Kommentar: Hört auf mit dem Regel-Wirrwarr!

WochenENDspiegel-Redakteurin Judith Hauße. Foto: Redaktion

Das erste Mal seit längerer Zeit konnte ich die Sonne nachmittags auf meinem Balkon genießen. Denn seit dieser Woche hat sich mein Alltag gefühlt um 180 Grad gedreht. Die Fitnessstudios dürfen wieder öffnen. Für mich heißt das: Ich kann endlich wieder zeitig vor der Arbeit meinen Sport ausüben statt erst am Nachmittag nach der Arbeit die Sportmatte und Gymnastikbänder auszupacken. Wenn negativ positiv ist lautet nun das Motto. Denn bevor es zum Krafttraining geht, fahre ich vorher in ein Corona-Schnelltestzentrum.

Doch während ich mich über den neuen Alltag freue, blicke ich stirnrunzelnd auf die Regelungen zur Testpflicht beim Sport auf Außenanlagen. Klar, dass auch der Sächsische Landesportbund die neue Corona-Schutzverordnung kritisiert. Sie sorge nämlich, so der LSB-Generalsekretär Christian Dahms, für Verwirrung. Denn laut Freistaat Sachsen sei kontaktfreier Sport auf Außensportanlagen nur mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Test möglich. In öffentlichen Parks und auf Grünflächen hingegen ist dieser Sport ohne Testpflicht möglich.

Und die Reaktion seitens des Sozialministeriums auf die Kritik des Landessportbundes lässt den Unmut nur noch größer werden. Dort heißt es, es liege kein Fehler vor. „Der Verordnungsgeber bezieht sich auf die Nichteinhaltung von Mindestabständen bei körperlicher Aktivität, die solche Regelungen aktuell noch notwendig mache. Die Benachteiligung von Außensportanlagen gegenüber dem allgemeinen Außenbereich begründet das Ministerium damit, dass die Durchführung und Kontrolle von Tests außerhalb von Sportanlagen deutlich schwieriger wäre, weil bei nicht vereinsorganisierten Aktivitäten kein Verantwortlicher für eine solche Regelung vorhanden sei.“

Eine Erklärung, die erneut zeigt, dass viele Politiker kein Vertrauen in die Gesellschaft haben, die sich seit Monaten um eine kontaktarme Alltags- und Trainingsgestaltung bemüht. Im Gegenteil, den Menschen und Vereinen wird bereits im Vorfeld die Nichteinhaltung von Corona-Regeln unterstellt.

Dass die Corona-Schutzverordnungen zu Beginn der Pandemie verwirrend und nicht immer nachvollziehbar waren, brauchen wir nicht diskutieren. Aber das nach über einem Jahr Pandemie der Verordnungs-Wirrwarr immer noch kein Ende nimmt und weiterhin auf den Rücken der Kinder und Jugendlichen ausgetragen wird, ist für mich unbegreiflich. Hat Deutschland wirklich so wenig übrig für Kinder? Sagen wir den Kindern nicht immer, erst denken, dann reden? Vielleicht sollten sich lieber die Vertreter der Verordnungen diese Redewendung zu Herzen nehmen.

 

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