Warum? Linienbusse dürfen fahren, Reisebusse nicht

Rund 50 Unternehmer der Touristikbranche aus Zwickau, dem Erzgebirge und Vogtland kamen am Mittwoch zur Demo, um auf ihre SItuation aufmerksam zu machen. Fotos: Alice Jagals

Zwickau. Erstmals nun auch in Zwickau, protestierten am Mittwoch Beschäftigte der Reisebranche aufgrund ihrer

Christin Hoffmann.

schweren Verluste durch die Corona-Pandemie. Rund 45 Reisebüros sowie weitere Busunternehmen verdeutlichten ihre Forderungen an die Politik. „Wir brauchen vor allem einen Deutschen-Reise-Rettungsfonds“, sagte Mitorganisatorin Christin Hoffmann vom Reisebüro Zwickau. „Wir arbeiten seit Wochen 200 Prozent, um beispielsweise die Kunden zu beraten und Stornierungen vorzunehmen. Verdient haben wir aber null.“

So brauchen nicht nur Veranstalter einen Schutz, sondern auch die Reisebüros selbst. „Schließlich erhalten wir erst die Provision, wenn die Reise angetreten wird“, so Hoffmann. Ein Kredit, um erst einmal wirtschaftlich zu überleben, sei zwar schön, nütze aber auf Dauer nicht viel. „Das Geld müssten wir zurückzahlen. Schwierig, wenn wir nicht einmal wissen, wann die Kunden wieder wohin reisen können. Ganz zu schweigen vom Ausfall der letzten Wochen. Überhaupt sollte endlich eine einheitliche Linie bei den Bundesländern gefahren werden. Da blickt man kaum noch durch.“

Ebenfalls auf der Strecke bleiben derzeit Busunternehmen außerhalb des öffentlichen Personennahverkehrs. Matthias

Matthias Zergiebel.

Zergiebels von Leistner Reisen muss seine Busse derzeit auch stehen lassen. Normalerweise sind er und sein Team jährlich zu 150 Reisezielen unterwegs. Hinzu kommen Klassen- oder auch Firmenfahrten. „Klar, können wir Kredite und Kurzarbeitergeld beantragen“, sagt er, „aber ich habe auch laufende Kosten. Von der Politik wurde gefordert, dass wir mit Bussen der Euro 6-Norm fahren. Die Anschaffung ist bei den meisten längst nicht abbezahlt worden. Der Betrag geht Monat für Monat weiter ab.“ So sei Sachsen das einzige Bundesland, in dem es keine Zuschüsse für mittelständische Unternehmen gebe.

„Ich habe durchaus Verständnis für die Maßnahmen“, sagt Helmut Jetschke, Vorsitzender vom Landesverband

Helmut Jetschke.

Sächsischer Omnibus- und Touristikunternehmen, „aber ich sehe Widersprüche. So werden Fahrten in Reisebussen verboten, in Linienbussen aber nicht. Dabei können wir die Anzahl der Reisenden genau kontrollieren.“

Auch nach der Aussage von Matthias Zergiebel habe die Politik noch gar kein Konzept für sie erarbeitet. Der Omnibusverband hingegen schon. Dennoch: Ein Mindestabstand würde die Passagierzahl insgesamt nach unten ziehen, was wiederum für wesentlich weniger Einnahmen sorge. „Hinzu kommt, dass jedes Bundesland andere Vorgaben hat und bis zum 14. Juni eine Reisewarnung ausgesprochen wurde. Ja, wer will denn da jetzt buchen?“, so Helmut Jetschke ironisch.

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