MotoGP auf dem Sachsenring – Schauen die Fans bald in die Röhre?

Die Zukunft des Grand Prix auf dem Sachsenring ist noch immer unkalr. Schauen die vielen Rennfans bald in die Röhre? Foto: Linke

Die Zukunft des MotoGP auf dem Sachsenring ist noch immer unklar. Schauen die vielen Rennfans bald in die Röhre? Foto: Linke

Die Vorbereitungen auf den Motorrad Grand Prix Deutschland im Juli 2016 laufen auf Hochtouren. Unklar ist zur aktuellen Stunde aber, ob es eine Weiterführung des beliebten Events nach 2016 geben wird. Bereits vor fünf Jahren hat es Diskussionen um den Fortbestand des deutschen WM-Laufes gegeben, an den steigenden Besucherzahlen (mehr als 210.000 im letzten Jahr) kann dies allerdings kaum liegen. Somit ist für viele nicht nachvollziehbar, warum der Grand Prix erneut auf der Kippe steht. „Über den Fortbestand der größten deutschen Sportveranstaltung darf nicht diskutiert werden. Eine MotoGP ohne Deutsches Rennen und ohne den Sachsenring ist undenkbar,“ macht Eddie Mielke, Sportkommentatorengröße und diesjähriger Streckensprecherkollege am Sachsenring, deutlich.

Damit es nicht soweit kommt, wurde kürzlich im Kreistag des Landkreises Zwickau eine Absichtserklärung vorgestellt, der neben der Sachsenring-Rennstrecken-Management GmbH (SRM) auch der Zweckverband „Am Sachsenring“, das Verkehrssicherheitszentrum, sowie der Landkreis Zwickau und der Freistaat Sachsen beiwohnen. In dem „Letter of Intent“ heißt es u.a. dass der Sachsenring wettbewerbsfähiger gemacht werden muss, um den Grand Prix über die nächsten Jahre hinaus zu sichern. Daher sollen sich die Grundstücksbesitzer der Sachsenring-Flächen zusammen schließen. Die Absichtserklärung ging auch an den ADAC e.V. und an den ADAC Sachsen. Der ADAC e.V. hält sich jedoch aus dieser Absichtserklärung raus und macht auf Nachfrage bei der Pressestelle in München seine Position deutlich.

„Der Sachsenring ist sicherlich der beste Platz für die Austragung des deutschen Motorrad-WM-Laufs. Die Menschen in der Region sind extrem motorradbegeistert und das schon seit Generationen. Allerdings müssen alle Beteiligten die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft des MotoGP am Sachsenring legen und an einem Strang ziehen. Gelingt das nicht, so ist es durchaus denkbar, dass der deutsche Motorrad-WM-Lauf in eine andere Region wandert,“ antwortet Kay-Oliver Langendorff, Leiter Motorsport- und Klassik-Kommunikation & Sponsoring beim ADAC e.V., auch WochenENDspiegel-Nachfrage.

Für die zahlreichen Fans hingegen wäre das Aus auf der traditionsreichen Strecke unvorstellbar. „Ich hab eine Menge Freunde, die direkt in Hohenstein-Ernstthal leben und ich beneide sie,“ so Pal Becker. Der 44-Jährige aus Nordrhein-Westfalen betreibt ein Online-MotoGP-Tagebuch und zählt über 23.000 Rennsportfans zu seinen Anhängern. „Die Fahrer lieben diese Strecke und die Fans lieben dieses Wochenende. Die ganze Atmosphäre dort ist unglaublich,“ beschreibt Becker seine Eindrücke aus dem vergangenen Jahr. Für alle Gäste, die an diesem Wochenende den Event besuchen, sei spürbar wie die Region zum Grand Prix steht. Viele Menschen brennen für diesen Event 365 Tage im Jahr, was nicht erst nach den Demos im Jahr 2011 klar ist, als der Deutsche WM-Lauf bereits schon einmal auf der Kippe stand.

„Der Heimgrandprix am Sachsenring ist immer etwas sehr besonderes. Man schreibt hier so viele Autogramme. Man spürt die Begeisterung für den Motorsport hier mehr als an anderen Orten. Es ist immer eine besondere Freude vor so vielen heimischen Fans zu fahren. Es wäre schade wenn der Deutschland Grand Prix auf einer anderen Strecke stattfinden würde,“ erklärt Philipp Öttl seine Begeisterung als Moto3-Pilot. „Ich denke, dass der Sachsenring bestens dafür geeignet ist. Auch von fahrerischer Seite ist die sächsische Strecke schön zu fahren, obwohl sie sehr anspruchsvoll ist.“

Für den ohnehin oft in der Kritik stehenden Nachwuchs in Deutschland und die Region um Hohenstein-Ernstthal wäre es somit wünschenswert und wichtig mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden. „Ein WM-Lauf – egal in welcher Sportart – ist immer Motivation für den Nachwuchs, denn die Talente träumen davon irgendwann selbst einmal vor großartigen Kulissen mit teils weit über 100.000 Zuschauern zu fahren,“ heißt es in der Erklärung des Automobilclubs. Dabei sei es nur wichtig überhaupt einen WM-Lauf in Deutschland zu haben und unerheblich, wo dieser stattfindet. „Es wäre der Knockout für den Deutschen Nachwuchs und für die MotoGP in Deutschland, wenn der Worst Case eintreten sollte,“ so Eddie Mielke. „Zumal es aktuell keine Alternativen zum Sachsenring gibt, wenn man das Chaos wie rund um den Nürburgring betrachtet.“ Auch für Nachwuchstalente wie den 14-jährigen Dirk Geiger – Deutscher Meister im ADAC Minibike Cup – ist der Sachsenring ein Highlight. „Ich freue mich sehr dass wir im Rahmen der MotoGP fahren. Das ist richtig cool und ohne den Sachsenring könnte ich es mir nicht so richtig vorstellen.“

Eine Entscheidung über den Fortbestand Deutschlands größter Motorsportveranstaltung steht noch aus. Da die Verhandlungen noch andauern, gab es dazu keine Aussage der Beteiligten. dm

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