Nicht den Faden verloren: Textilbranche Ost mit Umsatzplus

Jens Stopp, Meister der Textiltechnik, zeigt an einer hochmodernen 3D-Webmaschine der hier produzierte Stoff. Vor allem der Entwicklung von technischen Textilien hat man sich am Sächsischen Textil Forschungsinstitut e.V. (STFI) in Chemnitz verschrieben. Fotos: Cindy Haase

Chemnitz/Region. Die Unternehmen der ostdeutschen Textilbranche haben auch 2017 den Faden nicht verloren. Wie auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) am heutigen Freitag in Chemnitz deutlich wurde, befindet sich die oft schon totgesagte Branche nach wie vor im Aufschwung – wenn auch in gebremsten.

Staunend und mit Freude betrachten die Mitglieder des vti die vom Berliner Unternehmer Peter Brunsberg gemeinsam mit Hilfe des STFI entwickelten Radtaschen mit Diebstahlfunktion. Fotos: Cindy Haase

Mit einem Umsatzplus von immerhin drei Prozent und 50 Millionen Euro gegenüber 2016 erwirtschaftete die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie 2017 einen Gesamtumsatz von rund 1,87 Milliarden Euro. “Dieses erfreulich gute Ergebnis verdanken wir vorrangig den Technischen Textilien beziehungsweise Textilien mit Spezialfunktion, die in vielen Anwendungsbereichen weiterhin auf dem Vormarsch sind”, erläutert vti-Hauptgeschäftsführer Jenz Otto.

Der vti-Vorstandsvorsitzende Friedmar Götz (l.) lässt sich von Unternehmer Peter Brunsberg die mehrschichtigen Taschen erklären.

Auch der Vorstandsvorsitzende Friedmar Götz betont: “Dank der engen Kooperation mit den im Textilforschungsverbund Nord-Ost vereinten Institute in Sachsen und Thüringen bestimmen unsere mittelständischen Produzenten das Geschehen auf dem weltweiten Wachstumsmarkt der Technischen Textilien mit.”

Einen sehr guten Ruf hat sich auch das Sächsische Textil Forschungsinstitut e.V. Chemnitz (STFI) erworben. Hier werden technische Innovationen hervorgebracht, wie auch der Berliner Unternehmer Peter Brunsberg (Firma bagjack), weiß. Durch die Zusammenarbeit mit dem STFI gelang ihm die Entwicklung von diebstahlsicheren sogenannten Cargo Bags. Das sind Transporttaschen, die derzeit vor allem bei Fahrradkurieren zum Einsatz kommen.

“Durch die Schichtentechnik haben wir die Möglichkeit, die Taschen individuell auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen”, beschreibt Brunsberg. Stolz zeigt er sich vor allem auf die auf Wunsch integrierte Diebstahlfunktion, die bei versuchter Entfernung oder Beschädigung der Tasche laut Alarm schlägt. “Zukünftig sollen die Besitzer dann auch auf ihre mobilen Endgeräte eine Info bekommen”, erläutert Brunsberg, der früher selbst als Fahrradkurier arbeitete und weiß, was in der Branche gefragt ist.

Über die Entwicklung innovativer Materialien wie Technische Textilien, Vliesstoffe und textilen Leichtbau hinaus steht das STFI Textilunternehmen bei vielen Fragen zur Seite: Wie funktioniert digitalisierte Textilproduktion? Was ist bei der Einführung neuer Technologien zu beachten? Welche Rolle übernehmen die Mitarbeiter? In welchen “Sprachen” kommunizieren Menschen, Maschinen und Anlagen? Rund 150 Mitarbeiter des STFI bearbeiten aktuell rund 130 Forschungs- und Entwicklunsprojekte.

Insgesamt 16.000 Beschäftigte zählt die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, davon sind 12.000 in Sachsen. Bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes wird mit der Herstellung Technischer Textilien erwirtschaftet. 30 Prozent entfallen auf hochwertige Heimtextilien und 20 Prozent auf Bekleidung.

Der Auer Unternehmer Gert Bauer mit der von seiner Firma produzierten neuen Luxus-Bettwäsche.

Doch auch wenn vor allem technische Textilien die Zukunft der Branche sind, haben Bekleidungs- und Heimtextilien nach wie vor ihren Markt – auch aus heimischer Produktion. Ein Erfolgsbeispiel ist die Curt Bauer GmbH Aue. Das Unternehmen wird bereits zum 27. Mal auf der Leitmesse der Branche “Heimtextil” vom 9. bis 12. Januar in Frankfurt am Main vertreten sein. Dort zeigt das Familienunternehmen auch eine neuartige Luxusbettwäsche-Kollektion aus unter dem Titel “CB 1882”, eine Referenz an das Gründungsjahr des Unternehmens.

“Wir müssen Innovationen eben auch in klassischen Produkten hinbekommen, um zukunftsfähig zu sein”, weiß Gert Bauer, der gemeinsam mit seinem Bruder Miachel das Unternehmen in vierter Generation führt. Mit den hochwertigen Damast-Erzeugnissen für Bett und Tisch sowie einer eigenständigen Kinder-Kollektion gelingt das dem Auer Unternehmen gut. Rund 18 Millionen Euro beträgt der Jahresumsatz. 135 Mitarbeiter und zehn Auszbildende sind bei Curt Bauer tätig.

Doch auch wenn die Ausbildungsstellen bisher alle immer besetzt werden konnte, weiß Gert Bauer ebenfalls um den in der Gesamtbranche beklagten Nachwuchsmangel. “Hier ist es natürlich auch an uns, uns als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren”, weiß der Geschäftsmann.

Auch Dr. Peter Werkstätter, Geschäftsführer des vti, liegt der Nachwuchs sehr am Herzen. Deswegen möchte er gern in Plauen die textile Aus- und Weiterbildung der neuen Länder stärken. Ein Kompetenzzentrum schwebt ihm dabei vor. “Wir müssen unseren Berufsnachwuchs für die Industrie 4.0 fit machen und zugleich beste Weiterbildungsmöglichkeiten für unsere Fachkräfte schaffen”, fordert er. Denn: “In Zukunft werden Digitalisierung, Automatisierung und logistische Vernetzung auch in der Textilproduktion neue Dimensionen annehmen”, betont Werkstätter.

 

 

 

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