“Mut zum Handwerk braucht es”

Tischlermeister Matthias Schädlich übernahm 2017 erfolgreich einen Handwerksbetrieb in Zwickau. Fotos: Judith Hauße

Region. Es ist und bleibt eine leidige Frage für so viele Unternehmer: Was geschieht mit meiner Firma wenn ich einmal nicht mehr bin oder in den Ruhestand gehe? Besonders im Bereich der technischen und handwerklichen Berufsbranche hängt die Fortführung eines Unternehmens aufgrund des aktuellen Mangels an Arbeitskräften und Azubis immer mehr am seidenen Faden.

Rund 6000 Betriebsinhaber im Handwerk stehen bis zum Jahr 2025 vor allem im Kammerbezirk Chemnitz vor der Mammutaufgabe, einen Nachfolger zu finden, sprich ein Viertel aller Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer Chemnitz. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Chemnitzer Handwerkskammer hervor, die im Rahmen der laufenden Aktionstage zur Unternehmensnachfolge für das Thema sensibilisieren will.

Schließlich müssen die Firmeninhaber einige Fragen geklärt haben, ehe sie ihren Betrieb an den Nachfolger übergeben. Und auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig erkennt in einer fehlenden Betriebsübergabe prikäre Folgen: „Arbeitsplätze, wertvolles Know-how und Fortbestand der unternehmerischen Lebensleistung stehen auf dem Spiel“, so der SPD-Politiker. Doch es gibt sie noch, die Unternehmensnachfolge wie sie im Bilderbuch steht. Denn jüngst konnten zwei regionale Unternehmer einen Handwerksbetrieb erfolgreich übernehmen. Hierunter zählt auch Tischlermeister Matthias Schädlich aus Cainsdorf mit seinem Betrieb in Zwickau.

Es ist die erhöhte Alterstruktur, die vor allem im ländlichen Raum der Region das Thema Nachwuchs und Unternehmensnachfolge zu einer kniffligen Sache werden lässt. So ist es dennoch umso erfreulicher, dass es sie noch gibt – die Handwerker mit Mut, Engagement und dem gewissen Know-how. Tischlermeister Matthias Schädlich ist einer von ihnen. Er beendete sein Abitur, begann 2002 in der Tischlerei Sonntag in Zwickau eine Lehre zum Tischler und absolvierte danach berufsbegleitend den Meister.

Heute führt er den Handwerksbetrieb, in dem er einst lernte und seither jahrelang gearbeitet hat, erfolgreich weiter. Schließlich verlief die Übergabe des Betriebs größtenteils reibungslos ab, wie er erzählt. „Ich war schon immer in dem Betrieb tätig, kenne diesen somit in- und auswendig und konnte demnach auch schon jahrelang im Vorfeld der Übernahme viel Wissen und Erfahrung im Bereich des Handwerks durch den Vorgänger, meinem damaligen Chef, erlangen“.

Zudem hat der Tischlermeister viele Stunden, tagein tagaus mit dem vorhergehenden Tischlermeister Sonntag zusammengesessen, um über die konkreten Abläufe der Betriebsübernahme zu reden. Darüber hinaus profitierte er vor allem auch von der Hilfe, die er seitens der Handelskammer Chemnitz bekommen hat. “Besonders zu Themen, wie Vertrag und Finanzen konnte ich durch die Beratung der HWK viel in Erfahrung bringen”, sagt Schädlich.

Zwar führt er die Tischlerei inzwischen mit einem neuen Namen weiter. Doch aufgrund der großen Kundenbindung, die er bereits in seiner jahrelangen Tätigkeit in der Tischlerei  aufgebaut hat, konnte er schon am Anfang nach der Übernahme viele Aufträge entgegen nehmen. Auch personell ist er mittlerweile gut aufgestellt, wie er sagt. “Im Moment sind bei zwei Lehrlinge – 1. und 3. Lehrjahr, ein Geselle sowie Mitarbeiter im geringfügigen Bereich beschäftigt. Darüber bin ich auch sehr froh, da die aktuelle Situation im Handwerk in Sachen Personal nicht immer gut aussieht”, erläutert er.

Und letztlich braucht es vor allem „Mut zum Handwerk“, wie der Zwickauer Tischlermeister abschließend betont.

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