Ordnungsamt und Polizei setzen verstärkt auf Präsenz

Conny Stiehl, Polizeipräsident PD Zwickau

Zwickau. Vor einem Jahr waren ständige Unruhen auf dem Neumarkt in aller Munde. Heute, ein Jahr später, ist davon keine Rede mehr. Gleiches gilt beinahe auch für das Muldeparadies. Dabei seien es vordergründig Schwarzfahrer, die am Neumarkt aufgeschnappt werden. Und auch, wenn die Kriminalitätsstatistik für 2019 natürlich noch nicht feststeht, ist abzusehen, „dass sich die Zahlen im unteren Bereich befinden“, sagt Conny Stiehl, Polizeipräsident der Polizeidirektion Zwickau (PD). Die Aufklärungsquote in der Direktion die von Zwickau bis ins Vogtland agiert, liegt jenseits der 60 Prozent „und damit über dem Landesdurchschnitt“, so Stiehl weiter. Der Erfolg liege laut Stiehl vor in der verstärkten Präsenz – personell wie auch medial – sowie in der guten Zusammenarbeit im Direktionsbereich und mit dem Ordnungsamt der Stadt Zwickau. So informiert auch die polizeiliche Pressestelle am Wochenende rund um die Uhr über Geschehnisse.  Die Serien von Reifenstechereien in Lichtenstein und in Zwickau durch Passanten seien so aufgeklärt worden – eben deshalb, weil durch die vielen Mitteilungen die Bevölkerung sensibilisiert werde.

Graffitis bleiben ein Problem

Dass Graffitis nicht gleich immer  Schmierereien bedeuten, weiß Conny Stiehl zu unterscheiden. Doch sogenannte Duftmarken im Fußball verschandeln das Ansehen der Stadt – und damit habe jede Fußballstadt zu kämpfen. In Zwickau sind die Marken eben rot-weiß, in Aue lila-weiß, in Chemnitz blau-weiß und so weiter. Die Polizeidirektion habe sich dem Problem verstärkt angenommen und so eine Aufklärungsquote von 20 auf 40 Prozent erreicht.

Jugendstraftaten bekämpfen

Etwa 15 bis 30 Personen stark sei ein Kreis junger Krimineller. Sie begehen unter anderem Diebstähle, Sachbeschädigungen oder Körperverletzungen. „Wichtig ist, diese jungen Leute aus der Kriminalität rauszuholen. Ganz wichtig ist es dabei, den Anführer der Gruppen zu ermitteln“, sagt Stiehl. „Und unserer Mitarbeiter haben Erfahrung mit diesen Menschen. Das ist wichtig.

Rainer Kallweit, Ordnungsamtsleiter Zwickau

So werden seit einiger Zeit neben polizeilicher Präsenz auch mehr Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf Streife geschickt. So sorgen an der Mulde beispielsweise von 7:00 bis 2:30 Uhr drei Dienstgruppen mit jeweils vier Personen für Ordnung. Auch Streetworker nehmen den Kontakt zu gefährdeten Jugendlichen auf. Ab dem 1. November werden zudem in der Polizeidirektion weitere elf Beamte für repressive und präventive Maßnahmen im Bereich der Jugendkriminalität in der gesamten PD eingesetzt.

Mitarbeiter und Ausrüstung weiter aufstocken

Laut Stiehl war es die richtige Entscheidung des Landtages, mindestens weitere 1.000 Polizisten einstellen zu wollen. „Aber die fallen nicht vom Himmel. Die Richtigen müssen her. Am besten welche, die auch aus der Region sind.“

Auch der Ordnungsdienst hat aufgestockt. An sogenannten „Hotspots“ werde Präsenz gezeigt, die dem der Polizei sehr nahe kommt. „Eigentlich fehlt nur noch eine Schusswaffe“, sagt Zwickaus Ordnungsamtsleiter Rainer Kallweit. Es gibt einen Fuhrpark und Dienstkleidung mit Schutzwesten. Weiterhin absolvieren die Mitarbeiter spezielle Fahrtrainings, machen Dienstsport, Selbstverteidigung und Schulungen, beispielsweise in Dokumentenerkennung. aj

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