Marlon ist gegangen

Marlon, der tapfere kleine Junge aus Lößnitz, verlor den Kampf gegen den Krebs. Foto: Privat

Er hat noch auf seinen Papa gewartet…

Von Sven Günther
Lößnitz. „Es ist okay. Du darfst jetzt gehen, finde Deinen Frieden.
Wie schwer müssen diese Sätze einer Mutter fallen, wenn sie sie ihrem sterbenden Kind ins Ohr flüstert? Anja Wötzel aus Lößnitz weiß es, weil sie sie ihrem kleinen Marlon sagen musste. Der achtjährige Junge hatte zwei Jahre gegen den Knochenkrebs gekämpft – und jetzt verloren. Marlon ist gestorben.
Seine Mutter: „Am Ende war es eine Erlösung für ihn. Er konnte nicht mehr essen, kaum noch trinken, lag nur in seinem Bett und bekam Morphium gegen die schlimmen Schmerzen.“

Schlimme Schmerzen. Die begleiteten Marlon seit 2018. Anja Wötzel: „Er saß eines Tages weinend auf dem Sofa. Ich dachte, es ist das Wachstum oder er wäre gestützt, sagte: Das wird schon wieder.“ Wurde es nicht. Nach zahlreichen Behandlungen stand die grauenhafte Diagnose fest: KNOCHENKREBS.

Der achtjährige Junge nahm tapfer den Kampf an, überstand Chemotherapien und Operationen, wollte auch noch weiterleben, als ihn die nächste Schreckensnachricht erreichte: Metastasen. Wieder Chemo, wieder OP – und am Ende das Wort: AUSTHERAPIERT. Die Ärzte gaben Marlon noch ein halbes Jahr.

Das war im März – und die Eltern wollten ihrem Jungen die verbleibende Zeit so schön wie möglich machen, baten auch die Leser des WocheENDspiegel um Hilfe.
Die bekamen Marlon. Mutter Anja: „Es war überwältigend, wie viele Menschen uns unterstützt haben. Wir hatten keine finanziellen Probleme, Marlons letzte Wünsche zu erfüllen.“ Einmal fliegen, noch einmal in den Zoo, Legos Harry Porter-Schloss bauen, viele kleine, ziemlich schöne Erlebnisse.

„Wir konnten zuletzt sogar nach Österreich fahren, waren mit Marlon auf dem Großglockner“, sagt Anja Wötzel und ergänzt leise: „Aber schon da haben wir gemerkt, dass er immer weniger Kraft hatte, gegen die Krankheit zu kämpfen.“

Der Tag des letzten Abschieds rückte immer näher, war am 23. Oktober gekommen. Marlons Mutter: „Ich habe ihm früh am Morgen gesagt, dass er gehen darf, dass er seinen Frieden finden soll. Aber er wollte unbedingt noch warten, bis sein Papa mittags von der Arbeit nach Hause kommt. Das hat Marlon noch geschafft. Dann ist er für immer friedlich eingeschlafen.“

Was von den Spenden übrig ist, bekommen wohltätige Vereine wie Lukas Stern, Sonnenstrahl Dresden oder das Kinderhospiz Chemnitz. Anja Wötzel: „Die können jeden Cent gut verwenden, dürfen sich über ein kleines Weihnachtsgeschenk freuen. Unser kleiner Marlon hätte es so gewollt.“

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