hälfte des Jahres zuhause, die andere Hälfte ist man in Berlin. Ein reguläres Familienleben, vor allem, wenn man Kinder hat, ist so kaum möglich.

An der Parteibasis ist man, so wird mir regelmäßig versichert, mit meiner Arbeit im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Und wenn dann bei der Nominierung knapp 90 Prozent der Stimmen bekommt, scheint das wohl zu stimmen. Das freut mich natürlich, ist aber auch Ansporn zugleich, weiter dranzubleiben.

Was hält Sie so lang schon in Ihrem Aufgabengebiet?

Meine politische Arbeit in Berlin ist vor allem durch meine Mitgliedschaft im Haushaltsausschuss geprägt. Das Budgetrecht über die Regierung obliegt dem Parlament. Und hier kommen dann wir Haushälter ins Spiel. Als Haushaltsgesetzgeber hat man einen besonderen Gestaltungsspielraum, aber es geht auch eine große Verantwortung damit einher. Aber es ist schon sehr schön, wenn man sieht, dass man eigene Wünsche, eigene Vorstellungen umsetzen kann.

Ist das nicht manchmal stressig? Neben Ihren bisherigen Aufgaben sind Sie vor kurzem auch in den Aufsichtsrat der Toll Collect GmbH bestellt worden. Wie finden Sie einen Ausgleich?

Ich habe mal nachgerechnet. Ich komme regelmäßig schon auf Arbeitstage von 12 bis 16 Stunden. Eine 60 bis 70-Stunden-Woche ist zumeist der Normalfall, verbunden mit all dem Stress, der Hektik, der Anspannung, die mit einer herausgehobenen Position einhergehen. Das geht teilweise auch an die Substanz. Dabei sind die Grenzen zwischen dienstlich-öffentlichem Dasein und dem Privatleben fließend. Denn das Telefon klingelt auch sonntags und an Feiertagen.

Zum Ausgleich und um mich fit zu halten, mache ich Sport. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig joggen. Aber auch dafür bleibt mir oft zu wenig Zeit. Ich versuche, mir meinen nötigen Freiraum zu erkämpfen. Ich liebe Italien, fahre regelmäßig dorthin, um ein paar Tage abzuschalten. Und ich habe eine große Leidenschaft für die Oper. Vor allem bei Wagner kann ich wieder auftanken.

Die Corona-Krise bestimmte und bestimmt das Leben in Deutschland. Was ist das Positive, das Sie aus den letzten Wochen ziehen und welche negativen Erfahrungen mussten Sie machen?

Das Positive ganz persönlich ist, dass man gezwungen wurde, runterzukommen, zu entschleunigen. Dass man auch ein Stückweit seine persönliche Mitte wiedergefunden hat. Man war in dieser Zeit nicht Sklave seines Terminkalenders. Das kenne ich durchaus anders. Man konnte in einem natürlichen Rhythmus in den Tag hineingehen. Ich glaube, dass haben viele von uns so wahrgenommen. Dass man vielleicht auch in dieser Zeit wieder einen besseren Blick für das wirklich Wichtige und fürs wirklich Wesentliche entwickeln konnte.

Was mich sehr beeindruckt hat, war das gesellschaftliche Miteinander. Dieses Miteinander, was da gewachsen ist, die Fürsorge und der Blick für den anderen, waren wesentlich stärker als das Gegeneinander, das wir zum Teil auch erleben mussten. Man ist bereit, sich persönlich einzuschränken, um den Nächsten, um den Schwächeren zu schützen. Das ist schön zu sehen.

Als negativ habe ich die Distanz empfunden, die mit Videocalls und Telefonkonferenzen einherging. Und die erste Phase des Lockdowns war bei vielen Menschen natürlich von massiver Unsicherheit und auch Ängsten geprägt. Diese Sorgen und auch Existenzängste lassen mich natürlich nicht kalt. Und das negativste Erlebnis für mich ganz persönlich und auch meine Frau war, dass wir unsere Hochzeit absagen mussten. Die Trauung war für April in Mülsen geplant.

Der Wahlkampf an sich kommt noch. Worin werden Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

Für das Thema Wirtschaft brenne ich seit jeher. Der Mittelstand als wirtschaftliches Rückgrat unserer Region ist nach wie vor eines meiner wichtigsten Themen. Wirtschaft ist eine der Grundvoraussetzungen für allgemeinen Wohlstand. Zugleich treibt mich aber auch der Gedanke um, wie steht es um unsere Demokratie, wie steht es um unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. In diesen Fragen weiter voranzukommen, ist für unser gesellschaftliches Miteinander elementar wichtig. Dafür kämpfe ich.

Vielen Dank für das Gespräch.

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