Modetrends als Spiegel gesellschaftlicher Umbrüche

Historisch inspirierte Looks schenken uns in diesen schweren Zeiten ein wenig Hoffnung und Vertrauen. Symbolbild: unsplash

Die Geschichte zeigt: Unsichere gesellschaftliche Zeiten inspirieren Mode-Designer häufig zu historischen Entwürfen. Bekannte Muster und vertraute Schnitte vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und Gewissheit. In Zeiten von Klimaveränderungen und globalen Erschütterungen bedeutet das: Unsere Kleidung verändert sich – und besinnt sich zurück.

Mode in der Zeitenwende

Gesellschaftliche Trendwenden gehen an der Mode-Industrie nicht spurlos vorbei. Aktuell zeigt sich eine verstärkte Sehnsucht nach Entschleunigung – auch eine Verpflichtung zu mehr Nachhaltigkeit ist zu beobachten. Beide Entwicklungen sind direkte Konsequenzen der sich erschöpfenden Fast-Fashion-Industrie: Ständig wechselnde Kollektionen beschworen neue Trends in immer schnellerem Wechsel herauf. Das führte zu Reizüberflutung, Überforderung, Kaufmüdigkeit und nicht zuletzt auch zu gravierenden Umweltproblemen. Insbesondere Letztere passen nicht mehr in eine Welt, deren Fokus sich zunehmend auf die globale Erwärmung richtet.

Dabei entwickelte sich die Fast-Fashion ursprünglich aus der Streetwear-Revolution – eine der wichtigsten Bewegungen in der Mode-Industrie. Sie sollte die Mode demokratisieren und stärker berücksichtigen, was Menschen im Alltag auch tatsächlich tragen und wodurch sie ihren Bekleidungsstil definieren. Der Look des Zeitgeistes konnte mithilfe der Streetwear wechselseitig von Modeschöpfern und Konsumenten geformt werden. Diese eigentlich bereichernde Entwicklung gipfelte allerdings in einer deutlich überhöhten Produktions-Geschwindigkeit.

Historische Zitate als Phänomen der Modegeschichte

Retro-Trends sind vergleichsweise gängig und erleben insbesondere in Zeiten prägnanter gesellschaftlicher Entwicklungen einen Aufschwung. So machte praktisch jede Dekade der jüngeren Vergangenheit Historisches wieder modern – auf ihre eigene Weise.

Der Trend zum schlichten Empire-Kleid entwickelte sich beispielsweise im Anschluss an die Französische Revolution: Es betonte die Rückbesinnung auf innere Werte. Ähnliches geschah nach dem Ersten Weltkrieg: Die Frauen hatten in Abwesenheit der Männer das Zupacken gelernt, was sich im modischen Entwurf des praktikablen Reformkleids niederschlug. Die Mode des 20. Jahrhunderts erlaubte Bewegungsfreiheit – an Korsetts war nicht mehr zu denken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg griff der von Christian Dior erschaffene „New Look“ dagegen wieder Entwürfe aus der Zeit von vor den beiden Weltkriegen auf: Frauen, die im Krieg erneut hatten Männerarbeit erledigen müssen, hüllten sich nun wieder in feminine, ausgestellte Kleidung. Die Menschen sehnten sich zurück nach Glamour und Weiblichkeit – und nach Mode, die nicht funktional sein musste.

In der Neuzeit lässt sich Ähnliches auch im Grunge erkennen. Was ursprünglich Protest und Anarchie ausdrückte, zitierte im Wesentlichen den Hedonismus der 70er- und 80er-Jahre: damals noch eine betont unpolitische Reaktion auf die reale Bedrohung des Kaltes Krieges.

Im Angesicht der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen besinnen sich viele Designer auf zeitlose Entwürfe. Diese Konzepte des „Essenziellen“ passen in einen Zeitgeist, der von politischen Turbulenzen und globalen Entwicklungen wie dem Klimawandel geprägt ist.

Elemente aus vergangenen Zeiten in die Moderne zu holen, ist der Mode also nicht fremd. Historisch inspirierte Looks vermitteln Vertrautheit und schenken auf diese Weise Hoffnung und Perspektiven für die Zukunft.

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