Keine Pampers – aber Hilfe

Konjunktur im Funkenflug. Fotos: Nicole Schwalbe

Chemnitz. „Wir wollen nicht gepampert werden“, sagte Dr. Ludwig Sebastian Meyer-Stork, Geschäftsführer von steelconcept. Das Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter und verarbeitet 2000 Tonnen Baustahl pro Jahr. „Was wir benötigen ist aber Unterstützung seitens der Politik. Mir fehlt das Verständnis, das es heißt, eine Senkung der Steuern käme einer Subvention der Industriebetriebe gleich.“

Aus seiner Sicht sind Steuersenkungen unerlässlich, um die Wirtschaft in Deutschland zu stabilisieren. Die neuen Zahlen zur Herbstkonjunktur, die Handwerkskammer (HWK) Chemnitz und Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz ind Meyer-Storks Firma vorgestellt haben, sprechen für seine These.

1500 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Bauindustrie, Handwerk, Dienstleistung, Handel und Güterverkehr mit mehr als 40.000 Beschäftigten beteiligten sich an der Umfrage. Industrie und Handel sind sich einig, die Konjunktur kühlt deutlich ab. Vor allem die Wirtschaftssanktionen der EU gegenüber Rußland, der Brexit, Zoll- und Handelskonflikte trüben die Lage. Rückläufige Exporterwartungen und nachlassende Aufträge schlagen zu Buche, zudem sinkt die Nachfrage nach Transportkapazitäten und Logistikdienstleistungen.

Auch ein Engpass an Fachkräften erschwert die Geschäfte. Während Handwerk, Bauindustrie und Bauhandwerk noch stark von der stabilen Binnennachfrage und der anhaltenden Bautätigkeit profitieren, verzeichnete Industrie und Nahrungsmittelhandwerk einen Rückgang. Im Vergleich zum Vorjahr hat es in diesem Jahr 3,5 Prozent weniger Ausbildungsverträge gegeben, Unternehmen müssten mittlerweile den potentiellen Auszubildenden sagen, weshalb ihre Firma die beste Wahl am Markt sei. Selbst der Strukturwandel der Automobilindustrie hin zur Elektromobilität sei herausfordernd, so Dr. Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz. Als Lösungen fordern Industrie und Wirtschaft vor allem Steuerentlastungen. „Es ist ein Irrglaube, wenn die Politik davon ausgeht, dass Steuersenkungen zu Gewinnerhöhungen und damit zu Ausschüttungen an Gesellschafter führen“, so Pfortner.

Das Klima wird rauer, die Zufriedenheit sinkt. In der Gesamtbetrachtung sind sowohl Investitions- als auch Personalplanungen rückläufig, Entlastungen durch Abbau von Bürokratie, Steuern und Energiepreisen werden gefordert. „Einschätzungen zur aktuellen Lage sinken im Vergleich zum Vorjahr um 16 auf 116 Punkte im Handwerk“, so Frank Wagner, Präsident der HWK Chemnitz. Auch der IHK-Geschäfstklimaindex ist von 131 Punkten im Vorjahr auf 111 Punkte gefallen. Das ist ein deutlicher Appell an die Politik, um einen weiteren Konjunkturabschwung einzudämmen. sch

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