Krise als Chance: erfolgreich trotz Lockdown

Keine Gäste in Restaurants – eine ganze Branche steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Foto: pixabay.com

Krise als Chance: erfolgreich trotz Lockdown

Die Zahl der Insolvenzen in Chemnitz sowie in den Landkreisen Zwickau, Mittelsachsen und Erzgebirge ist in jüngster Zeit gestiegen. Das ist wenig überraschend, denn durch den harten Lockdown im Frühjahr, der mit Berufsverbot und geschlossenen Geschäften einherging, blieben völlig unerwartet Umsätze aus. Die Fixkosten hingegen liefen weiter: Mieten, Ratenkredite, Gehälter und anderes mehr mussten Betriebe trotzdem bezahlen. Zwar sprang der Staat mit Krisenhilfen in Form von nicht-rückzahlbaren Zuschüssen ein und brachte einen vereinfachten Zugang zum Kurzarbeitergeld auf den Weg, doch für viele kam jede Hilfe zu spät.

Keine Gäste in Restaurants – eine ganze Branche steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps.

Verlierer der Krise

Besonders hart von der Krise betroffen sind die Event- und Messebranche. Veranstaltungen wurden über Nacht abgesagt und in virtuelle Räume verlegt, wenn sie nicht komplett ausfielen. Auch die Reisebranche und Buchungsplattformen stehen einer enormen Herausforderung. Daran anschließend verzeichnet die Hotel- und Gastronomiebranche hoher Einschnitte. Das Restaurant Henrics in Chemnitz, das nach fast 20 Jahren für immer schließen musste, ist hierfür ein symbolhaftes Beispiel.

Begleitende Branchen, die den gängigen Hauptbranchen zuarbeiten, sind ebenfalls betroffen. Hier gibt es zahlreiche Einzelunternehmer und Selbstständige, deren Existenzgrundlage von heute auf morgen weggebrochen ist. In der allgemeinen Wahrnehmung haben Solo Selbstständige Anspruch auf Corona Hilfen, doch dem ist in vielen Fällen nicht so. Die Corona Hilfen zielen darauf ab, Betriebskosten zu ersetzen. Zahlreiche Kreative Arbeiten aber mit einem geringen Betriebskostenapparat, so dass sie nicht in den Genuss der Finanzspritze kommen können. Fehlende Aufträge bedeuten null Umsätze und damit steht Ihnen nunmehr der Weg in die Grundsicherung offen. Millionen sind betroffen und stehen wie paralysiert vor den Scherben ihrer Existenz. Neben den bedauernswerten Verlierern der Krise gibt es aber auch Gewinner, die überdurchschnittlich profitiert haben. Wer ist das?

Gewinner der Krise

Auf der anderen Seite gibt es Branchen, die von der neuen Situation überdurchschnittlich profitieren. Es handelt sich um die Branchen und Berufszweige, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen mit Dienstleistungen punkten können, die diese Kontaktbeschränkungen ersatzweise überbrücken. Einer der größten Gewinner der Krise ist im Bereich der Videokonferenzen zu finden. An erster Stelle ist hier Zoom zu nennen. Der Anbieter wird trotz etwas fragwürdiger Datenschutzbestimmungen massiv genutzt, weil das Tool einfach zu bedienen ist und die Verbindung stabil läuft. 200 Millionen Nutzer hat die Software inzwischen und Gründer Eric Yuan blickt auf einen Milliarden-Umsatz. Eine Verbindung über die Distanz hinweg zu schaffen ist aktuell der Schlüssel erfolgreicher Geschäftsmodelle in der Krise. Weitere Gewinner sind Social Media Plattformen und Streamingdienste, Hörbuchanbieter sowie der Onlinehandel. Amazon legte 2020 eine Wertsteigerung von 45 % hin (Quelle RND). Drogerieprodukte, Hygieneartikel und alles was mit Desinfektion und Sauberkeit zu tun hat, hat ebenfalls Umsatzzuwächse zu verzeichnen

Leergefegte Abflughallen: Die Reisebranche hat massive Einbrüche hinzunehmen. Foto: pixabay.com

Flexibilität üben und Chancen erkennen

In der Krise stecken Chancen für jeden Freiberufler, für jeden Selbstständigen und für jedes Unternehmen. Sie zwingt alle dazu, ihr Geschäftsmodell zu hinterfragen. Stimmt das Konzept noch oder ist es an der Zeit, sich an die veränderte Situation zu adaptieren? Nach der Krise wird die Wirtschaftslage sich stark verändert haben, das ist bereits jetzt zu spüren. Kundenbedürfnisse und die Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen werden neu definiert sein. Jetzt in der rezessiven Zeit gibt es drei zentrale Fragen, die sich jeder Betroffene Unternehmer stellen sollte:

  1. Ist mein Angebot so spannend, dass es die nächsten 3-5 Jahre überleben wird?
  2. Hat mein Geschäftskonzept auf lange Sicht realistischer Erfolgschancen?
  3. Welche Anpassungen muss ich vornehmen, damit mein Geschäftsmodell im neuen Wirtschaftsklima funktioniert?

Jedes gute Geschäftskonzept sollte so aufgebaut sein, dass sich ein Mehrwert für Kunden ergibt, denn das sichert profitable Marktvorteile. Es darf keine technologischen oder wirtschaftlichen Obsolenzen aufweisen und sollte nach Möglichkeit mit einem geringen Finanzierungsaufwand zurechtkommen. Sind diese drei Aspekte erfüllt, wird das Schutzschild gegen Wirtschaftskrisen gestärkt. Dies gilt auch für den stationären Handel in Chemnitz sowie den Landkreisen Zwickau, Mittelsachsen und im Erzgebirge. Trotz wochenlanger Schließung müssen Geschäftsinhaber Alternativen finden und viele habe die letzten Monate dazu genutzt, um ihr Geschäftskonzept neu auszurichten oder zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen. Eines steht dabei fest: Das Internet spielt für jeden einzelnen Unternehmer eine zentrale Rolle, denn es ist das Medium, worüber sie ihre Kunden direkt erreichen können.

Selbst alteingesessene, kleine Betriebe aus Handwerk und Handel, die ihre Website bislang eher stiefmütterlich behandelt haben und Online-Services nur vom Hörensagen kannten, haben Maßnahmen ergriffen. Allerdings vermeldet die IHK, dass der neuerliche Lockdown für viele Firmen kaum zu verkraften ist und plädiert für angemessenes Vorgehen. Die folgenden 3 Maßnahmen haben sich in den Krisenmonaten bewährt, um sich stabil am Markt zu positionieren. Sie wurden erfolgreich von zahlreichen Firmen ergriffen, die die Krise gut überstanden haben und sogar Umsatzzuwächse verzeichnen können.

1.      Kosten drastisch reduzieren, Zahlungsziele verschieben, Stundung erwirken

Um am Markt tätig zu sein, braucht es Liquidität. Es ist deshalb erste Priorität, die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, um eine Krise zu überstehen. Hierzu können Betriebe verschiedene Maßnahmen ergreifen, wie im Beitrag „Tipps gegen die Krisenstimmung: so stärkst du deine Liquidität“ lesen kannst. Dazu gehören zum Beispiel Stundungs- und Herabsetzungsanträge beim zuständigen Finanzamt und bei Behörden und Gespräche mit Lieferanten, um Zahlungsziele nach hinten zu verschieben. Auch lässt sich auf der Kostenseite einiges erreichen. Welche Fixkosten lassen sich reduzieren? Besteht beispielsweise die Möglichkeit günstigerer Geschäftsräume zu beziehen oder Leasingverträge aufzulösen? Wer von allen Möglichkeiten Gebrauch macht, nämlich Kosten reduzieren, Zahlungsziele (zinslos) verlängern und Stundungen erwirken maximiert die Chancen, die Krise zu überstehen.

2.      Onlinepräsenz professionell und mehrsprachig ausbauen

Um Kunden zu erreichen ist es unerlässlich, online präsent zu sein. Firmen sollten grundlegend prüfen, inwieweit sie sich international aufstellen können. Eine englischsprachige Präsenz ist sicherlich für die meisten Betriebe eine Überlegung wert. Wichtig ist mit professionellen Anbietern zusammen zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass die Website perfekt wird. Zwar gibt es für die Website Baukastensysteme, die zumindest für einfache Webauftritte hilfreich sind. Was aber die Sprache angeht, sollten professionelle Englisch-Übersetzer bzw. bei Bedarf andere Fremdsprachen-Übersetzer gebucht werden. Sie sind nicht nur in der Lage, die deutschen Texte sprachlich einwandfrei zu übersetzen, sie kennen als Muttersprachler auch die kulturellen Eigenheiten im Zielland und können ihr Wissen in die Texte einfließen lassen. Auch Werbematerialien sowie Fachübersetzungen wie zum Beispiel technische Produktblätter, die für ausländische Kunden aufbereitet werden sollen, sind in den Händen eins Übersetzungsbüros am besten aufgehoben.

Geschäftsmodell erweitern/anpassen und digitalisieren

Ein Beispiel aus der Gastronomie soll zeigen, dass trotz geschlossener Restaurants Umsätze erzielt werden können. Ein Restaurantbetreiber hat sein Angebot erweitert und erreicht nun Bestandskunden und Neukunden über Internetwerbung. Es hat sich darauf verlegt, hochklassige Mehrgangmenüs so vorzubereiten, dass Kunden die vorgekochten Mahlzeiten im Restaurant abholen und zu Hause in der eigenen Küche den letzten Schliff verpassen. Dazu bekommen sie detaillierte Anweisungen des Chefkochs. Alternativ verschickt das Restaurant die Speisen mit einem Lieferdienst und legt eine Anleitung zur Zubereitung bei. Dieses Geschäftsmodell ist so erfolgreich, dass das Restaurant neue Mitarbeiter einstellen musste – ein kreatives und cleveres Positivbeispiel, das Hoffnung gibt.

 

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