Polizei bittet: “Betrügen” Sie Ihre Oma!

Immer öfter werden Senioren von Betrügern am Telefon um Ihre Ersparnisse gebracht. Jetzt hofft die Polizei auf die aktive Mithilfe der Angehörigen, bittet: “Betrügen” Sie Ihre Oma! Foto: pixabay.com

Wer nicht hören will….

Von Sven Günther
Region. Wie oft habe ich in verschiedenen Zeitungen diese Sätze wohl schon geschrieben?

Geben Sie am Telefon keine persönlichen Daten bekannt!
Kein Mitarbeiter eine Bank fragt am Telefon nach einer Geheimzahl!
Zahlen Sie Fremden kein Geld aus!
Behörden verlangen keine persönlichen Auskünfte am Telefon!
Vergewissern Sie sich per Rückruf von der Identität des Anrufers!

Fest steht. Seit Jahren versucht die Polizei über die Medien insbesondere ältere Menschen vor Betrügern zu schützen. Ohne durchschlagenden Erfolg!

Kathlen Zink, Vize-Pressesprecherin des LKA in Dresden: “Wir sprechen von Call-Center-Betrug, stoßen immer wieder auf neue Maschen, die angewendet werden, um an Daten und Geld von Opfern zu kommen. Es ist Bandenkriminalität, die Anrufe kommen oft aus Zentralen in der Türkei.”
Dabei gibt es neben dem klassischen Enkeltrick unterschiedlichste Maschen. Die Ganoven gaukeln Rentnern vor, sie seien Polizisten, Mitarbeiter des Staatsanwaltes oder Angestellte einer Bank. Gezielt suchen sie um Telefon nach älter klingenden Vornamen.

Zuletzt tauchten falsche Microsoft-Experten auf, die Software anboten, mit der sie dann die Daten der Opfer auslesen konnten. Einmal an Betrüger übergebenes Geld wird den Geschädigten durch die Banken in aller Regel auch nicht ersetzt.

Jetzt wendet die Polizei eine neue Taktik an: Sie verbündet sich mit den Angehörigen und bittet diese: “Betrügen” Sie Ihre Oma!

Andrzej Rydzik erklärt: “Es geht darum, derartige Betrugsanrufe mit den Angehörigen durchzuspielen, um vermittelte Verhaltensweisen zu festigen.”

Der Gedanke dahinter: Wenn ein Senior erst einmal in eine falsche Falle getappt ist, die von einem Angehörigen, gestellt wurde, fällte er nicht mehr auf die Tricks der Halunken herein. Wer nicht hören will, muss fühlen…

Diese weiteren Ratschläge hat die Polizei für die Angehörigen:

Informieren Sie sich selbst über die Betrugsform des Enkeltricks und weiteren vergleichbaren Betrügereien, bei denen die Täter an das Ersparte Ihrer Angehörigen wollen! Geeignete Informationen sind beispielsweise auf der Homepage der Polizei Sachsen unter https://www.polizei.sachsen.de/de/23179.htm zu finden.

Nehmen Sie die Problematik nicht auf die leichte Schulter! Die Annahme „Meinen Eltern und Großeltern passiert so etwas nicht“ kann falsch sein.

Sprechen Sie offen mit Ihren Angehörigen über geeignete Verhaltensweisen, wenn sich die äußerst wortgewandten und vor allem geschickten Betrüger am Telefon melden!

Helfen Sie Ihren Angehörigen dabei, den Vornamen im Telefonbucheintrag abkürzen zu lassen! Damit entziehen Sie den Tätern die Grundlage, auf Ihre Angehörigen aufmerksam zu werden.

Bestärken Sie Ihre Angehörigen darin, einfach aufzulegen, wenn ein Anruf verdächtig erscheint! Anschließend sollte die Polizei (Notruf: 110) verständigt werden.

Hinterlassen Sie bei Ihren Angehörigen Ihre Erreichbarkeit (privat und dienstlich)! So kann im Zweifel mit Ihnen umgehend Rücksprache gehalten werden.

Wenn Angehörige Opfer derartiger Betrugsstraftaten geworden sind, unterstützen Sie Ihre Verwandten dabei, Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten!

Mehrere Geldinstitute verfügen ebenso über Informationsmaterial, welches über den Enkeltrick und weitere vergleichbare Betrugsformen sowie die Folgen aufklärt.

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