Kein Augenarzt in Sicht

Fachärzte für Augenheilkunde sind im Erzgebirge Mangelware. Auch am Auer Klinikum sucht man einen zweiten Facharzt für das dortige Augen-MVZ. Foto: Katharina Kurzweg

Bis zum Sommer kann die Augenarzt – Praxis im MVZ am Auer Klinikum keine Termine mehr vergeben. Täglich werden 80 Patienten behandelt, weitere 60-80 Menschen kontaktieren die Praxis telefonisch. Mit diesem Zuspruch muss aktuell eine Ärztin allein fertig werden: „Wir haben in Aue einen augenärztlichen Sitz. Bis vor einem Jahr teilten sich drei Ärzte in die Sprechzeiten, konnten sich gegenseitig vertreten. Doch die Situation hat sich geändert: einen Arzt zog es zurück in die Heimat und eine Ärztin ist in Babypause”, erklärt Katrin Porsch, Kaufmännische Leiterin des MVZ am HELIOS Klinikum Aue. Die weiter steigenden Patientenzahlen führten nun dazu, dass ein Aufnahmestopp erfolgend musste, auch wenn eine Ärztin den Sitz komplett ausfüllt.

Wie geht es perspektivisch weiter?

Viele, die schon einmal versuchten, einen Termin bei einem Augenarzt zu bekommen, kennen das Problem. Es ist richtig schwer. Überall werden Fachärzte gesucht.

Das Helios Klinikum Aue ist Akademisches Lehrkrankenhaus, bildet selber aus. Trotzdem ist es schwer, Nachwuchs für die Niederlassungen zu gewinnen. Auch Anzeigenschaltungen brachten wenig Erfolg. So wird MU Dr. Orencakova voraussichtlich erst einmal Einzelkämpferin im MVZ bleiben. Die junge Ärztin behandelt täglich rund 80 Patienten. Hinzu kommen bis zu 80 telefonische Terminanfragen. Wer Ende 2016 anrief, erhielt einen Termin für Mitte 2018. „Diese Situation war weder für die Patienten noch für das Praxisteam zumutbar”, so Porsch. „Wir mussten reagieren, auch wenn uns die Entscheidung sehr schwer fiel. Bis zum Sommer werden wir keine Termine vergeben. Akute Erkrankungen werden natürlich nach wie vor behandelt, es wird niemand mit einer Augenerkrankung weggeschickt.” Aktuell werden Praxisorganisation und Ausrichtung überarbeitet, parallel sucht man weiterhin nach einem Facharzt.

Notfälle für den Augenarzt

Schlimme Notfälle werden natürlich in der Notfallambulanz angenommen. Doch alles, was kein Notfall ist, muss an den augenärztlichen Notdienst oder die Praxis verwiesen werden. Das kann aber unter Umständen auch ein Arzt in Annaberg sein. „Es gibt Vorgaben, was ein Notfall ist und was nicht”, erklärt Katrin Porsch.

Aber warum dürfen Patienten nicht in die Ambulanz der Augenklinik gleich nebenan kommen?

Hier arbeiten drei Klinikärzte mit sogenannter Ermächtigung für ambulante Operationen. In dieser Ambulanz geht es vor allem um die Vor- und Nachbereitung von Operationen, eine Überweisung vom Facharzt – also einem Augenarzt – ist nötig. Für Patienten ist dies nur schwer nachvollziehbar. „Es gibt einfach strenge Regeln, an die wir uns als Klinik halten müssen”, sagt Katrin Porsch. „Ambulante und stationäre Versorgung sind klar getrennt.”

Gern würde das HELIOS Klinikum im MVZ wieder mehr Augenärzte einstellen, um die Versorgungslücken auf diesem Gebiet zu schließen. Die Suche läuft auf Hochtouren. hb

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