Klassenkampf! Kumpel vs. Kaufleute

Präsident Helge Leonhardt mit dem Trainer-Team Dirk Schuster (rechts) und Sascha Franz. Das Trio fordert Kampf und Leidenschaft. Foto: FCE

Klassischer Stellungskrieg…

Von Sven Günther
Aue. Wenn am Samstag 13 Uhr der Schiedsrichter die Partie des FC Erzgebirge Aue gegen den Hamburger SV in der 2. Fußball-Bundesliga anpfeift, heißt es: Klassenkampf! Auf der einen Seite die Kumpel aus dem Erzgebirge. Auf der anderen die Kaufleute aus dem hohen Norden.
Schaut man allein auf die Zahlen, scheint der Favorit klar. Die Spieler des HSV haben einen Marktwerkt von 56 Millionen Euro, die des FCE bringen es auf 16 Millionen Euro. Hamburg liegt mit 41 Punkte auf Platz 3, Aue ist mit zehn Punkten weniger Neunter.

Dazu die Historie, die Namen Europapokalsieger, Deutscher Meister, DFB-Pokal-Sieger. Denkt man HSV, schieben sich Spieler wie der unermütliche Stürmer Uwe Seeler, der rebellische Torwart Uli Stein, das Kopfballungeheuer Horst Hrubesch, der Bananen-Flanker Manfred Kalz, und der europapokalsiegtorschießende Wolfgang „Felix“ Magath vor das geistige Auge.

Klar, Aue hat Holger Erler, Harald Mothes, Jörg Weißflog, Willy Tröger oder Ervin Skela. An den gesamtdeutschen Klang der Hamburger Legenden reichen sie aber nicht heran.

Die Experten von www.bundesliga.com haben weitere Fakten zusammengetragen. Aue konnte noch nie gegen den HSV gewinnen. Vier Niederlagen und ein Remis stehen in der Statistik. Im Hinrundenspiel schossen die Hamburger nur vier Mal auf das Auer Tor. So wenig wie in keiner anderen Begegnung. Trotzdem gewann der HSV mit 4:0.
In der letzten Saison siegten die Norddeutschen im Erzgebirge 3:1. Im August 2000 gab es im DFB einen sicheren 3:0-Sieg. Damals spielten noch Sergej Barbarez, Thomas Doll und Nico Kovac für den HSV. Dennis Kempe und Dimitrij Nazarov scheiterten 2015 mit dem Karlsruher SC in der Relegation am Hamburger Sportverein.

Zahlen, Namen, Fakten – was aber unberechenbar bleibt, ist der Wille.

Den fordert insbesondere FCE-Präsident Helge Leonhardt.
Auf TAG24 wird er zitiert: „Ich will, dass gegen den HSV die Hütte brennt und alles für den Heimsieg getan wird.“ Schon nach der Abwehrschlacht in Osnabrück hatte er mit martialischer Wortwahl aufhorchen lassen, sagte: „Es war purer Kampf, wie in klassischen Stellungskriegen. Keiner will verlieren und von der Kugel getroffen werden. Es war vielleicht nicht schön anzuschauen für Fußballästheten, aber das kann uns egal sein.“

Dass der HSV im Klassenkampf Nerven zeigt, belegen die Ergebnisse im Klassenkampf Kitz-Kicker vs. Kaufleute. Die beiden Stadtderbys entschied der FC St. Pauli für sich. Das letzte mit 2:0 erst vor einer Woche…

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