Niners-Athletiktrainer Francesco Briguglio: „Das Hier und Jetzt zählt“

Francesco Briguglio gehört seit Sommer 2019 als Athletiktrainer zum Team der Niners Chemnitz. Foto: Jan Stimpel

Judith Hauße: Wie kam es, dass Sie sich für die Stelle bei den Niners entschieden haben? Und wie geht es Ihnen heute mit diesem Entschluss?
Francesco Briguglio: Ein Freund von mir, Andrea Comini, der früher Athletiktrainer an der Universität von Northern Iowa war, stand in Kontakt mit Rodrigo Pastore und fragte mich, ob ich für einen deutschen Zweitligisten arbeiten möchte. Das war eine einmalige Chance, Erfahrungen außerhalb meiner Heimat Italien zu sammeln und für einen Verein zu arbeiten, der sehr große Ziele verfolgt. Ich liebe Herausforderungen und bin sehr glücklich, mich letzten Sommer für die NINERS entschieden zu haben.

 

 

Worin bestehen mit Blick auf die Niners und Ihre bisherige Arbeit in Chemnitz für Sie die größten Unterschiede zu Ihren vorherigen Tätigkeiten in Italien?
Die Sprache ist eine der größten Herausforderungen. Obwohl es auch in Italien ausländische Spieler gab, konnte ich mit den meisten Spielern und Trainern auf Italienisch kommunizieren. Hier bei den NINERS wird stets Englisch gesprochen. Ein weiterer Unterschied ist die größere Verantwortung, welche ich jetzt habe. Coach Rodrigo schenkt mir sehr viel Vertrauen und lässt mir in vielen Bereichen freie Hand im Umgang mit dem Team, ob Belastungssteuerung, Ernährung, Individualtraining oder Regeneration. Dafür bin ich sehr dankbar, gerade weil Rodrigo und ich uns ja erst seit letztem Sommer kennen.
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Die Niners standen vergangene Saison knapp vor dem Aufstieg. In diesem Jahr soll es endlich klappen, die unangefochtene Siegesserie lässt eigentlich keinen anderen Saisonausgang zu. Ihre Einschätzung?
Ich war letzte Saison noch nicht hier, weshalb ich das damalige und das aktuelle Team nicht wirklich vergleichen kann. Grundsätzlich denke ich eher von Tag zu Tag. Ich fokussiere mich darauf, wie wir uns heute verbessern können, statt zu viele Gedanken an die Vergangenheit oder Zukunft zu verschwenden. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn du jeden Tag dein Bestes gibst und immer wieder an den Details arbeitest, es dich früher oder später zum Erfolg führen wird. Niemand weiß, was die Zukunft bringt, also liegt unser Hauptaugenmerk auf dem Hier und Jetzt.
Worin bestehen Ihre Hauptaufgaben als Athletik-Trainer, was analysieren Sie während eines Spiels auf der Trainerbank besonders?
Basketballspieler sind Athleten mit bestimmten Bedürfnissen und Herausforderungen. Meine Aufgabe ist es, dabei zu helfen, dass sie auf ihrem bestmöglichen Level perfomen können. Unsere Art des Basketballs erfordert viele spezielle Fähigkeiten, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Regenerationsstrategien und individuelle Weiterentwicklungen basierend auf dem Alter, den körperlichen Fähigkeiten und der Verletzungshistorie eines jeden einzelnen Spielers, seine Rolle im Team und vieles mehr sind ganz entscheidende Details. Vor dem Spiel leite ich das Aufwärmtraining und versuche, jeden Spieler bereit für den Tip-Off zu machen. Während der Partie achte ich auf die Belastung sowie mögliche Verletzungen der Jungs und nach der Schlusssirene steht das „Cooldown“, also der Beginn der Regeneration an.
In welchen Bereichen liegen die Schwerpunkte für das Athletiktraining für so ein großes Ziel wie den Aufstieg in die erste Liga?
Dafür gibt es keine magische Formel. Wir verfolgen jeden einzelnen Tag einen genauen Plan, um das Bestmögliche aus der Mannschaft herauszuholen, und stellen unsere Strategie auch immer wieder auf die Probe. Manchmal ändern wir den Plan, wenn es uns besser oder effektiver erscheint. Die Saison ist sehr lang und gerade die Playoffs mit den vielen Partien in kurzer Zeit sind eine riesige Herausforderung. Darauf müssen wir uns sehr durchdacht vorbereiten und die Belastung der Spieler klug steuern.
Was ist dann auch für die Regeneration nach einem Spitzenspiel wie beispielsweise gegen Bremerhaven am letzten Mittwoch besonders wichtig?
Darüber gibt es in der Sportwissenschaft unzählige Studien und Forschungsarbeiten. Ich belese mich sehr viel zu diesen Themen, tausche mich immer wieder mit anderen Trainern und Sportlern aus. Dann versuche ich, einen Plan maßzuschneidern, der auf unsere speziellen Herausforderungen abgestimmt ist. Gerade nach schweren Spielen sind Flüssigkeitsaufnahme, Proteinzufuhr und ausreichend Schlaf ganz wichtige Themen. Auch gute Stimmung und Spaß sind Faktoren, die oft unterschätzt werden, aber bei der Regeneration helfen. Dazu natürlich unsere üblichen Routinen, also Stretching, Mobilisierung und Restabilisierung.
Sie kennen Niners-Headcoach Rodrigo Pastore seit letztem Sommer. Wie ist ihr Verhältnis und wie spiegelt sich das in Ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit beim Training und während der Spiele wider?
Ich habe sehr großen Respekt für ihn und seine Art zu arbeiten. Rodrigos Hingabe und Leidenschaft sind einzigartig. Er ist zweifellos der professionellste und kompetenteste Trainer, mit dem ich je gearbeitet habe. Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere, aber ich lerne viel von ihm und wir tauschen uns oft über Basketball, Kommunikation oder Trainingsinhalte aus. Es ist eine großartige Zusammenarbeit, ich freue mich, dass wir gelegentlich Italienisch miteinander sprechen können. Er beherrscht das wirklich gut. Vielleicht lerne ich irgendwann noch Spanisch, damit wir uns auch einmal in seiner Muttersprache unterhalten können.
Vielen Dank für das tolle Gespräch!
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