Ort des Austauschs

Der ehemalige Speicher soll mithilfe von „Smart City“ zum Gründer- und Innovationszentrum werden. (Foto: Natalie Scheffler)

Ehemaliger Kornspeicher soll zum Gründer- und Innovationszentrum werden

Zwönitz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Buntweberei gebaut, sollte das Zwönitzer Gebäude während der Wirren des Krieges kurzfristig zur Waffenherstellung genutzt werden, was aber schließlich doch nicht zustande kam. Nach dem Krieg wurde es als Kornspeicher genutzt, daher auch der Name. Nach der Wende kauften die Gebrüder Roth den Speicher, um dort einen ihrer Baumärkte zu eröffnen. Als der Baumarkt schließlich ins Gewerbegebiet verlegt wurde, wollte die Stadt Zwönitz das Gebäude nicht als Ruine verfallen lassen. „So entstand die Idee, den Speicher zum Gewerbezentrum zu entwickeln. Dafür wurden Fördergelder beantragt beim Land Sachsen, die auch bewilligt wurden. Nun hat man den Schritt gewagt, das Gebäude anzugehen – mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ca. 10 Millionen Euro“, erklärt Dr. Martin Benedict, Leiter von Smart City.
2019 kam schließlich noch das „Smart-City-Projekt Zwönitz“ hinzu: „Das ist ein Innovations- und Digitalisierungsprojekt. Wir wollen aus dem Speicher ein Gründer- und Innovationszentrum machen. Unsere Aufgabe im Team ist es, das Objekt mit Leben zu füllen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Unternehmen ansiedeln können.“

Insgesamt stehen 4.500 Qudratmeter an Fläche zur Verfügung, die u.a. für Werkstätten und Büros genutzt werden soll. (Foto: Natalie Scheffler)

Insgesamt 4.500 Quadratmeter stehen an Fläche im Speicher auf acht Etagen zur Verfügung. Im Kellergeschoss wird der historische Haupteingang wieder hergestellt. Die darüber befindlichen zwei Etagen sollen als Werkstätten für produzierende und handwerklich orientierte Unternehmen bzw. Start-Ups eingerichtet werden. Die beiden Büroetagen sollen unterschiedlich genutzt werden. So entsteht u.a. ein Co-Working-Space. Dr. Martin Benedict erklärt, was es damit auf sich hat: „Gerade im ländlichen Raum ist dieses Konzept sehr attraktiv.
Mit dem Bergstadtbüro haben wir einen Co-Working-Space bereits in minimaler Form ins Leben gerufen. Im Speicher kann man sich dann einen Schreibtisch bzw. einen Raum mieten, aber das Wichtigste ist, dass man sich mit anderen Menschen aus verschiedensten Bereichen austauschen und neue Projekte entwickeln kann. Wir sind bereits dabei, ein Netzwerk an Personen aufzubauen, die hier in Zwönitz aktiv werden wollen. Wir sind auch überregional tätig und versuchen Menschen für Zwönitz zu begeistern.“
Ein Geschoss soll als Konferenzetage mit einem großen Raum und vier kleineren Besprechungsräumen fungieren. Zudem ist geplant, einen Maker-Space zu etablieren. Das ist eine Art offene Werkstatt, die Bürgern, Vereinen und Unternehmen zur Verfügung steht und mit besonderer Technik ausgestattet ist, wie beispielsweise einem 3-D-Drucker oder 360-Grad-Aufnahmetechnik. „Wir wollen ein Stück weit das Mindset aufbauen, mit den Mitteln der Digitalisierung etwas in der Stadt zu bewirken. Der Speicher bildet dafür die materielle Struktur, einen Ort des Austauschs. Darüber hinaus soll ein Netzwerk entstehen aus innovativen Köpfen. Zwönitz soll auch eine gewisse Strahlkraft nach außen entwickeln und die Maker-Szene im Erzgebirge voran bringen. So wollen wir auch Start-Ups in die Stadt ziehen und zeigen, dass es nicht immer Berlin-Kreuzberg sein muss, sondern dass es auch auf dem Land gute Möglichkeiten gibt, um Unternehmen zu gründen“, so Dr. Martin Benedict. Seit Januar laufen die Bauarbeiten im Speicher, bis zum zweiten Quartal 2023 soll alles fertig gestellt sein. Das zukünftige Gründer- und Innovationszentrum ist Teil des Projekts „Smart City Zwönitz“, zu dem sechs Themenfelder gehören:
Smarte Bürger (Bürger dazu bewegen Digitalisierung für sich zu nutzen), smarte Wirtschaft (Unterstützung der Unternehmen bei der digitalen Transformation), smarte Lebenswelt (Einbindung der Digitalisierung in verschiedene Bereiche des Stadtlebens, wie z.B. Gesundheit), smarte Mobilität (das Projekt ERZ-Mobil), smarte Umwelt (Digitales Gebäudemanagement für Energieeffizienz) sowie smarte Verwaltung (effizientere Erbringung öffentlicher Dienstleistungen durch den Einsatz digitaler Werkzeuge).

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