Leicht ist eben schwer

Jakob Schmidt (l.) und Marc Fleischmann, Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Professur Textile Technologien der TU Chemnitz, überprüfen auf dem Drehtisch einer Spezialanlage die Qualität der Preform eines Splitboards. Hergestellt wurde diese endkonturnahe Vorform im sogenannten „Dry Fiber Placement“-Verfahren, bei dem die Kohlenstofffasern materialsparend übereinandergelegt werden. Foto: TU Chemnitz

Das macht Klick!

Von Sven Günther
Chemnitz. Diese Weisheit ist für Spitzensportler nicht neu: Wenn es leicht werden soll, wird es richtig schwer. Bei Profifahrrädern, Rennschlitten, Bobs, Ski oder Snowboards möchten die Athleten viel Gewicht sparen, wenig Stabilität einbüßen.
Die Entwicklung immer besserer Sportgeräte ist längst eine Wissenschaft für sich. Eine Wissenschaft, die auch für die Forscher an der TU in Chemnitz immer wichtiger wird.
Die neuese Innovation, zusammen mit der silbaerg GmbH – einer Ausgründung aus dem Institut für Strukturleichtbau der TU Chemnitz – entwickelt: Ein sehr leichtes Board, das zudem weitaus ökologischer hergestellt werden kann. Dank des „Dry Fiber Placement“-Verfahrens, wird der Faserabfall um 60 Prozent gemindert. Prof. Dr. Holger Cebulla, Inhaber der Professur Textile Technologien: „So lassen sich nicht nur Kosten einsparen, dank der nachhaltigen Fertigung des Boards wird auch sein CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt.“

Interessiert coole Snow-Surfer sicher nicht! Für sie muss das Board schnell und stabil sein. Und das ist es!

Ein vor zehn Jahren an der Uni entwickeltes, weltweit einzigartiges Herstellungsverfahren lässt eine Verformung der Kanten zu, wodurch sich das Fahrverhalten spürbar verbessert. Aus Glas- und Kohlenstofffasern, die um einen Holzkern gelegt werden, entsteht das Splitboard, das in zwei Tourenski geteilt werden kann. Damit kann man zum Abfahrtspunkt laufen, die Ski zusammenklicken – und ab geht es.
„Mit einem Gewicht von 2,6 Kilogramm bei einer Länge von 1,59 Meter zählt das Splitboard zu einem der leichtesten in der Branche“, versichert Dr. Jörg Kaufmann, Forschungsbereichsleiter Composites an der Professur Textile Technologien.

Die ersten Tests des Splitboards im Erzgebirge und in den Alpen überzeugten auch die Profis. „Auf Grund der Gewichtseinsparung ist das Touren am Berg deutlich leichter und es können Gipfel erklommen werden, die vorher unerreichbar waren“, berichtet Paul Baudach, Chemnitzer TU-Absolvent des Master-Studienganges „Sports Engineering“ und Hochschulmeister im Boardercross und Slopestyle Snowboarding. „Überrascht haben mich die extrem guten Fahreigenschaften sowohl abseits als auch auf der Piste“, so der Spitzensportler. Für ihn stehe fest, dass man mit dem neuen Board auch einen Boardercross gewinnen könne.

„Wir erhoffen uns natürlich, dass sich neben dem Splitboard auch das Dry Fiber Placement-Verfahren bei der Herstellung der Boards und die Nutzung von textilen Faserhalbzeugen aus Kohlenstofffasern in der Sportgerätebranche weiter durchsetzen können und deren Vorteile bei den Kunden ankommen“, so Cebulla.

Dr. Jörg Kaufmann, Forschungsbereichsleiter Composites an der Professur Textile Technologien, testet die Fahreigenschaften des neuen Splitboards im Tiefschnee. Foto: Silbaerg GmbH

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