„Pferdefuß kommt noch“

Die DPFA folgt in ihrem medienpädagogischen Konzept der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ des Medienpädagogischen Manifests. Hier im Physikunterricht in der sechsten Klasse bei Roman Leitsmann eignet sich eine digitale Tafel in Verbindung mit ganz normalen Schreibheften bestens. Foto: Alice Jagals

Sachsen/ Landkreis. So ein Laptop im Unterricht – das ist schon was Feines. Vor allem Schüler dürften von der Idee begeistert sein. In vielen Schulen gibt es bereits eine digitale Ausstattung. Allerdings ist die oft begrenzt und die Nutzung muss innerhalb der Schule koordiniert werden.

Als erstes Flächenland hat Sachsen Mitte Mai dieses Jahres eine Förderrichtlinie zur Umsetzung des Programms DigitalPakt Schule vorgelegt. Damit können Schulträger ab Juni Fördermittel beantragen. Insgesamt stehen den Schulen 250 Millionen Euro bis 2024 für die digitale Ausstattung zur Verfügung. Gefördert werden vorrangig die digitale Infrastruktur in Schulen, wie Verkabelung, Schulserver oder WLAN-Netzwerke. Aber auch die Anschaffung von interaktiven Tafeln, Displays oder von Laptops, Notebooks und Tablets wird unterstützt. So heißt es zumindest in einer Mitteilung des Kultusministeriums.

Freude über den Batzen Geld für die Digitalisierung an Sachsens Schulen ist durchaus vorhanden. Etwa zwei Wochen nach Verkündung durch das Kultusministerium, dürfen seit Anfang Juni kräftig Fördermittelanträge geschrieben werden. Doch hier beginnt die Odyssee: Es bedarf einer genauen Abstimmung zwischen Schulen und Schulträgern und einen, der Ahnung von der Materie hat.

„Wir bewerten das bürokratische Verfahren kritisch und befürchten eine Kostensteigerung bei den digitalen Endgeräten. Zudem müssen wir als Schulträger zukünftig die Kosten für EDV-Support und Wartung aus Eigenmitteln finanzieren“, sagt Mathias Merz, Pressesprecher der Stadt Zwickau.

So sieht es auch Steffen Scholz. Grundlegend bewertet der Informatik- und Mathematiklehrer der Leubnitzer Oberschule das Vorhaben gut. „Aber es ist nur halb zu Ende gedacht. Der Pferdefuß kommt in fünf Jahren“, sagt der 51-Jährige. „Der große Kostenfaktor, nämlich der Erhalt und die Wartung der Geräte sind nicht bedacht. Da sind die Leidtragenden die Städte und Gemeinden.“

20 Laptops und 45 PCs sowie zwei Computer-Kabinette sind in der Schule vorhanden. Sogar drei interaktive Tafeln stehen zur Verfügung. Ist da etwas kaputt, kümmert sich Scholz selbst darum. Es ist quasi sein Mehraufwand. Dabei ist er ja Lehrer. Für die PCs gibt es einen Wartungsvertrag. Geht aber eine interaktive Tafel kaputt, müsse man extra eine Firma ordern.
„Sinnvoll ist es, wenn jeder Schüler einen Laptop erhält, auf dem dann alle Bücher draufgeladen sind, und jeder Klassenraum eine interaktive Tafel hat, um einheitlich damit arbeiten zu können“, erklärt Scholz, der auch seine Mathevorbereitungen digital umgearbeitet hat. Die Lehrerschaft müsse natürlich ebenfalls auf den Wandel umgeschult werden.

Digitale Ausstattung: Lehrerschaft hofft auf gleiche Standards in den Klassenräumen. Foto: Alice Jagals

Beim freien Schulträger DPFA, der unter anderem in Eckersbach verschiedene Schulformen anbietet, ist man diesbezüglich einen Schritt weiter. Dort wurde eine unternehmenseigene Arbeitsgruppe „Digitalpakt“ gegründet. „Hier arbeiten unsere Experten für Fördermittelmanagement, Medienpädagogik und IT Hand in Hand“, erklärt Pressesprecherin Anne-Kathrin Findeiß. „Derzeit läuft die Bedarfsermittlung zur digitalen Infrastruktur und Technik unserer acht allgemein- und berufsbildenden Schulstandorte in ganz Sachsen. Danach erarbeiten wir zusammen mit der Personalabteilung einen Weiterbildungsplan für unsere Lehrkräfte. Ziel ist es ab August gut gerüstet in die Antragsphase einzusteigen.“

Dennoch: Hauptprobleme bleiben die Finanzierung der Wartungsarbeiten und dementsprechend auch die Neuanschaffung von Laptops nach etwa fünf bis sechs Jahren, sowie die schulinterne Netzwerkstruktur und die anliegenden Bandbreiten von den einzelnen Schulstandorten. aj

 

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