Projekt sauberes Bergbau-Abwasser

Das Wasserrad in der Zinngrube Ehrenfriedersdorf. Foto: D.Scheffel/TVE

Pilotprojekt startet in Zinngrube Ehrenfriedersdorf

Von Sven Günther
Ehrenfriedersdorf. Das Wasser ist glasklar, auf den ersten Blick sauber und plätschert millionenkubikmeterweise aus der Zinngrube in Ehrenfriedersdorf in Richtung Elbe und Nordsee. Wenn man dort – rund 700 Kilometer vom Erzgebirge entfernt – die Wasserwerte misst, stellt man fest, dass vier Prozent des Arsens im Hamburger Elbwasser aus der Grube in Ehrenfriedersdorf stammen.

Obwohl das Wasser sauber aussieht, ist es kontaminiert. Neben Eisen, Fluorid und Sulfat belastet die stillgelegte Zinnerzgrube die Umwelt jährlich mit etwa 1,2 Tonnen Arsen-Verbindungen. Dazu werden jährlich rund acht Tonnen Fluoride ausgespült. Seit Jahren verzeichnet die Gemeinde Ehrenfriedersdorf einen hohen Arsen-Gehalt in ihren Klärschlämmen, die daher als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Forscher des Fraunhofer IKTS (Institut für Keramische Technologien und Systeme) wollen das ändern, sie erproben in Ehrenfriedersdorf ein elektrochemisches Verfahren, mit dem das Arsen und weitere Schadstoffe aus dem Wasser gelöst werden sollen. „Diese elektrochemischen Technologien standen bisher im Ruf, zu teuer zu sein. Wir wollen den Beweis antreten, dass dem nicht so ist«, erklärt Hans-Jürgen Friedrich, Projektkoordinator und Gruppenleiter am Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS. Die Kosten für die auf zwei Jahre angelegten Tests liegen bei einer Million Euro.

Ein Vorhaben mit weltweiter Bedeutung. „Bergbau hinterlässt einen großen ökologischen Fußabdruck im Wasserhaushalt der Erde“, betont Hans-Jürgen Friedrich. „Wir hoffen, dass unser Projekt dabei hilft, die Akzeptanz und die Umweltbilanz von Bergbau wieder zu verbessern.“

Das wichtigste Ziel der Pilottests ist es, das kontaminierte Grubenwasser so aufzubereiten, dass es als Brauchwasser genutzt werden kann. Silke Franzl, Bürgermeisterin der Gemeinde Ehrenfriedersdorf: „Die Menschen in Ehrenfriedersdorf und Umgebung hoffen auf Innovationen, die für sauberes Wasser sorgen. Der Fokus liegt für uns auf dem Wunsch, die Schadstoffe aus den Bergbauwässern und Böden zu entfernen, um die negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt, aber auch die enormen finanziellen Aufwendungen zu minimieren.“

Ein Faktor der Kostenminimierung ist, die extrahierten Schadstoffe aufzubereiten. So könnten die Fluoride zu Flussspat, einem wichtigen Grundstoff für die Metall- oder Glasindustrie, weiterverarbeitet werden. Aus anderen Elementen im Wasser ließen sich einige hundert Tonnen Ammoniumsulfat-Dünger pro Jahr erzeugen. Das Projektkonsortium wird ebenfalls untersuchen, inwieweit sich strategische Rohstoffe wie Lithium, Indium oder Tellur gewinnen lassen.

 

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