Milliardenschäden durch Plagiate

Michael Bauer, Geschäftsführer der Curt Bauer GmbH, zeigt links die echte Ware aus der Produktion in Aue in der Originalverpackung und rechts ein in Nigeria gehandeltes Plagiat.  Foto: vti-pressedienst/W. Schmidt

Michael Bauer, Geschäftsführer der Curt Bauer GmbH, zeigt links die echte Ware aus der Produktion in Aue in der Originalverpackung und rechts ein in Nigeria gehandeltes Plagiat. Foto: vti-pressedienst/W. Schmidt

 

Chemnitz. Die IHK weist auf die enormen Schäden hin, die durch Plagiate verursacht werden. Eine neue Studie des Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt (HABM), der EU-Agentur zum Schutz der Rechte des geistigen Eigentums vom Sommer 2015 zeigt, das dem legalen Handel durch Fälschung EU-weit Umsatzeinbußen in Höhe von 43,3 Milliarden Euro enstehen, 518 000 Arbeitsplätze verlorengehen. Die Staaten verlieren rund acht Millarden Euro an Steuern.
Der Präsident des HABM, António Campinos, erklärt dazu: „Mit diesem Bericht können wir die wirtschaftliche Schadwirkung von Fälschung mit Zahlen belegen, und die Auswirkungen in Form von entgangenen Einnahmen und Verlust von Arbeitsplätzen in der Bekleidungs-, Schuh- und Zubehörindustrie auf EU-Ebene benennen. Diese Ergebnisse werden nicht nur den politischen Entscheidungsträgern in ihrer Arbeit helfen sondern auch dem Verbraucher dabei, bewusste Entscheidungen zu treffen“. Die Umsatzeinbußen für deutsche Hersteller, Einzelhändler und Vertriebshändler aufgrund des Handels mit gefälschter Bekleidung, Schuhen und Zubehör (wie Krawatten, Schals und Gürtel) belaufen sich auf rund 3,5 Mrd. Euro. Das kommt einem Verlust von mehr als 40 000 Arbeitsplätzen gleich (bzw. über 52 000 bei Einrechnung der indirekten Folgen).
Plagiate sind auch in der Textilbranche in unserer Region ein Thema. „Marken- und Produktpiraterie ist Betrug am Kunden und schadet unseren heimischen Herstellern erheblich“, erklärte Bertram Höfer, Hauptgeschäftsführer des in Chemnitz ansässigen Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V. (vti).
„Infolge dieser kriminellen Machenschaften erleidet allein die sächsische Textil- und Bekleidungsbranche jährlich Umsatzeinbußen von rund 6,5 Millionen Euro. Händler wie Kunden sollten sich über die Herkunft der Waren vergewissern. Entwicklung und Herstellung von Qualitätstextilien erfordern großen personellen und finanziellen Aufwand. Wenn also – wo auch immer – bekannte Markenerzeugnisse zu Schleuderpreisen angeboten werden, kann das nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Verbraucher werden getäuscht und erhalten in der Regel minderwertige Ware. Diese kann im Fall von Bekleidungstextilien, die mit der Haut in Berührung kommen, sogar die Gesundheit ihrer Träger gefährden.”
Eine betroffene Firma ist die Damastweberei Curt Bauer Aue. Geschäftsführer Michael Bauer berichtet:  „Von Design und Produktentwicklung über Weberei und Veredlung bis zu Verpackung und Vertrieb der Boubou-Damaste handelt es sich um einen ausgesprochen aufwändigen Prozess. Entscheidende Teile davon sparen sich die Marken- und Produktpiraten, die auf unsere Kosten leben.  Seit Jahren entdecken wir bei afrikanischen Händlern immer wieder gefälschte Curt-Bauer-Produkte, die in nachgeahmten Verpackungen angeboten werden.“ Dem Unternehmen entsteht jährlich ein Schaden von rund einer Million Euro.

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