Papier-Revolution aus dem Erzgebirge

In den Supermärkten soll Papier aus Grünhainichen tonnenweise Plastik ersetzen. Foto: GRÜNPERGA

Papier statt Plastik

Grünhainichen. Wir hatten sie alle schon in der Hand, haben unsere Supermarkt-Semmeln, das Discounter-Baguette in eine dieser brauen Tüten gesteckt, die in der Mitte eine Klarsichtfolie haben, damit an der Kasse die Produkte zu erkennen sind.
Genau dieser kleine Plastikstreifen ist ein großes Problem: Die Fünf-Prozent-Regel für das Recyceln von Papier greift nicht mehr. Diese besagt, wenn mehr als fünf Prozent Kunststoff in einer Verpackung sind, wird diese für den Wertstoffkreislauf nutzlos.
Die Lösung kommt aus dem Erzgebirge von der Firma GRÜNPERGA und trägt den Namen PERGAMIN! Ein durchsichtiges Papier, das jetzt in den Supermarkt-Backshop-Tüten statt Plastik zum Einsatz kommen soll.
Die neue Verpackung von GRÜNPERGA kann jährlich tausende Tonnen Plastikmüll speziell für diesen Verwendungszweck reduzieren.
Seit 1970 produzieren die Papierexperten in Grünhainichen Pergamin, seit 1995 unter der Leitung des Diplom-Ingenieurs Ulf Ender. „Das Material war schon einmal richtig angesagt, wurde aber dann an vielen Stellen durch damals modernen Kunststoff abgelöst“, erzählt die Vertrieblerin Sabine Karl, die im Unternehmen von der Pike auf gelernt hat und die ihre Begeisterung für Papier nie losgelassen hat: „Lesen, schreiben, verpacken, gestalten sind einfach Dinge, die man schon immer mit Papier verbindet. Und es fasziniert schon Kinder, wie aus Holz ein Blatt Papier wird.“
Sabine Karl reist seit Jahren viel durch ganz Europa, um immer mehr (potenzielle) Kunden mit ihrer überzeugten Leidenschaft anzustecken. Aktuell ist sie in den Zentralen der Discounter unterwegs – für ein Mehr an Umweltbewusstsein im Brötchenverkauf.

Weltbekannt ist Grünhainichen für die kunstvollen, filigranen Engelsfiguren aus Holz. Fährt man jedoch durch den Erzgebirgsort hinab ins waldumsäumte Flöhatal, verrät ein großer Fabrikkomplex mit dicken historischen Mauern von weitem: Dort geht es handfest und robust zu. Willkommen bei GRÜNPERGA. Foto: WFE

In Pergamin verpackte Lebensmittel, der in braunem Krepppapier frisch gebrühte Kaffee, die Verschlussmembran an der Nuss-Nougat-Creme, das Klarsichtfenster im Briefumschlag: Papiere aus dem erzgebirgischen Unternehmen begegnen Menschen jeden Tag. Und wer in Familienfotoalben blättert, hat auch Papier aus dem Traditionsbetrieb in der Hand. Die hochwertig gemusterten, transparenten Zwischenseiten sind im digitalen Zeitalter weniger geworden. Heute findet man geprägtes Pergamin vorrangig in edlen Pralinen- und Schokoladenverpackungen.
300 Jahre benötigt Plastik zum Verrotten, Papier bleibt konsequent im Kreislauf des modernen Lebens. „Es funktioniert nicht in jedem Fall, aber es sprechen einige Dinge dafür, Papier gegen Kunststoff zu tauschen“, erklärt Sabine Karl, Vertriebschefin der GRÜNPERGA Papier GmbH. Ein Fakt, der aktueller denn je ist: Krankheitserregende Keime bleiben auf Papier 24 Stunden aktiv. Das klingt viel, dennoch überleben sie, so sagen Studien, auf Kunststoff dreimal so lang.
Das Hauptargument für Papier ist aber wohl, dass es sich um ein reines Naturprodukt aus Pflanzenfasern und Wasser handelt. Vor allem deshalb tun sich für Papier neue Wege auf: um den wachsenden Müllbergen den Garaus zu machen. Die Expertise von GRÜNPERGA liegt in der Herstellung von transparenten, fettdichten und gekreppten Spezialpapieren – unbedenklich für Lebensmittel, biologisch abbaubar und kompostierbar. Das für den Produktionsweg benötigte Wasser fließt sauber in die Natur zurück. „Die Menschen konsumieren bewusster, die Welt verlangt nach einem Mehr an ökologischen Materialien“, weiß Sabine Karl.
Papier ist kein Alleskönner, kann aber manche Zerreißprobe bestehen und mit Kunststoff mithalten. Immer häufiger werden Wurst und Käse wieder in Papier verpackt, Blumen in nassfeste Spezialpapiere gewickelt. Und sogar Hersteller von Pkw steigen auf das Naturprodukt um, um den fabrikneuen Autos eine Schutzschicht aus besonderen Papieren zu geben – statt Plastik. „Papier erfüllt nicht alle Eigenschaften von Kunststoff, gerade im Bereich schnell verderblicher Lebensmittel. Aber das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, es steckt noch viel Potenzial für Innovationen drin“, betont Sabine Karl. Und zumindest für alle nicht verderblichen Lebensmittel sollte Papier in Zukunft als alternative Lösung zur Verfügung stehen. Nicht nur, um dem Kunden ein gutes Gefühl beim Auspacken zu geben, sondern auch mit dem Griff zur ökologisch wertvolleren Verpackung, der Umwelt etwas Gutes zu tun.

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