Nichts für Seelchen

Alice Cooper lieferte ein blutig gebratenes Meisterstück Schock-Rock in Zwickau. Foto: Ralph Köhler

Der Bühnen-Gönner

Von Sven Günther
Zwickau. Eins ist sicher: Sollten sich zartbesaitete Seelchen in die Stadthalle verirrt haben, die gern mit schiefgehaltenem Kopf friedensliederklampfend unterwegs sind, die neben milchgeweichtem Müsli am Salatblatt nagen und Rotkäppchen ohne den bösen bösen Wolf erzählen – Alice Cooper hat ihnen für den Rest des Lebens Albträume zwischen die Ohren geschaudert.

Der Meister ERSCHEINT ihnen und den Fans, die auf harten Schock-Rock warten! Stilecht mit Zylinder, Gehstock und kajalierten Augen lässt er seine Derwische von der Leine, gönnt ihnen immer wieder eine Bühne, auf der sie sich weidlich austoben.

Coopers Derwische: Chuck Garric, Ryan Roxie, Nita Straus und Tommy Henriksen. Foto: Ralph Köhler

Nita Strauss (Lead-Gitarre, Gesang), Chuck Garric (Bass), Ryan Roxie und Tommy Hendriksen (beide Gitarre/Gesang) greifen in die Saiten, dass es eine Art hat. Gitarren vibrieren, Bässe hämmern – und über allen die immer noch starke Stimme des 74-jährigen Cooper, der sich während der Show mit allerlei Horror-Figuren befassen muss.
Da ersticht ein Maskenmann ein kleines Mädchen, da stampft ein Riesenbaby ins Scheinwerferlicht, da bedrängt ein Monster den blutverschmierten Protagonisten, der – wie die Fans es erhofft hatten – mit einem Hackbeil auf ein Baby losgeht, in blutiger Zwangsjacke erscheint und schießlich per Guillotine geköpft wird. Puuhhh.
Eine Schock-Show, in der er, Cooper, singt, als habe er den Leibhaftigen in sich. Immer präsent, immer auf den Punkt, eskortiert von Technikern, die sofort eingreifen, als das Mikro beim ersten Song zu leise ist.

Schnell sind Unmut und Kopfschütteln vergessen, die Michael Monroe bei einem Teil des Publikums auslöste. Der, obwohl just an diesem Tag 60 Jahre alt geworden, hampelte kindisch-unbeholfen nach Art eines Duracell-Hasen über die Bühne. Ständig mussten Helfer das Mikrofonkabel entwirren, um den Sänger vor einer Verknotung mit selbigem zu schützen. Blonde Mähne schütteln, Fächer ins Publikum werfen, Mikrofonständer-Schwenkerei – nee, das war nix.

Albern: Michael Monroe konnte mit seiner Band nicht überzeugen. Foto: Ralph Köhler

Schon gar nicht, wenn anschließend ein Meister der Show seinen Aufritt zelebriert. Die neuen Songs der Platte „Detroirt Stories“ packen das Publikum. „I’m Eighteen“, „Elected“, „Only Women Bleed“, „No More Mr. Nice Guy“, „Poison“ oder „Under My Wheels“ faszinieren. Und da ist dann noch Glen Sobel am Schlagzeug, der den Rhythmus der Show bestimmt und vor „Black Widow Jam“ eine Solo von den Stöcken lässt, dass die Fans mitreißt.
Mit „School’s Out“ endet die fesselnde Show nach gut zwei Stunden. Ein blutig gebratenes Meisterstück Schock-Rock in Zwickau. Nichts für Seelchen…

Der Bühnen-Gönner! Alice Cooper ließ seinen erstklassigen Musikern viel Platz für ihre Solo-Einlagen. Foto: Ralph Köhler

 

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