Keine schwere Kost

Gesund soll es sein und schmecken - an Kita-Essen werden hohe Ansprüche gestellt. Foto: bit

Gesund soll es sein und schmecken – an Kita-Essen werden hohe Ansprüche gestellt. Foto: bit

Chemnitz. Es gibt Tortellini mit Tomatensauce – ein Lieblingsessen für wohl jedes Kind. Während die Kinder, die Tischdienst haben, die gelben Plastikteller und das Besteck verteilen, bereiten Jaennnette Uhlich und Gabriele Emde die Schüsseln mit den Nudeln und der Sauce vor.

Auf jeden Tisch kommen die Schüsseln. Anschließend geben die Kinder der Marienkäfergruppe in der Kita Waldhäuschen selbstständig das Mittagessen auf ihre Teller. Der eine mehr, der andere weniger.

Alexander gibt sich ordentlich Nudeln auf den Teller. Lia scheint etwas Angst zu haben, dass am Ende nichts mehr übrig bleibt und ermahnt ihren Kindergartenfreund:

„Nicht so viel. Hör auf ,Alexander. Es ist gut.“

Erst nachdem jeder sein Essen hat und der Tischspruch gesagt wurde geht es los mit Mittagessen. An sich ist es nichts ungewöhnliches, und doch wird in vielen Kitas das Essen den Jüngsten einfach vorgesetzt.

Die kommunale Kita an der Rudolf-Krahl-Straße lässt sich ihr Essen nicht liefern, sondern versorgt sich selbst. Während in den meisten Kitas im Stadtgebiet Essen vom Großversorger auf den Tisch kommt,  legen einige kommunale Kitas und freie Träger Wert auf eine individuelle Versorgung der Kinder.

Erst kürzlich berichtete ein Fernsehsender von katastrophalen Zuständen bei der Essensversorgung in Kitas und Schulen. Doch was essen unsere Chemnitzer Kindergartenkinder so?

In der Kita Waldhäuschen wird bereits seit der Sanierung selber gekocht.

„Vielen Eltern ist eine gesunde Ernährung ihrer Kinder wichtig und auch für mich ist es eine Herzensangelegenheit. Für die Eltern war klar, sie bezahlen lieber etwas mehr und wissen was ihre Kinder essen“, so Ilona Ullmann, Leiterin der Kita und

erklärt die Vorteile einer Selbstversorgung der Einrichtung: „Es entfallen die langen Transportwege. Außerdem sind wir flexibler was die Wünsche der Kinder angeht. Gleichzeitig können wir auch bei Wetterbedingungen besser reagieren. Zudem können wir die Essenzubereitung auch auf die Essenszeiten der unterschiedlichen Kita-Gruppen anpassen.“

In der Kita wird der wöchentliche Speiseplan zusammen mit Küchenpersonal und Einrichtungsleiterin abgesprochen. Da ist es eben wichtig, dass nur einmal in der Woche Fleisch auf dem Speiseplan steht.

Hinzukommt ein süßes Mittagessen, ein Fischgericht, einmal in der Woche gibt es außerdem vegetarisch. Seit Januar bezahlen die Eltern pro Mittagessen in der Kita 2,85 Euro.

Statt Pizza, Burger und Co. ist für Kinder bereits von Anfang an eine gesunde ausgewogene Ernährung wichtig. Beim Familienverein für Groß und Klein e.V. bekommen Eltern hilfreiche Tipps für eine gesunde Ernährung. Foto: bit

Statt Pizza, Burger und Co. ist für Kinder bereits von Anfang an eine gesunde ausgewogene Ernährung wichtig. Beim Familienverein für Groß und Klein e.V. bekommen Eltern hilfreiche Tipps für eine gesunde Ernährung. Foto: bit

Ebenso wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, wo Essen herkommt, was gesund ist und welche Obst-, Kräuter- und Gemüsesorten es gibt. In der Kita in Altendorf gibt es dazu spielerische Projekte oder auch Aktionen, wie die Kinderküche.

„Es ist einfacher, Kinder für Obst und Gemüse zu begeistern, wenn man sie bei der Zubereitung mit einbindet. Sie können zum Beispiel Erdbeeren oder Bananen selbst schneiden. So fühlen und riechen sie die Früchte und lernen typische Merkmale aus eigener Erfahrung kennen.

Während sie schon dabei selbst entdecken können, wie lecker sie sind, können Erwachsene ihnen erklären, wie gesund sie sind“, so Caroline Kügler, die sich im Familienverein für Groß und Klein e.V. zur gesunden Ernährung der Kinder informierte.

Doch gerade in Familien mit einem geringenen Einkommen oder die von sozialen Leistungen leben, wird eine gesunde Ernährung häufig hinten ran gestellt.

Ganz klar ein Problem unserer heutigen Gesellschaft, in der gesunde Ernährung zum Luxusgut statt zur Normalität wird. Doch auch Hektik, Alltagsstress und Arbeitszeiten sind ein Grund, warum Kinder manchmal ungesünder leben.

Doch spielt das Selbstkochen in Kitas und die bewusste Erziehung der Kinder im Umgang mit Lebensmitteln eine Rolle bei der Auswahl der passenden Kita?

„Ja, das merken wir schon. Neben der Wohnortnähe, der Lage und der Außenwirkung wird es für Eltern immer wichtiger.  Vor allem Mamas und Papas, deren Kinder Lebensmittelunverträglichkeiten haben oder aus religiösen Gründen bestimmte Speisen nicht essen können, schätzen unsere zugeschnittenen Essensangebote“, so die Leiterin weiter.

Die Kinder der Vorschulgruppe im Waldhäuschen sind sich einig: „Das Essen ist lecker.“

Dabei haben sie natürlich auch Lieblingsessen. Von klassischen Essen, die Kinder mögen, wie Griesbrei und Nudeln, finden sie auch Spinat, Kartoffelbrei, Fischstäbchen, Beefsteak lecker.

Und man staunt nicht schlecht: „Gemüse und Obst sind lecker, weil es gesund ist“, erklärt Alina.

Derzeit wird in der Stadt in elf kommunalen Kindertageseinrichtungen selbstgekocht. Darüberhinaus wird in einigen Kitas das Essen durch die Cook`n-chill-Verfahren oder durch teilweise Tiefkühlkost vor Ort aufbereitet. Die dritte Verfahrensweise ist die Anlieferung fertiger Mahlzeiten.

Auch einige freie Träger versorgen ihre Kitas mit selbstgekochtem Essen – entweder vor Ort oder durch eine zentrale Küche.

„Gerade in Chemnitz ist das Thema präsent. Es gibt immer weniger Kitas in denen selbst gekocht wird, diese Entwicklung finde ich bedenklich. Vor allem weil die Qualität der Belieferer mangelhaft ist“, so Jacqueline Hofmann vom Familienverein für Groß und Klein e.V..

Deshalb ist es der jungen Frau auch eine Herzensangelegenheit, Eltern für eine gesunde Ernährung des Nachwuchses schon vor der Kitazeit zu sensibilisieren.

Dazu bietet sie im Familienverein  Workshops für Eltern an.

„Wir möchten den Eltern zeigen, dass es eben nicht immer Fertigprodukte oder Süßes sein muss, was sie ihren Kindern in die Kita und Schule mitgeben“, so Hofmann weiter.

Einige Eltern nutzen bereits den Familienverein als Plattform zum Austauschen und Beraten über gesunde Ernährung.

„Ich möchte meine Kinder möglichst früh an Obst und Gemüse heranführen. Dafür ist es sehr hilfreich, hier mit anderen Muttis Erfahrungen und Rezepte auszutauschen“, erklärt Caroline Mieth, Mutter zweier Kinder.

Gesunde Ernährung sollte wieder bezahlbar sein und weniger ein Luxusgut bleiben.

 

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