In die Historie geschaut: Zwickauer Straße/Kappler Drehe in Richtung Kaßberg

Altes und neueres Kappel vereint: Die Zwickauer Straße/Kappler Drehe in Richtung Kaßberg, einmal um 1926 und 2010. Foto: Zeitzeugenkalender

Chemnitz/Kappel. Der Vorort Kappel war bis zur Eingemeindung nach Chemnitz im Jahre 1900 eine selbstständige Gemeinde. Erstmals erwähnt wird Kappel im Zinsregister des Benediktinerklosters um 1200. Mit der Säkularisierung des Klosters 1546 wird der Ort in den Amtsbereich Chemnitz eingegliedert. Zwischen 1790 und 1840 entstanden in Kappel bereits kleine Fabriken und Manufakturen. Als Chemnitzer Vorort war Kappel eng mit der industriellen Entwicklung der Stadt verbunden und erlebte einen ebenso enormen Aufschwung, ab 1867 setzte hier ein regelrechter Bauboom ein.

Es entstanden beispielsweise die Strickmaschinenfabrik von Albert Voigt und die Werkzeugmaschinenfabrik von David Gustav Diehl, die Wirkwarenfabrik von Moritz Samuel Esche und die Maschinenfabrik von Herrmann und Alfred Escher (später Gießerei „Rudolf Harlaß“, heute Industriemuseum). Neben weiteren zahlreichen Industriebetrieben auch die Böhme Fettchemie, später VEB Fettchemie. Um 1880 erhielt Kappel einen Güterbahnhof und im selben Jahr richtete die Chemnitzer Straßenbahn, zunächst noch als „Pferdebahn“, ihr Depot in Kappel ein. Im Jahr 1894 ist Kappel schon mit der „Elektrischen“ verbunden, die zunächst bis Schönau und vier Jahre später bis Reichenbrand verkehrt.

Auf der historischen Abbildung hält die Linie R aus der Innenstadt kommend an der sogenannten „Kappler Drehe“, zur Weiterfahrt in Richtung Reichenbrand. 1927 wurden statt Buchstaben Nummern für die Straßenbahnlinien eingeführt, dann wurde es die Linie 1. Anfang Mai 1981 wurde der Betrieb der Schmalspur-Straßenbahn entlang der Zwickauer Straße gänzlich eingestellt, bis die neue Bahn dann auf breiter Spur, ab 1. August 1988, wieder bis Schönau ihre Fahrt aufnehmen konnte. Bis zur Kappler Dreher von der Innenstadt her, verkehrt seither die Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper und danach entlang des Bachgrundes bis Schönau.

Dies erforderte den Abriss der alten Gebäude, die auf der alten Ansicht im Vordergrund links noch zu sehen sind. Stehen blieb das Haus Ecke zur Michaelstraße links, in dem sich einst die Stern-Apotheke befand und sich seither darin verschiedene Handelseinrichtungen finden. In der Häuserfront an der Michaelstraße dahinter befanden sich früher eine Bäckerei und eine Fleischerei, an der Ecke das Restaurant „Zur Waldenburg“, später „Zur Kappler Drehe“, in diesen Räumlichkeiten befindet sich das Möbelhaus Stöckert.

Bis 1812 verlief der Straßenverkehr durch Kappel noch am Bachgrund, der heutige Verlauf entstand ab 1812, als französische Truppen auf ihrer Flucht westwärts hier mit ihren Geschützen und Wagen entlang der Fuß- und Feldwege durchmarschieren mussten. Es war im März und durch vorübergehend starken Wasserfluss war die Dorfstraße am Bachgrund nicht passierbar. So kam es danach zu einer neuen Trassierung, die eine starke, um 80 Meter versetzte, Krümmung erhielt – die Kappler Drehe. Die Zwickauer Straße wurde 1885 durch die Stadt Chemnitz um die Kappler Grundstücke verlängert, die bis dahin an der Hofer Chaussee lagen.

Die Michaelstraße die zwischen der Kappler Drehe und der Weststraße verläuft, wurde benannt nach Julius Oskar Michael, der Superintendent und Pfarrer in St. Nikolai war. Vorher hieß der um 1879 angelegte, viel kleinere Straßenzug „Waldenburger Straße“. Im Vordergrund der Abbildungen fließt heute der Straßenverkehr zwischen der Neefe- und der Zwickauer Straße auf einer neu geschaffenen kürzeren Verbindung, vordem gab es nur einen kleinen Straßenzug an dieser Stelle, den man ursprünglich nach dem Komponisten Franz Schubert benannt hatte, später als Verlängerung in die Haydnstraße einbezog. Berühmte Musiker haben den Kappler Straßen zu klangvollen Namen verholfen.

Aus: Zeitzeugenkalender

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