Leere Stühle: Chemnitzer Gastronomen schließen sich Aktion an

Mehr als 50 Gastronomen aus Chemnitz und Umgebung protestieren mit leeren Stühlen auf dem Neumarkt. Mit dabei auch Claudia Lappöhn mit ihrem Familienbetrieb die Sportgaststätte Leukersdorf. Fotos (3): Judith Hauße

Bereits letzten Freitag standen auf dem Platz vor Dresdens Frauenkirche tausende leere Stühle – ein Protest der Gastronomen, um auf die großen Probleme in der heimischen Gastro-, Hotel- und Eventbranche aufmerksam zu machen. Ebenso wie in der Landeshauptstadt schlossen sich nun am Freitag mehr als 50 Gastrowirte aus Chemnitz und Umgebung der deutschlandweiten Aktion „Leere Stühle“ an.

„Es ist die breite Vielfalt und das gastronomische Miteinander, die das kulinarische Leben in der Stadt überhaupt ausmachen und die es zu schützen gilt“, so Andre Gruhle. Der 44-Jährige gehört dem Beirat der sächsischen Unternehmergemeinschaft vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga an. Er ist einer größten gastronomischen Unternehmer in Chemnitz. Er liebt sein Chemnitz und die individuelle Gastrolandschaft in der Stadt. Natürlich ist auch er an diesem Freitag mit dabei. Jeder Stuhl steht für einen Gastronomen. „Die Aktion zeigt die große Gemeinschaftlichkeit der Gastronomen untereinander“, so Gruhle.

Auch Claudia Lappöhn stellte heute insgesamt 123 leere Stühle auf den Neumarkt. „Das ist die Anzahl, die ich hätte, wenn wir unter Sicherheitsvorkehrungen wieder öffnen dürften“, so die Inhaberin der Sportgaststätte Leukersdorf. In der Regel stehen eigentlich 370 Plätze bei ihr im Gastraum, erzählt sie.

Zwar hat sie sich situationsbedingt auf einen Abhol- und Lieferservice umgestellt, doch ihre 18 Mitarbeiter und drei Azubis musste sie in Kurzarbeit schicken. „Selbst ein normaler Ausbildungsbetrieb ist zur Zeit nicht möglich. Die Azubis funktionieren vielmehr, anstatt dass ihnen etwas beigebracht werden könnte“, so die Gastronomin. Mit den diesjährigen Umsatzeinbüßen habe Claudia Lappöhn, wie sie sagt, noch bis zu zwei Jahre danach zu kämpfen. Über die heutige Aktion ist sie dennoch froh. „Dass sich die Gastronomen bundesweit so stark vernetzen, das hat es so noch nie gegeben.“ Auch über die Treue ihrer Stammkunden, die trotz der Umstände weiterhin Essen bestellen ist sie dankbar.

Die Gastronomen im Gespräch mit Sachsens Kultusministerin Barbara Klepsch.

Mit der Aktion „Leere Stühle“ wollen die gastronomischen Arbeitgeber das Gespräch mit der Politik finden. Ziel sei der Ausstieg aus der jetzigen Misere.

Die DEHOGA hatte zum Thema Mehrwertsteuer schon seit Oktober mit einer Online-Petition gestartet. Auch die Gastwirte hatten Druck gemacht, die Aktion “Leere Stühle” ins Leben gerufen, die heute (24. April) u.a. in Crottendorf und Chemnitz durchgeführt wird. Mit einem Teilerfolg. Vor allem bei den Zuschüssen für die Auszubildenden sieht Gastronom Andre Gruhle einen Schritt in die richtige Richtung. „So ist uns wenigstens in dieser Sache finanziell etwas unter die Arme gegriffen wurde.“ Unverständnis gab es allerdings bei Thema Kurzarbeitergeld. „Warum ist die Grenze auf  10 Mitarbeiter gesetzt wurden?, fragte Gruhle am Vormittag Barbara Klepsch. Die sächsische Kultusministerin war ebenso am Vormittag zur Aktion „Leere Stühle“ auf den Chemnitzer Neumarkt gekommen. Sie wolle sich dafür einsetzen, die Soforthilfen über den 31. März hinaus zu verlängern. Auf Gruhles Frage verweiste sie jedoch nur darauf, dass dies noch einmal bundesweit diskutiert werden müsse.

 

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