Kriminalstatistik: So liest die Polizei die Zahlen

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Kriminalstatistik: 74.619 offene Fälle

Dresden. Weniger Straftaten, bessere Aufklärung, Innenminister und LKA-Chef zufrieden. Die Zahlen der Kriminalstatistik sind auf den ersten Blick positiv. Es wurden 314.861 Delikte registriert, 55,7 Prozent aufgeklärt. Im Jahr 2014 lag die Quote bei 54,8 Prozent und es gab 12.335 Fälle mehr. https://www.wochenendspiegel.de/kriminalstatistik-politisch-motivierte-taten-nehmen-zu/

Was nicht in der Statistik steht, erfährt man aus Kleinen Anfragen: So gibt es noch 74 619 offene Strafverfahren. Und die Polizisten sammelten allein im Februar 22.801 Überstunden an, hatten 47.171 mit in den Monat genommen. Dazu bedeuten 314.861 Delikte 35 pro Stunde, 862 pro Tag!!!

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Alles Gründe, warum die Gewerkschaft der Polizei die Kriminalstatistik auch anders liest. Hier die Kernaussagen:

– Eines ist klar: die Polizeibeschäftigten in Sachsen rissen sich im letzten Jahr wahrlich den Allerwertesten auf, damit es bezüglich der Kriminalitätsstatistik nicht noch weiter bergab geht. Platz 11 in der Rankingliste der Bundesländer war schon 2014 alles andere als rosig.

– Zur Wahrheit gehört aber auch, dass reichlich 314.000 Straftaten zwar ein Rückgang der Kriminalität visuell abbilden, aber innerhalb der letzten sieben Jahre immer noch das das zweitschlechteste Resultat darstellen.

– Weniger Rauschgiftdelikte (als klassische Kontrolldelikte) könnten durchaus ein Anzeichen dafür sein, dass weniger Kontrollen stattgefunden und die Gemeinsamen Fahndungsgruppen für andere Aufgaben „herhalten“ mussten.

– Weniger registrierte Diebstähle könnten durchaus ein Indiz für zurückgegangene Anzeigenfreudigkeit der Betroffenen sein. Wen wundert’s, wenn die Aufklärungsquote in diesem Bereich seit nunmehr 10 Jahren ständig gesunken ist, 2015 erstmalig auf unter 30 Prozent!

– Den sächsischen Bürger beschäftigt vielmehr, dass die Anzahl der Wohnungseinbrüche (einer der sensibelsten Bereiche) um 10 Prozent zugenommen hat und sich damit seit 2006 nahezu verdoppelt hat, dass mehr Gewalt auf den Straßen herrscht, dass die politisch motivierten Gewaltexzesse zunehmen. Aber auch, dass die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen in die Höhe schießt.

– Man muss nicht alles schlecht reden. Ein Hoffnungsschimmer ist die am Rande der Pressekonferenz getroffene Aussage des Innenministers, dass der Haushalts- und Finanzausschuss des sächsischen Landtages heute mehrheitlich dem Stellenabbau-Stopp zugestimmt habe.

Es wäre auch die falscheste Idee, sich auf dem richtigen Weg zu wähnen und wieder polizeilich kürzer treten zu wollen, weil ja alles im Reinen zu sein scheint. Die GdP Sachsen fordert weiterhin eine Aufstockung der sächsischen Polizei um ca. 3.000 Stellen.

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