Kleine Forscher ganz groß

Jake, Leoni und Tina von der Schmetterlingsgruppe sind begeistert, wie Michael Gobsch mit einem Luftballon ein kleines Röhrchen am Faden gleiten lassen kann. Foto: Uwe Wolf

Jake, Leoni und Tina von der Schmetterlingsgruppe sind begeistert, wie Michael Gobsch mit einem Luftballon ein kleines Röhrchen am Faden gleiten lassen kann. Foto: Uwe Wolf

Wechselburg. In der Wechselburger AWO-Kindertagesstätte „Buratino“ wird geforscht. Da entsteht ein Spaghettiturm, schiebt ein Luftballon ein Röhrchen am Faden entlang und an der Mulde lernen die Kindern vieles zum Thema Wasser kennen. Das bringt Abwechslung in den Tagesablauf, sorgt für AHA-Effekte und die Kinder lernen auf interessante und spielerische Weise stets einiges dazu. „Bei uns wird schon seit 2009 experimentiert. Seit 2014 sind wir Haus der kleinen Forscher“, sagte Michael Gobsch, Erzieher in der Einrichtung „Buratino“. „Im Kindergarten bieten wir auch Arbeitsgemeinschaften an, die AG Forscherclub und AG Knallfrösche heißen.“

Die Wechselburger Kindereinrichtung ist als „Haus der kleinen Forscher zertifiziert. In Sachsen beteiligen sich 64 Prozent der 2.237 Kitas und 54 Prozent der 621 Horte am Projekt „Haus der kleinen Forscher“. Im bundesweiten Vergleich nimmt der Freistaat damit einen Spitzenplatz ein. „In diesen Einrichtungen ist die frühkindliche Bildung im Bereich Naturwissenschaften, Mathematik und Technik fest verankert“, betonte Kultusministerin Brunhild Kurth, die sich über so viel Forschergeist freute. „Ihren Forschergeist können die Kinder der Einrichtung „Buratino“ nicht nur im Haus ausleben. „Wir haben das Glück, eine schöne Umgebung zu haben. So können wir zum Beispiel an der Mulde mit Wasser experimentieren, was für die Kinder stets ein besonderes Erlebnis ist. Auch mit Farben und Feuer wird experimentiert. Bei schönem Wetter nutzen wir die gesamte Umgebung zum Forschen“, erklärte Michael Gobsch.

Michael Gobsch spricht vorher mit den Gruppenerziehern ab, was er geplant hat und erfährt auch, was bei den Kindern gerade sehr gefragt ist. Bei Krippenkindern fallen die kleinen Experimente dem Alter entsprechend kurz aus, während die Vorschulkinder schon etwas länger forschen und experimentieren können. „Wichtig dabei ist, dass die Kinder nicht nur aufpassen, sondern mitgenommen werden, dass sie selbst etwas tun können und dabei praktische Dinge lernen“, meinte Gobsch. Ob das Ziel des Experimentes erreicht werde oder nicht sei nicht so wichtig. Wenn die Kinder mit den Materialien etwas anderes probieren würden als das eigentliche Experiment, dann sei das auch in Ordnung.

Geht es ans Wasser und Trichter, Schläuche, Spritzen und Gefäße sind dabei, dann zieht das die Kinder magisch an. Oft wird dann etwas anderes gemacht, als das Experiment vor sah. „Das ist letztendlich für die Kinder noch viel spannender als wenn ihnen etwas vorgegeben wird“, sagte der Erzieher.

Im Oktober steht die Neuzertifizierung als „Haus der kleinen Forscher“ an. Dafür gibt es schon gute Ideen in der Kita „Buratino“. Unabhängig davon plant Michael Gobsch, mit Elektroschrott zu arbeiten. „Solche Dinge auseinandernehmen und sehen was drin steckt ist für die Kinder sicher sehr interessant. Auch kann probiert werden, aus den Materialien etwas neues zubauen“, meinte Michael Gobsch.

Die Aktion „Haus der kleinen Forscher“ weitet sich inzwischen aus. 2015 wurden auch die ersten zwei Grundschulen zertifiziert. Mittlerweile beteiligen sich 15 Prozent der 825 Grundschulen an dem Projekt. Zertifizieren können sich Einrichtungen mit einem Online-Bewerbungsbogen. Gültig ist die Zertifizierung jeweils für zwei Jahre. Nachdem diese abgelaufen ist, kann sich erneut bei der Stiftung beworben werden. Den Bewerbungsbogen und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zertifizierung sind abrufbar unter: www.haus-der-kleinen-forscher.de.

Das Fortbildungsangebot vom „Haus der kleinen Forscher“ wird in Sachsen durch mehrere lokale Partner der Stiftung umgesetzt, die die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte qualifizieren. Dazu gehören die Handwerkskammern Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie die Industrie- und Handelskammer Chemnitz, der Landkreis Mittelsachsen in Zusammenarbeit mit der TU Bergakademie Freiberg und die Stadt Zwickau. Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich mit einer bundesweiten Initiative für die Bildung von Kindern im Kita- und Grundschulalter in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik. Sie unterstützt mit ihren Angeboten pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei, Mädchen und Jungen bei ihrer Entdeckungsreise durch den Alltag zu begleiten. „Es gibt eine ständige Weiterbildung. So finden Workshops zu Themen wie Magnete, Wasser, Luft und Mathematik statt“, erklärte Michael Gobsch. „Man kann sich heraussuchen, wo man teilnehmen möchte. Ich versuche schon im Laufe der zeit alle Bereiche abzudecken.“

Partner der Stiftung sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung, die Deutsche Telekom Stiftung und die Autostadt in Wolfsburg. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das lokale Netzwerk kleine Forscher an der TU Bergakademie Freiberg ist eines der ältesten und erfolgreichsten Netzwerke in Sachsen. Kurz nach dem Bundesstart der Stiftung im Sommer 2007 fiel auch in Freiberg der Startschuss für die Initiative Stiftung Haus der kleinen Forscher.

Inzwischen beteiligen sich über 90 Kindereinrichtungen aus der Region an dem Programm. Über 18 Kitas incl. vier Schulhorte erhielten als Auszeichnung eine Zertifizierung. In sechs Gruppen werden 160 Erzieherinnen und Erzieher weitergebildet. Schulungsort ist das Institut für Keramik, Glas und Baustofftechnik an der TU Bergakademie Freiberg, dessen Mitarbeiterin, Frau Dipl.-Ing. Häußler, gleichzeitig die verantwortliche Trainerin in den verschiedenen Workshops ist. uw

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