Mit Hand und Computer: Zunehmende Digitalisierung auch im Handwerk

Von Lars Gröer (l.), Inhaber der Druckerei Will Gröer in Chemnitz, ließ sich Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner darüber informieren wie Digitales in Analoges umgesetzt wird. Denn auch das Handwerk beruft sich längst nicht mehr nur auf manuelle Tätigkeiten. Digitalisierung ist derzeit ein heißes Thema. Fotos: Cindy Haase

Region. „Die Individualität des Handwerks wird die Industrie nie erreichen“, ist sich Markus Winkelströter sicher. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Chemnitz (HWK) ist sich aber dennoch bewusst, dass auch im Handwerk ein Umbruch stattfindet. Digitalisierung heißt das Schlagwort. Das wurde auch am Montag zur Vorstellung des Konjunkturberichtes für das Frühjahr 2019 deutlich.

„Selbst in der Baubranche ist diese keine Seltenheit mehr“, weiß auch HWK-Präsident Frank Wagner zu erzählen. So gebe es bereits automatisierte Bagger, bei denen Computertechnik über die Grabetiefe entscheidet. In der zunehmenden Digitalisierung sieht Wagner keine Gefahr für das Handwerk sondern eine Chance. „Wenn es uns gelingt, Standardtätigkeiten oder die Herstellung von Standardtätigkeiten mehr zu digitalisieren, können wir auch dem nach wie vor bestehenden Fachkräftemangel entgegen wirken“, ist er überzeugt.

Insgesamt zeigt sich für das Handwerk in der Region ein positives Bild. Der Konjunkturindex für das Handwerk im Kammerbezirk Chemnitz hat mit 141,4 Punkten in diesem Frühjahr erneut einen Spitzenwert erreicht. Er liegt damit knapp zwei Prozentpunkte über dem Wert des Frühjahrs 2018 (139,5 Punkte).

Dazu Handwerkskammer-Präsident Wagner: „Das Handwerk brummt weiterhin – trotz der mittlerweile leicht getrübten Aussichten für die Gesamtwirtschaft. Die anhaltend niedrigen Zinsen, eine gute Binnennachfrage und Konzentrationsprozesse im Handwerk haben den Betrieben erneut Rückenwind gegeben.“

Dem Konjunkturbericht für das Frühjahr 2019 liegen die Antworten von 615 Handwerksbetrieben aus Chemnitz, dem Erzgebirgskreis, dem Landkreis Mittelsachsen, dem Vogtlandkreis und dem Landkreis Zwickau zugrunde. Insgesamt wurden 2.000 zufällig ausgewählte Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer befragt, was einer Rücklaufquote von 30,75 Prozent entspricht.

Es muss nicht immer die neueste Technik sein: Diese Maschine aus den 1950er Jahren verrichtet ihre Aufgaben immer noch einwandfrei.

Rückenwind erhielt das Handwerk im Frühjahr durch einen erneut milden Winter, der selbst in der Baubranche kaum den Wind aus den Segeln nahm. Dazu ein paar Zahlen: 80,1 Prozent der Betriebe gaben eine Auslastung von 80 Prozent und mehr an. 64,6 Prozent nannten sogar eine Auslastung von mehr als 90 Prozent. Im Vergleich zur Vorjahresumfrage erhöhte sich der Auftragsvorlauf um eine Woche auf 12,2 Wochen. Diese außergewöhnliche Betriebsauslastung konzentriert sich vordergründig auf die Betriebe des Bauhandwerks, die erneut der Treiber der guten konjunkturellen Lage im Handwerk sind.

Die positive Entwicklung zieht sich durch den ganzen Bereich, für den die Handwerkskammer Chemnitz zuständig ist: Die Stadt Chemnitz, das Erzgebirge, Mittelsachen, den Vogtlandkreis und den Landkreis Zwickau.

Doch nicht alle Nachrichten sind positiv: Einmal mehr sind im Vergleich zur letzten Konjunkturumfrage die Einkaufspreise gestiegen. 64,9 Prozent der Betriebe gaben steigende und nur noch 0,7 Prozent sinkende Einkaufspreise an. Dies melden vor allem die Betriebe im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Aber auch Kfz- und Nahrungsmittelbetriebe sind deutlich betroffen.

Diese gestiegenen Einkaufspreise konnten die Betriebe erneut nur unvollständig auf die Verkaufspreise umlegen. „Gerade im ländlichen Raum sind Menschen bei Nahrungsmittelpreisen zunehmend preissensibel“, so Wagner. Das spürten vor allem die ortsansässigen Bäcker, deren Kundschaft immer häufiger zur günstigeren Konkurrenz bei den Discounter gehe, wo Backwaren industriell gefertig werden.

Gewinnspiele
Facebook
Facebook By Weblizar Powered By Weblizar