Mindeslohn & Fachkräftemangel: Im Gespräch mit Hauptgeschäftsführer der HWK Markus Winkelströter

Hauptgeschäftsführer Markus Winkelströter der Handwerkskammer Chemnitz. Foto: Sven Gleisberg/Handwerkskammer Chemnitz

Hauptgeschäftsführer Markus Winkelströter der Handwerkskammer Chemnitz. Foto: Sven Gleisberg/Handwerkskammer Chemnitz

Ein Jahr Mindestlohn in Deutschland, die Handwerkskammer zieht ein erstes Fazit, wie das Jahr 2015 dahingehend gelaufen ist. Für eine bessere Auswertung plant die Kammer im Frühjahr eine Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben. Doch auch andere Themen haben die Mitgliedsbetriebe in 2015 bewegt.

WochenEndspiegel sprach mit Hauptgeschäftsführer markus Winkelströter über Problem und positiven Entwicklungen. Winkelströter ist erst seit 2015 Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.   Die Vollversammlung hatte im Sommer den amtierenden hauptgeschäftsführer Frederik Karstens beurlaubt.

Erst in Vertretung und anschließend auch durch Wahl bestätigt führt seitdem der Diplomingenieur die Geschäfte weiter. Winkelströter ist seit 2009 bei der Handwerkskammer in verschiedenen Positionen tätig.

Ein Jahr Mindestlohn – was ist Ihr Fazit für die Wirtschaft in Sachsen?

Bisher sehen wir glücklicherweise keine grundsätzlich negativen Auswirkungen des Mindestlohns. Dass die Folgen des gesetzlichen Mindestlohns so gut zu verkraften sind, hat aber zuvorderst mit der guten Konjunktur zu tun.

In welchem Maße haben sich die gesetzlichen Bestimmungen auf die Unternehmer ausgewirkt?

Unser Hauptkritikpunkt lag beim hohen Aufwand für die Betriebe im Zusammenhand mit den Dokumentationspflichten. Aber diese Punkte wurden – auch weil das Handwerk interveniert hat – zwischenzeitlich entschärft. Entscheidend ist jetzt, dass die Mindestlohnkommission mit Augenmaß an die Neufestsetzung des Stundenlohns geht, die 2017 ansteht.

Hat sich die Situation im Laufes des Jahres etwas beruhigt?
Im Februar führen wir eine Umfrage zu den Auswirkungen des Mindestlohns unter unseren Mitgliedsbetrieben durch. Danach haben wir ein genaueres Bild.

Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen sind nach wie vor ein Thema – wie ist hier die Situation 2015 und perspektivisch 2016? Ferner wo muss hier angesetzt werden, um die Defizite auszugleichen bzw. abzufedern?
Die Fachkräftesituation bleibt auch im Handwerk angespannt. Weiterhin beschäftigt uns das Thema Unternehmensnachfolge. In unserem Kammerbezirk stehen bis 2025 rund 6.000 Betriebe vor einer Übergabe.

Zwei Schlüssel gibt es für die Lösung dieser Probleme. Der eine heißt Bildung und umfasst die Schulbildung, die berufliche Ausbildung und die Weiterbildung nach dem Berufsabschluss. Wir treten für eine Stärkung der dualen Ausbildung, für die Durchlässigkeit von Bildungs- und Karrierewegen – so unter anderem für Studienaussteiger – und für eine ungebrochen hohe Qualität der beruflichen Bildung in den Betrieben, in den Berufsschulen und in unseren Lehrwerkstätten ein.

Der zweite Schlüssel liegt darin, Fachkräfte zu ermutigen, sich selbständig zu machen, ihnen das nötige betriebswirtschaftliche Wissen an die Hand zu geben, aber auch, eine Kultur für Gründungen zu pflegen.

Welche größten Herausforderungen sehen Sie für die Wirtschaft 2016 – Mindestlohn, Fachkräfte, Flüchtlinge usw.?
Das Thema Fachkräfte- und Nachwuchsgewinnung und das Flüchtlingsthema stehen 2016 ganz oben auf unserer Agenda. Beide Themen sind eng miteinander verbunden. Qualifizierte Flüchtlinge helfen, den Fachkräftemangel zu lindern.

Und Integration erfolgt am besten über Bildung und den Arbeitsmarkt. Das sind wir als Handwerkskammer mit unseren rund 24.000 Mitgliedsbetrieben und mit unseren Ausbildungskapazitäten ein wichtiger Knotenpunkt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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