MotoGP: Stefan Bradl im Interview

Der einzige Deutsche in der MotoGP: Stefan Bradl. Foto: Steffen Ullmann

Der einzige Deutsche in der MotoGP: Stefan Bradl. Foto: Steffen Ullmann

Er ist der einzige deutsche Fahrer in der MotoGP: Stefan Bradl. Rennsport-Experte Markus Kahl sprach für WochenENDspiegel mit ihm.

WochenENDspiegel: Wie zufrieden bist du bislang mit Deiner 2016er Saison?
Stefan Bradl: Im Prinzip bin ich zufrieden, denn wir haben ganz gute Ergebnisse eingefahren. Ich bin zwölfter in der WM nach Assen. Das kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir am Anfang der Saison bei null angefangen haben und wir nicht wussten, wie alles funktioniert und wir zurechtkommen.

Wo konntest Du zusammen mit Deinem Team schon die meisten Verbesserungen bei Deiner Maschine seit Anfang der Saison machen und wo sind noch die größten Baustellen?
Verbesserungen konnten wir auf jeden Fall im Bereich des Setups erreichen. Insgesamt haben wir aber schon überall Verbesserungen erreichen können – auch wenn es keine Riesenschritte waren. Aber wir sind kontinuierlich dran und kommen auch vorwärts. Die größte Baustelle ist noch die Elektronik. Wir brauchen aber auch noch ein bisschen weniger Gewicht und eine bessere Fahrbarkeit des Chassis.

Wie konkurrenzfähig fühlst Du Dich mit der Maschine nach (fast) einer halben Saison?
Die Ergebnisse zeigen es. Klar, es ist eine kuriose Saison mit vielen Stürzen. Aber im Prinzip müssen wir auf uns selber schauen. Unsere Einzelergebnisse waren absolut in Ordnung. Ich bin jetzt die letzten sieben Rennen konstant in die Punkte gefahren. Das ist gut, das kann sich auf alle Fälle sehen lassen. Wir arbeiten daran konkurrenzfähiger zu werden. Aber es sieht so aus also ob es ein bisschen zäher ist als wir es erwartet haben. Wir dürfen aber auch nicht allzu viel verlangen, sondern müssen ruhig und konzentriert weiterarbeiten.

Ist das Heimrennen am Sachsenring für Dich noch etwas Besonderes oder doch nur ein Rennen wie jedes andere auch?
Also es ist natürlich ein Rennen wie jedes andere auch. Aber es ist vor heimischem Publikum natürlich schon was Besonderes. Man will da eben doch noch die extra Portion mehr zeigen, einfach noch ein bisschen mehr rausholen als sonst. Die Motivation ist einfach unglaublich hoch vor den eigenen Fans. Einige Freunde von mir kommen auch vorbei und da will man sich dann natürlich extrem gut verkaufen.

Warum kommst Du gerne an den Sachsenring, was gefällt Dir an der Strecke?
Vor allem bin ich gerne wegen der Atmosphäre da. Die Fans sind toll, es ist immer gute Stimmung

Ob es auch 2017 am Sachsenring weitergeht ist noch nicht ganz klar. Grundsätzlich ist ein Deutsches MotoGP Rennen auch an einem anderen Standort denkbar. Ist für dich der Sachsenring der optimale Austragungsort in Deutschland? Wenn ja, warum?
Das ist ehrlich gesagt eine ziemlich schwierige Diskussion. Wie ich eben schon gesagt habe wissen wir alle, wie super Atmosphäre und Stimmung dort sind. Auf der anderen Seite muss man aber ehrlich sagen, dass der Sachsenring nicht die beste Rennstrecke in Deutschland für Motorradrennen ist. Ich wäre daher unter sportlichen Gesichtspunkten durchaus auch dafür offen, wenn wir es auch mal woanders austragen könnten. Nürburgring oder der Hockenheimring wären sicher eine Alternative. Aber da gilt es wenn natürlich auch die Sicherheitsstandards anzuschauen und entsprechend anzupassen.

Die größten Veränderungen in der Saison 2016 waren zu Beginn die Einheitselektronik und die Reifen. Wie fällt Dein Fazit bislang dafür aus. Zufrieden oder nicht so Dein Ding?
Die Reifen sind schon ausbaufähig, vor allem was die Stürze über das Vorderrad betrifft. Aber auch in Sachen Gripp, in Sachen Vertrauen und im Feedback für den Fahrer müssen sie besser werden. Michelin hat da schon was gemacht, denn am Anfang der Saison war es ziemlich schwierig. Aber zu Bridgestone fehlt noch einiges. Und zur Einheitselektronik: Manche Teams kommen besser damit zurecht, wie zum Beispiel Ducati. Aber bei uns ist es so, dass wir in diesem Bereich noch einiges an Aufholbedarf haben.

Überrascht es Dich, dass es an der Spitze der WM so einen engen und spannenden Dreikampf gibt?
Nein, gar nicht. Das war ja die letzten Jahre immer schon so.

Momentan scheint es so, als ob Valentino Rossi fahrerisch fast noch stärker als letztes Jahr ist. Was ist aus deiner Sicht das Erfolgsgeheimnis von ihm 2016?
Rossi war ja fahrerisch schon immer auf einem ganz hohen Niveau. Einer der Besten aller Zeiten würde ich sagen. Er hat ein unglaubliches Gefühl, hat unglaublich viel Erfahrung mittlerweile. Er zeigt, dass er wieder versucht den Titel zu holen und da wirft er alles in die Waagschale. Der Kampf an der Spitze ist nicht einfach, aber er ist jedes Mal dabei, unglaublich konstant Es ist natürlich schwierig das Erfolgsgeheimnis von ihm zu beschreiben, aber die Motivation die er nach so vielen Jahren immer noch hat, das ist schon unglaublich.

Die Vertragsverhandlungen in der MotoGP für 2017 waren in den letzten Wochen zum Teil schon ziemlich turbulent. Vieles steht schon fest, wenig ist nur noch offen. Wann wissen wir, wie es mit dir 2017 weitergeht?
Ich bin gerade mittendrin in meinen Gesprächen. Da wird man dann sehen wie es weitergeht. Aprilia hat ja verkündet mit mir nicht weitermachen zu wollen. Jetzt bin ich auf der Suche. Ich kann aber dazu momentan noch nicht viel mehr sagen. Das wird sich jetzt die nächsten Tage zeigen und hoffentlich schon bis zum Sachsenring verdeutlichen, in welche Richtung es sich bei mir entwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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