Mehr Touristen nur Schnee von gestern?

Alternativtext
Das ist die BU.

Von Gisela Bauer

Chemnitz/Erzgebirge. Bei mehr als 30 Grad im Schatten über den vergangenen Winter zu schreiben, ist nicht besonders originell. Doch die Industrie- und Handelskammer Chemnitz hat ihre zweimal jährliche Tourismus-Befragung ausgewertet, und die richtet sich nun mal nicht nach dem Wetter, sondern nach Sommer- und Wintersaison von Gastronomie, Hotellerie und Reisebranche in der Region. Auf die unterm Strich positiven Ergebnisse bezogen, ist aber doch das Wetter mit im Boot.

Insgesamt, so die IHK-Geschäftsführerin Handel/Dienstleistungen Ilona Roth, war es die beste Wintersaison seit langem. Der so genannte Geschäftsklima-Index, der sich aus aktueller Geschäftslage und Erwartungen ergibt, wies in allen drei Tourismus-Segmenten nach oben.

„Als Gründe für die gute Stimmung werden die stabile wirtschaftliche Lage und die gegenüber dem Vorjahr besseren Wintersportbedingungen genannt“, sagt Ilona Roth. So richtig gebrummt habe das Geschäft allerdings erst im Februar, nachdem gerade noch passend zu den Winterferien im Gebirge ordentlich Schnee gefallen sei.

Die Befragung habe jedoch klare Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie den auf Wintersport ausgerichteten Gebieten und dem „Rest“ ergeben. Auch die Erwartungen zu Beginn der Sommersaison in Beherbergung und Reisebranche lägen über, in der Gastronomie etwa auf Vorjahresniveau.

Situation in der Stadt Chemnitz

In der Stadt Chemnitz ist die Entwicklung differenziert. Einem Rückgang bei der Zahl der Gästeankünfte um 3,8 Prozent steht in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein Zuwachs bei der Zahl der Übernachtungen um 1,6 Prozent gegenüber. Insgesamt nächtigten Besucher zwischen Januar und April über 158.000 Mal in der Stadt. Im Durchschnitt blieben die Gäste 2,2 Nächte.

Für die kommenden Monate setzt Tourismuschefin Susan Endler vor allem auf Museen und Industriekultur. Die neue Dauerschau im Industriemuseum, das smac oder die Schmidt-Rottluff-Ausstellung in den Kunstsammlungen ab Herbst seien überregional bedeutsame Highlights.

Die Einschätzung des Tourismusverbandes Erzgebirge (TVE) deckt sich etwa mit den IHK-Ergebnissen. „Wir können für den Zeitraum Januar bis April vier Prozent mehr Übernachtungen und 2,3 Prozent Zuwachs bei den Gästeankünften verbuchen“, sagt TVE-Sprecherin Doreen Burgold. Insgesamt sei der Verband mit diesen Zahlen zufrieden und optimistisch für die Sommersaison.

Landesgartenschau, Wandern und vor allem Radtourismus

So werde die Landesgartenschau in Oelsnitz gern als Anlass für ein verlängertes Wochenende im Erzgebirge genutzt. Gut liefe auch das Wandern im Mittelgebirge. Die absolute Zugnummer aber sei der Radtourismus. „Mountainbiker aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich oder der Schweiz nutzen das bundesweit einmalige Angebot unter dem Namen „Stoneman Miriquidi`. Seit Mai hatten wir so viele Starter wie im gesamten vorigen Jahr“, berichtet die Verbandssprecherin. Mountainbiken sei ein Baustein der „Radregion Erzgebirge“, die sich jetzt auf 600 Kilometern und grenzüberschreitend gut ausgeschildert sowie mit neuen Karten und GPS-Orientierungshilfe zeige.

Dokumentationspflichten bedeuten weniger Zeit für den Gast

Das Ganze funktioniert laut Burgold nur mit vielen Partnern und ist ein Beitrag, den Ganzjahrestourismus im Erzgebirge voranzubringen. Eine Forderung, die die IHK seit langem als notwendige Überlebensstrategie an die Tourismuswirtschaft der Region stellt. Dies gilt auch für unverwechselbare gastronomische Angebote, wie Zutaten von Bauern aus der Umgebung oder regionale Küchenspezialitäten.

Denn gerade die Gastronomie steht derzeit vor durch die Politik verstärkten wirtschaftlichen Problemen. „Vor allem die aufwendigen Dokumentationspflichten belasten die Branche“, sagt IHK-Geschäftsführerin Roth. So hätten gerade inhabergeführte Unternehmen immer weniger Zeit für den Gast. In der Saisonumfrage seien außerdem die erhebliche Einschränkung der für das Gastgewerbe notwendigen Arbeitszeit und die Erhöhung der Arbeitskosten durch den Mindestlohn kritisiert worden. All das sei kontraproduktiv für die Bemühungen um hohe Servicequalität, die z. B. vom Landestourismusverband auch zertifiziert werde. „Hier muss Ministerin Nahles noch mal `ran“, sagt Roth. Die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Änderungen durch das Bürokratieabbaugesetz bewirkten diesbezüglich nichts.

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