Notaufnahmen in Not

Die Nortaufnahmen sind für die Notfälle da. Die Realität sieht jedoch anders aus. Foto. KKH

Die Notaufnahme im Krankenhaus ist für die Notfälle da. Die Realität sieht jedoch anders aus. Foto: KKH

Mittweida. Notaufnahme – der Name sagt es schon, dieser Krankenhausbereich ist Notfällen vorbehalten. Doch schon seit einiger Zeit nutzen viele die Notaufnahme, die nicht zu dieser Kategorie gehören. Da tauchen auch Leute mit Heuschnupfen auf oder Zeitgenossen, die nicht über das Wochenende warten wollen, bis montags der Hausarzt geöffnet hat. Neben den wirklichen Notfällen nutzen immer Mehr Leute mit Lapalien die Notaufnahme. Diese gerät dadurch selbst in Not.

Rund eine Million Personen nutzen in Sachsen den Notdienst. Dies geht aus Informationen der Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin hervor. Die Tendenz ist steigend. Der schnelle Gang in die Notaufnahmen der Krankenhäuser bringt deren Notaufnahmen teilweise an die Kapazitätsgrenzen. Und auch finanziell droht den Häusern ein Desaster.

Was in Sachsen Gang und Gebe ist, macht auch vor dem Mittweidaer Krankenhaus nicht Halt. „Das Betreiben einer Notaufnahme ist eine Katastrophe in den Krankenhäusern der Region“, sagte Diplom Betriebswirt Jens Irmer, Geschäftsführer des Mittweidaer Krankenhauses. „Es geht um wirkliche Notfälle, der Andrang in den Arztpraxen und die damit verbundenen langen Wartezeiten, sorgen mit dafür, dass die Leute in die Notaufnahme gehen, weil man ja dort gleich dran kommt.“

Damit werden aber nicht selten wirkliche Notfälle blockiert. Die Ärzte der Notaufnahme behandeln nach dem Schweregrad. Das sorgt dann wieder für Unmut bei den Wartenden. Für Patienten und Ärzte ist das gleichermaßen belastend. Wie Irmer sagte, gibt es bei vielen Ärzten keinen Nachfolger. Schließt eine Arztpraxis, merkt man das im Krankenhaus sofort. „Die Zahl der Leute, die die Notaufnahme in Anspruch nehmen, steigt. Auch wenn am Mittwochnachmittag die Ärzte traditionell zu haben, bekommen wir das sofort mit“, meinte Jens Irmer. Auch an den Wochenenden sei das so. Viele wollten nicht bis zum Montag warten und gehen zur Notaufnahme.

Irmer schätzt ein, dass diese Entwicklung noch schlimmer wird. Schlimm ist das auch für die Finanzen des Krankenhauses, denn die Notaufnahme ist finanziell ein Verlust. „Besucht jemand einmal im Quartal die Notaufnahme erhalten wir 13,25 Euro. Kommt er ein zweites Mal im Quartal erhalten wir nur noch 5,22 Euro. Gerade wer alkoholische Probleme hat, der taucht auch mehrmals im Quartal in der Notaufnahme auf“, schildert der Geschäftsführer die wirtschaftliche Seite.

Die Behandlung eines Alkoholkranken dauert nicht unter einer halben Stunde. Dabei kommen mindestens zwei Schwestern zum Einsatz und ein Arzt. Unter Umständen werden medizinische Geräte benötigt. Und das alles für 13,25 Euro bei der Erstnutzung der Notaufnahme im Quartal.

Größere Krankenhäuser können die Verluste der Notaufnahme durch andere Fachbereiche kompensieren. Bei kleineren Einrichtungen wie dem Krankenhaus Mittweida ist das schlecht möglich. „Helfen ist unsere Aufgabe und wir helfen sehr gern. Doch wirtschaftlich muss auf Dauer alles auf sicheren Beinen stehen“, meinte Jens Irmer. Einen Worten nach hat die ganze Finanzierbarkeit der Notaufnahme in Deutschland keine gute Entwicklung genommen. Die Sächsische Krankenhausgesellschaft und der BDK Deutschland arbeiten schon seit einiger zeit an einer Reformierung. Doch die Krankenkassen wollen möglichst wenig bezahlen. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, stellte Irmer fest. Er hofft wie viele seiner Kollegen, dass schnellstmöglich eine Lösung für das Gesamtproblem gefunden wird, mit der Krankenhäuser, Ärzte und Patienten gleichermaßen gut leben können. uw

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