Pfleger-Outfit statt Business-Anzug: Frank Müller-Rosentritt begeht Praxistag im Pflegeheim

Nicht nur zur Unterhaltung der Senioren packte Frank Müller-Rosentritt mit an. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Pfleger-Outfit statt Business-Anzug hieß es heute für Frank Müller-Rosentritt. Der Chemnitzer FDP-Bundestagsabgeordnete absolvierte auf eigenen Wunsch einen Praxistag im SenVital Senioren- und Pflegezentrum Chemnitz Niklasberg. „Ich finde, um bei solchen Themen mitreden zu können, muss man sich vor Ort selbst ein Bild machen“, nannte der sonst eher für Außenpolitik zuständige 36-Jährige seine Gründe.

Auch den Bewohnern stand er hilfsbereit zur Seite. Foto: Büro FMR

Neben einem umfangreichen Gespräch mit SenVital-Einrichtungsleiter Jörg Petzold standen für den Berufspolitiker auch viele Einblicke in die Praxis auf dem Themenplan. „Er hat teilweise auch Aufgaben einer Pflegekraft ausgeführt“, so Petzold.

Müller-Rosentritt zeigte sich nach seinem Einsatz beeindruckt und will  Lust machen auf die Arbeit: „Die Leute müssen Bock haben, in die Pflege zu gehen“, sagte er im Gespräch mit WochenENDspiegel. Wichtig sei, dass der Beruf eine große Wertschätzung erfahre.

Was ihn überraschte: : „Pflege ist mehr als nur Körperpflege“. So verbringen insbesondere die Wohnbereichsleiter sehr viel Zeit auch am Computer und in dem Management des Bereichsalltages, wie z.B. die Absprachen mit Ärzten und Organisation von Terminen. Auch die anderen Pflegefachkräfte sind ein bis anderthalb Stunden pro Tag vor dem PC.

„Das macht den Beruf aufgrund der Abwechlsung auch attraktiv“, glaubt Müller-Rosentritt. Allerdings wünschte er, es wäre mehr Zeit für die Arbeit direkt mit den Menschen zur Verfügung. Um das zu erreichen schlägt er eine verstärkte Digitalisierung vor. So könnten aus seiner Sicht beispielsweise Dokumentationsvorgänge per Tablet direkt im Zimmer der Bewohner durchgeführt werden.

Um dem Mangel an Pflegekräften entgegen zu wirken, müsse auch dringend an dem Zuwanderungsgesetzen gearbeitet werden. Es gebe viele abgelehnte Asylbewerber – zu diesen zählen auch Kriegsflüchtlinge, die in ihrer Heimat keine persönliche Verfolgung fürchten müssen -, die aber sehr gern arbeiten würden. „Ich finde, jeder der in Deutschland arbeiten und sein Geld selbst verdienen möchte, sollte das tun dürfen“, so Frank Müller-Rosentritt.

Einrichtungsleiter Jörg Petzold (r.) freute sich über das Interesse seines Gastes. Foto: Cindy Haase

Gute Erfahrungen mit geflüchteten Menschen hat auch Einrichtungsleiter Jörg Petzold gemacht. „Wir haben aktuell drei angestellt und ab Oktober werden es fünf sein“, verdeutlicht er. Seine Angst sei, dass die engagierten und arbeitswilligen Leute irgendwann in ihre Heimatländer zurück geschickt würden. Insgesamt arbeiten im SenVital Chemnitz Niklasberg 160 Menschen, davon 90 in der Pflege. Sie kümmern sich um 186 Gäste, wie die Bewohner der Einrichtung hier heißen.

Ein offenes Ohr fand Jörg Petzold bei Frank Müller-Rosentritt auch in der Kritik an der Generalistik. Diese neue Art der Ausbildung soll ab 1. Januar 2020 starten und dann die drei Berufe Krankenpfleger/in, Pflegefachkraft und Kinderkrankenpfleger/in in einem Berufsbild zusammenfassen. „Der falsche Weg“, sind sich FDP-Politiker und Einrichtungsleiter einig.

Jobs in Deiner Region

Facebook