Rallye-Saison mit Kulisse oder gar nicht

Der Knackpunkt der AvD-Sachsen-Rallye wird in jeder Hinsicht in Corona-Zeiten der zu händelnde starke Publikumszustrom beim Stadtkurs an der „Glück auf“-Brücke sein. Foto: udhe

Zwickau. Mittlerweile scheint Konsens zu herrschen: Egal welcher Sport, jeder braucht seine Kulisse. Wettbewerbe ohne Zuschauer sind wie Suppe ohne Salz. Bedenken gibt es bei Disziplinen, wo der Akteur volle Aufmerksamkeit auf sein Sportgerät lenken muss. Er bekäme vom begeisternden Trubel auf den Rängen deshalb weniger mit. Darum will die Formel I wohl auch einen Geisterstart mit einem Doppelrennen am Red-Bull-Ring in Spielberg wagen. Hingegen ist der MotoGP Sachsenring für dieses Jahr abgesagt. Bleibt aber noch die 2020er Rallyesaison.

Die Deutsche Rallyemeisterschaft (DRM) und die Rallye-Masters (RM) sind inzwischen von sieben auf vier Rennen geschrumpft. Wobei der Start im Saarland (21./22. August) noch auf eine Sondergenehmigung wartet. „Der ADAC hat keine Mindestanzahl gesetzt. Aber vier Rennen wären schon gut, um einen Titel zu vergeben“, meint Michael Görlich, Organisator der AvD-Sachsen-Rallye. Er ist allerdings gegen Geister-Rallyes. Diesbezüglich sieht der Rallyeleiter für die vom 3. bis 5. September avisierten AvD noch ein „Brücken-Problem“: „Der für Deutschland einmalige und faszinierende Innenstadtkurs an der Glück-auf-Brücke könnte gar nicht mit den derzeit geltenden Abstandsregelungen realisiert werden. Und wer will die Geister kontrollieren, die dann irgendwo in Wald und Flur dem Ereignis trotz Verbots beiwohnen würden? Der Rallyesport lebt von den Zuschauern. Also entweder richtig oder gar nicht!“ Görlich ergänzt optimistisch: „Bis dahin sind’s noch einige Wochen!“

Einer Rallye-Abstinenz in 2020 stimmt auch der zweifache Deutsche Rallyemeister Ruben Zeltner zu, als dass ohne Publikum gefahren wird. „Wer trägt die Verantwortung, wenn bei Geisterrennen irgendwo auf der Strecke etwas passiert?! Zur Not könnte der Serviceraum abgesperrt werden. Aber auch dieser Teil der Rallye lebt von den Zaungästen. Zeltner würde sowieso nur Asphalt-Rallyes fahren. Er bleibe seinem bereits im Vorjahr verkündetem Motto treu: „Ich fahre nur noch aus Spaß am Rallyesport. Problemloser sieht’s bei mir im Cockpit aus. Da hab ich’s super getroffen. Schließlich sitzt da meine Frau Petra auf dem Co.“

Auch sonst dürfte es bei den Crews keine größeren Probleme geben. „An jedem Rad ein Schrauber, da sind die Mindestabstände gewahrt“, will allerdings auch Julius Tannert nicht ohne Kulisse auf den Wertungsprüfungen unterwegs sein. Der Lichtentanner verweist hingegen auf die internationalen Reisebestimmungen. „Bei der AvD waren immerhin auch Teams aus Frankreich, Großbritannien, Finnland, Schweden und der Tschechei am Start. Da wird’s mit den derzeitig geltenden Quarantäne-Regelungen schwierig. Und es bleibt die wohl alles entscheidende Frage: Haben die Sponsoren den Lockdown überlebt. Sind sie ’flüssig genug‘, die Teams weiterhin zu unterstützen?“

Der DRM-Dritte des Vorjahres, der Plauener Philip Geipel, sieht das alles ähnlich. „Wenn gefahren werden darf, wird es ein entsprechend gutes und sicheres Konzept geben. Bis zum jetzt geplanten Start der Meisterschaft sind es noch gut vier Monate. Da fließt noch viel Wasser die Mulde und die Weiße Elster runter.“ Dabei denkt Geipel insbesondere an die Vogtland-WP der diesjährigen AvD-Rallye und vertritt ebenso den klaren Standpunkt: „Entweder es ist mit Kulisse möglich oder gar nicht! Und ganz ehrlich: Es gibt derzeit, und wenn es zur AvD nicht erlaubt sein sollte, Wichtigeres, als Rallye.“

Schon mal hinterm Lenkrad gesessen und um Punkte gefahren ist heuer Jan Horlbeck. Der Netzschkauer holte im Kampf um den ADMV-Pokal bei der Fontane-Rallye am 14. März Platz sechs. „Eigentlich fahren wir nur spontan in der Region. Da sind die Osterburg, Grünhain, Zwickauer Land und Thüringen bereits teilweise gecancelt. Unser Ford Fiesta R2 ist fahrbereit. Wir warten auf das Go – aber bitte nur mit Zuschauern an der Strecke. Alles andere ist ein Witz! Und wenn’s dazu kein entsprechendes Sicherheitskonzept geben sollte, dann war´s das leider mit Rallyesport im Jahr 2020. So traurig das auch für die Crews und die vielen Fans sein sollte. Die bleiben uns auch für 2021 treu.“ tsc

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