OB Krüger: “GroKo macht besten AfD-Wahlkampf!”

Freibergs OB Sven Krüger ist aus der SPD ausgetreten. Dem WochenENDspiegel erklärt er, was ihn an der Partei und an der Politik nicht mehr gepasst hat. Foto: Stadtverwaltung

OB Krüger: Abrechnung mit den Genossen

Von Sven Günther
Freiberg. Aus. Vorbei. Schluss. Sven Krüger, der Oberbürgermeister von Freiberg, ist kein Genosse mehr. Gestern (20. September) erklärte er seinen Austritt aus der SPD. Das Ende eines Prozesses. Krüger zum WochenENDspiegel: “Es begann mit dem desaströsen Wahlkampf, dem ein desaströses Wahlergebnis folgte und dem sich ein desaströses Hin und Her in Sachen Großer Koalition anschloss.”

Doch jetzt ist das Maß voll. “Was sich in den letzten Tagen in Berlin abgespielt hat, ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Wenn mich Mitarbeiter im Rathaus fragen, welche Fehler sie machen müssten, damit sie befördert werden, kann ich diese Politik nicht mehr vertreten”, sagt der Oberbürgermeister.

Bei seiner Kritik nimmt er die Landesregierung Sachsens aus. Sven Krüger: “Michael Kretschmer und seine Minister machen einen guten Job. Man spürt eine Aufbruchsstimmung. Aber wenn immer wieder negative Dinge aus Berlin kommen, wird es wirklich schwer. Wenn man sich wochenlang mit einer Personalie (der Fall Maaßen, d. Red) beschäftigt, dabei die Probleme der Menschen offenbar vergisst, kann man sich nur wundern.”

Dass die AfD in Umfragen inzwischen vor der SPD liegt, ist für den Oberbürgermeister das Ergebnis dieser Politik. Krüger: “Die GroKo macht ja den besten Wahlkampf für die AfD. Wir dürfen nicht jede Kritik einem politischen Lager zuordnen. Wir müssen uns mit der Kritik und nicht mit den Kritikern beschäftigen.”

Interne Kritik kann Krüger an der SPD nicht mehr üben. Er hofft, “dass mein Austritt eine Diskussion in Gang bringt, wie man Dinge besser machen kann. Ändert sich nichts, wird es den deutschen Sozialdemokraten so gehen, wie den Sozialisten in Frankreich. Es wird sie in absehbarer Zeit nicht mehr geben.”

Nach Krügers Meinung fehlen in Deutschland Politiker wie Willy Brand oder Helmut Schmidt. Der Oberbürgermeister: “Die Politik wird immer beliebiger, fällt kaum noch Entscheidungen. Das führt zu einer Politikverdrossenheit der Menschen. Wir sprechen in unseren Stadtteilgesprächen seit 2015 regelmäßig mit den Bürgern und sagen auch Nein, wenn ein Vorhaben nicht durchführbar ist, weil zum Beispiel das Geld dafür fehlt. Das Nein-Sagen ist schwer, aber die Menschen verstehen es, wenn die Gründe schlüssig sind.”

Nein sagen. Haltung zeigen. Das vermisst Krüger mit Blick nach Berlin: “Es mangelt an neuen Ideen, an neuen Impulsen. Deshalb plädiere ich auch für eine Amtszeitbegrenzung im Bundeskanzleramt. Die Politiker müssen aufhören, immer nur auf die nächste Umfrage, die nächste Wahl zu schauen. Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.”

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