Kunst aus aller Welt zu Gast

Lena Kemmler aus Berlin ist eine der 24 KünstlerInnen, die am Kunstfestival im August teilnehmen.
Fotos (2): jh/Johannes Richter/Begehungen e.V.

Abstand halten lautet das Gebot der Stunde. Das Thema Einsamkeit könnte dabei nicht aktueller denn je sein. „Und doch ist es nachwievor ein Tabu-Thema“, sagt Lena Kemmler. Die junge Künstlerin ist Theatermalerin auf der Berliner Schaubühne, für die nächsten Wochen ist sie jedoch als Resisdenzkünstlerin nach Chemnitz gekommen.

Wie 24 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt auch arbeitet sie derzeit an ihrem Projekt für das diesjährige Kunstfestival „Begehungen“ im Plattenbaugebiet im Chemnitzer Süden. Dort sollen die leer stehende Kaufhalle in der Walter-Ranft-Straße sowie Bereiche eines Wohnblocks in der Friedrich-Viertel-Straße künstlerisch zum Leben erweckt werden. Orte, die bisher in Vergessenheit geraten sind. Für Lena Kemmler ist die ehemalige Chemnitzer Kaufhalle im „Heckert-Gebiet“ geradezu perfekt, wie sie erzählt. „Ich war sofort überzeugt. Der Ort spiegelt das Thema Einsamkeit besonders gut wieder. Das Verlassene und Morbide machen ihn sehr spannnend“ Zudem genieße sie das derzeitige Arbeitsumfeld. Dass Chemnitz kein Berlin ist störe sie dabei nicht, sagt sie „Ich mag die Ruhe und Natur um mich herum.“

Der Titel der diesjährigen „Begehungen“ lautet „Entwürfnisse“, eine kunstvolle Zusammenstellung der Wörter Entwurf und Zerwürfnisse. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit dem Konflikt des Individuums und der Gesellschaft. Die junge Residenzkünstlerin Lena Kemmler will sich daher mit dem Widerspruch zwischen dem kapitalistischen Streben und der Einsamkeit beschäftigen.

Die ehemalige Kaufhalle an der Walter-Ranft-Straße wird vom 13. bis 16. August zum Ort der „Begehungen“.

Ein tragendes Motiv dabei ist u.a. eine Schulter, an die man sich in der Einsamkeit anlehnen kann. Doch die Schulter ist keine eines Menschen, nur ein Produkt. „Auf die Ästhetik kommt es dabei nicht an“, sagt sie. Für sie steht das haptische Gefühl im Vordergrund. Die so beispielsweise aus Schaumstoff und Latex gefertigten „Schultern“ sollen dabei vielmehr Gemütlichkeit ausstrahlen, sagt sie, will aber noch nicht zu viel verraten. „Jeder kennt das Gefühl von Einsamkeit, aber jeden berührt es anders.“ Seltsam und ein klein wenig grotesk aber dennoch auch auf eine komische und humorvolle Weise, so beschreibt sie ihre Kunst, die neben weiteren Kunstwerken aus aller Welt vom 13. bis 16. August bei den „Begehungen 2020“ in Chemnitz zu sehen sein werden.

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