Knapp 9.000 Erzgebirger ohne Job

Katrin Steyer, operative Geschäftsführerin bei der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz.
Foto: André Kaiser

Annaberg-Buchholz. Jetzt bekommt der Arbeitsmarkt im Erzgebirge die Covid-19-Pandemie zu spüren. Mit der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen ist klar: Der Kelch geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Mit nahezu 25.000 Arbeitnehmern in Kurzarbeit wurde im April der Höchststand erreicht, im Mai ist ein Anstieg um 2.850 Arbeitnehmer zu verzeichnen. Rekordwerte auch bei den Arbeitslosen: Knapp 9.000 Menschen sind in der Region gegenwärtig ohne Job, die Arbeitslosenquote steigt auf 5,2 Prozent, fast ein Prozent mehr, als im Mai 2019.

Katrin Steyer, operative Geschäftsführerin bei der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz kommentiert die Entwicklung wie folgt: „Den Höchststand der Kurzarbeit hatten wir in dem Monat April mit insgesamt 24.989 Arbeitnehmern zu verzeichnen. Im Mai zeigten weitere 236 Unternehmen für 2.850 Arbeitnehmer Kurzarbeit an und verhinderten damit einen noch höheren Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der Region. In diesem Monat Mai spüren wir die Auswirkungen der Corona-Krise am Arbeitsmarkt deutlich. Die Arbeitslosenzahlen haben sich insbesondere gegenüber dem Vorjahr merklich erhöht. Der Anstieg ist dabei im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückzuführen: auf mehr Freisetzungen, weniger Einstellungen und eine geringere Inanspruchnahme arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen. Viele Fördermaßnahmen sind seit Mitte März ausgesetzt oder unterbrochen und laufen erst allmählich wieder an. Das führte dazu, dass sich in den letzten vier Wochen deutlich weniger Menschen in Maßnahmen befanden.“

Nicht leichter macht es die Situation am Ausbildungsmarkt. Viele Schulabgänger sind noch auf der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle. „Unser Augenmerk ist darauf ausgerichtet, möglichst vielen Schülern den Weg von der Schule in den Beruf zu ebnen. Wir tragen dazu bei, dass Betriebe und Bewerber auch in unsicheren Zeiten sicher zueinanderfinden können. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, einen ‚Ausbildungsjahrgang Corona‘ zu verhindern“, so Steyer.

Bei all dem gibt es aber auch Gutes zu berichten. So würden die Aufträge in regionalen Betrieben langsam wieder anziehen. Indiz dafür sind die in den letzten vier Wochen im Arbeitgeberservice neu eingegangenen 261 Stellen, die meisten davon im Verarbeitenden Gewerbe (58).

Und auch die Chancen für potentielle Azubis sind derzeit nicht so schlecht, wie man denken mag. Immerhin ist das Potential nach wie vor gegeben, dass  jeder Jugendliche eine Ausbildungsstelle bekommen könnte.

Der Berufsberatung zufolge haben sich bis Ende Mai dieses Jahres 1.562 Bewerber für eine Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung gemeldet, 808 sind bereits versorgt, 754 würden noch suchen bzw. hätten sich noch nicht entschieden. Dem gegenüber stehen insgesamt 1.341 freie Berufsausbildungsstellen, von denen bisher noch 858 Lehrstellen unbesetzt sind.

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