Kinder im Lockdown

Der 6. Monat Homeschooling ist eine Herausforderung für Eltern und Kinder. Foto: Nicole Schwalbe

 

Wie motiviert man die Jugend wieder

Zwickau. „Wir haben in der Kinder- und Jugendpsychiatrie immer mehr Patienten mit deutlicher Gewichtszunahme mit allen damit verbundenen gesundheitlichen Folgen“, sagt Cornelia Stefan, Chefärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters im Heinrich-Braun-Klinikum (HBK).

Isolation hat Folgen

Besorgniserregend sind jedoch nicht allein die Folgen des Bewegungsmangels von Kindern und Jugendlichen, sondern die Tatsache, dass der Nachwuchs neben Schlafstörungen mittlerweile auch „Wahrnehmungsstörungen“ aufweist. Durch die  Isolation, das viele Alleinsein kann sich das Gefühl von Stimmen-Hören entwickeln. „Rückzug ist wider der Natur. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht Kontakte. Das ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen der Fall“, so die Medizinerin.

Copsy-Studie spiegelt Zustand der Kinder

Der Copsy-Studie zufolge, bei der über 1.000 Kinder im Alter von 11 bis 17 Jahren untersucht wurden, war auffällig, dass die Gereiztheit von 40 auf 54 Prozent gestiegen ist. Die Kinder haben Einschlafprobleme, Kopf- und Bauch- sowie Rückenschmerzen. 40 Prozent gaben an, dass ihre Lebensqualität gemindert sei seit Beginn der auf die Pandemie gestützten staatlichen Maßnahmen. Das sind 25 Prozent mehr als vor März 2020. Was aber können Eltern tun, um ihre Kinder wieder zu motivieren?

Tagesstruktur aufbauen und beibehalten

„Die Tagesstruktur muss erhalten und der Medienkonsum kontrolliert werden“, rät Cornelia Stefan. Das ist für viele berufstätige Eltern einfacher gesagt als getan, aber die Kinderpsychiaterin hat ganz konkrete Tipps:

„Am besten setzt sich die Familie mal an einen Tisch und überlegt, welche Aktivitäten die Kinder alleine und auch gemeinsam mit der Familie machen können, damit es allen besser geht. Eltern sollten mit den Kindern verhandeln. Besonders gut eignen sich hierfür Aufgaben mit Wettkampfcharakter“, erklärt Stefan. So kann man seinem Spross zum Beispiel vorschlagen, dass derjenige gewinnt, der am günstigsten einkaufen und lecker kochen kann. Wer am schnellsten den Küchendienst macht, bekommt eine Überraschung. Oder man macht Geo-Caching oder eine Schnitzeljagd im Wald.

Der Tag braucht einen Sinn

Hausaufgaben-Unterstützung kann man sich von anderen Eltern holen und tauscht dafür die Kinder, denn mit Fremden ist das Lernen oftmals leichter. Die Botschaft hinter der Motivation ist deutlich: Der Tag braucht einen Sinn, damit vor allem Teenager wissen, weshalb sie vom Bett aufstehen sollen.

Kitas und Schulen müssen offen bleiben

„Ich weiß um die Problematik mit dem Corona-Virus, dennoch ist es unser größtes Anliegen, die Kitas und Schulen geöffnet zu lassen“, schließt Stefan. Vor allem Kinder, die im HBK stabilisiert wurden, brauchen die Schule, um die Rückführung auch positiv umsetzen zu können. Ein Zurück ins einsame Zuhause ohne Kontakte macht jede Therapie hinfällig.

„Wir müssen umdenken, denn die Folgen bei unseren Kindern sind bereits jetzt schon nicht mehr absehbar, wenn das alles hier irgendwann vorbei ist.“

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