Nie mehr weisse Weihnachten?

Die Wetterwarte auf dem Fichtelberg bei herrlichem Winterwetter. Gibt es beides bald nicht mehr? Foto: DIE GRÜNEN

Gibt es keine weiße Weihnachten mehr?

Von Sven Günther
Erzgebirge. Glaubt man den Wettervorhersagen, ist in den nächsten Tagen weiter mit Schmuddelwetter und Plusgraden zu rechnen. Weiße Weihnachten fällt ins Wasser. Eine Folge der Erderwärmung? Zu hoher Kohlendioxid-Ausstoß? Nie mehr Schnee am Heiligen Abend?

„Ich beschäftige mich intensiv mit diesem Thema“, sagt der renommierte Skitourismusforscher Günther Aigner aus Kitzbühel in Österreich. „Trotzdem kann ich die Fragen nicht beantworten. Alle seriösen Wissenschaftler erklären, dass eine Vorraussage der Schnee-Situation in Mittelgebirgen für die nächsten 15 bis 20 Jahre unmöglich ist.“
Für ihn eine Tatsache, die man hinnehmen muss. Aigner: „Uns bleibt nur, die Schnee- und Klimastatistiken der letzten Jahrzehnte anzuschauen und uns damit zufrieden zu geben. Hieraus können wir vorsichtige Schlüsse ziehen.“
Für den Fichtelberg sieht man, dass die mittlere Wintertemperatur seit 1915 durchschnittlich bei minus 4,4 Grad liegt. In den letzten 30 Jahren ist sie von minus 3,0 auf minus 3,9 gefallen. Bei den Schneehöhen gibt es innerhalb der letzten 100 Jahren keine signifikanten Änderungen und die Anzahl der Schneetage ist ebenfalls konstant.
„Alle, die eine Vorraussage für die Zukunft treffen, haben nur ein Ziel“, so Aigner. „Sie wollen diffuse Ängste schüren, vermischen Dinge miteinander. Je öfter unbeantwortbare Fragen nach dem Klima der Zukunft gestellt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie jemand unseriös beantwortet, um sich zu profilieren.“

Günther Aigner. Foto: Michelle Hirnsperger

Klar ist für die Klimatologen, mit denen Aigner zusammenarbeitet, dass die Erderwärmung von 1850 bis 1950 großteils einen natürlichen Ursprung hat. Seit 1950 werden zu je 50 Prozent natürliche und menschliche Gründe vermutet.
Die Frage nach weißen Weihnachten im Erzgebirge ist dagegen schlicht. Aigner: „Ob Schnee liegt oder nicht hängt von der Wetterlage ab. Haben wir langanhaltende kontinentale Kaltluft aus Sibirien wird es kalt, kommt viel subtropische Luft aus dem Süden wird der Winter warm. So einfach, aber nicht vorherzusagen.“

Schlechter als nach dem Krieg

Eine wissenschaftliche Katastrophe ist für den Forscher die Situation der Wetterwarte auf dem Fichtelberg. Ab 01.01.2019 beabsichtigt der Deutsche Wetterdienst (DWD) die manuelle Datenerfassung auf dem Fichtelberg, die es seit über 100 Jahren gibt, einzustellen. Wetterdaten sollen danach nur noch automatisch erfasst werden.
Aigner: „Damit gehen unschätzbar wertvolle Messreihen für immer kaputt, die täglich seit 1916 bestanden. Selbst nach dem 1. und 2. Weltkrieg, wo Not herrschte und man an die Einstellung der Arbeit der Wetterwarte hätte denken können, ist das nicht passiert.“
Der Einsatz von Technik ersetzt aus Aigners Sicht den Menschen nicht. „Beispielsweise sind die täglich fallenden Neuschneemengen und die Gesamtschneehöhen auf einem windexponierten Gipfel nicht von Automaten messbar“, sagt der Forscher. „Die Schneemessung am Fichtelberg geht unwiderrufbar zu Ende. Es ist für die Wissenschaft eine Katastrophe.“

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