Ratgeber: Anhaltende Trockenheit: Was Gartenbesitzer tun sollen

Hitze und Trockenheit setzen auch unseren Gärten herb zu. Grund genug, auch für mehr als die Gemüseernte Maßnahmen zu ergreifen. Foto: fotolia.com © K.-U. Häßler

Es ist trocken in unserer Region. So trocken, dass die TU Dresden bereits im vergangenen Jahr ein noch laufendes Forschungsprojekt startete, das noch bis in den September läuft. So trocken, dass in unserer Region seit dem 20. Juli die private Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen mit Pumpen streng verboten ist. So trocken, dass unsere Landwirte bereits das Schlimmste befürchten.

Angesichts derartiger Hiobsbotschaften mutet das, was normale Hobbygärtner gerade durchleben, fast schon harmlos an. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Denn mitnichten sind nur Salat und Co. bedroht, sondern tatsächlich auch ein enorm wichtiger Mikro-Beitrag zur gesamten „grünen Lunge“ Sachsens. Jeder private Grashalm, jeder Forsythienbusch ist Teil eines großen Ganzen.

Doch was kann man jetzt noch tun, um die private Ernte sowie alles, was dort kreucht und fleucht und grünt zu schützen?

  1. Regenwasser sammeln

Ohne Wasser von oben geht es im Garten nicht. Allerdings wäre man schlecht beraten, den Hahn als Ersatz herzunehmen: Schon jetzt sind Sachsens Grundwasserstände besorgniserregend niedrig.

Nein, was man stattdessen tun sollte, ist, sich Wassertanks zu besorgen – die bekannten IBC-Tanks sind bestens geeignet. Zwei, drei Stück, die man verbindet und an die Regenrinnen von Haus, Garage und Co. anschließt, statt deren Ergiebigkeit der Kanalisation zu überantworten.

Das hat den Vorteil, dass selbst bei geringen Schauern große Mengen zusammenkommen. Zudem: meldet man das ans Amt, zahlt man weniger Abwassergebühr.

  1. Durchdacht gießen

    Für ihr Volumen sind IBC-Tanks sehr günstig. Allerdings sollte man sie zum Schutz vor UV-Strahlung (Algenbildung) lichtundurchlässig verkleiden. Foto: fotolia.com © Animaflora PicsStock

Auch wenn unsere hiesigen Pflanzen alles andere als an die aktuellen Hitze- und Dürrewerte angepasst sind, können sie doch einiges mitmachen. Das kann man nutzen:

  1. Selbst bei großer Hitze nur jeden zweiten Tag gießen. Sonst gewöhnen sich die Pflanzen und verdorren rascher, sobald man es mal vergisst.
  2. Grundsätzlich morgens gießen, idealerweise zwischen drei und vier (Zeitschaltuhr). Umso kühler ist der Boden und ein Großteil des Wassers kann eindringen, bevor die Hitze es verdunsten lässt. Angenehmer Nebeneffekt: Wenn abends/nachts Schnecken herauskommen, finden sie es ob des trockenen Erdreichs weit weniger einladend.
  3. Direkt am Boden gießen, keinen Umweg über die Blätter nehmen. Sonst wirken die Tropfen wie ein Brennglas.

Kurios, aber richtig: Nach kurzen Regenschauern bzw. Gewittern sollte man ebenfalls die Pumpe anwerfen. Dann ist die Luftfeuchtigkeit hoch, Pflanzen nehmen Wasser besser auf, bekommen ohne das Gießen aber nicht genug, weil der Boden unterhalb weniger Zentimeter noch staubtrocken ist.

  1. Insekten bekämpfen

Eigentlich sollte man glauben, dass die Trockenheit sämtlichen tierischen Gartenbewohnern zusetzt und man deshalb speziell von den Plagegeistern unter ihnen verschont bleibt. Leider ist dem aber nicht so.

Tatsächlich ist die Dürre nur für Schnecken ein größeres Problem; anderen Insekten macht sie wenig bis nichts aus. Vor allem der Ameise. Doch nicht nur, dass diese trotz Regenmangel munter weitermacht, sie wird gerade wegen der Trockenheit zur besonderen Gärtnerplage.

Das liegt daran, dass Ameisen bevorzugt Blattläuse verspeisen, sie sogar regelrecht züchten. Und damit dieser „Lebendvorrat“ gut durch den Sommer kommt, übersiedeln die Ameisen die Larven sogar auf Gemüsepflanzen, damit sie sich an deren Wassergehalt laben können. Wenn man die verräterischen Spalten der Nesteingänge im Boden entdeckt oder gar schon die Blattläuse auf Tomaten und Co. sitzen, muss man rasch handeln und die Plagegeister nachhaltig bekämpfen.

Dazu eignen sich Duftstoffe wie Zimt und Lavendel ebenso, wie man einen mit Holzwolle befüllten Blumentopf ins Beet stellen kann. In den ziehen die Ameisen ein und man kann ihn weit vom Beet entfernen – die Blattläuse entfernt man dann auf herkömmliche Art mit Seifenlauge, die man auf die Pflanzen sprüht.

Wenn das Grün zum Braun wird, trägt der Gärtner oft eine Mitschuld durch zu häufiges Mähen. Etwas Wildwuchs schützt den Rasen wesentlich besser. Foto: fotolia.com © fotoduets

  1. Gekonnt mähen

Rasenbesitzer werden festgestellt haben, dass ihr Grün derzeit nicht nur eher ins Braun tendiert, sondern auch kaum wächst.

Kein Wunder, hiesige Rasensorten stellen jenseits der 30°C das Wachstum ein. Doch schon zuvor sollte man nicht den Rasenmäher rollen lassen: Je kürzer der Rasen, desto weniger sind seine Wurzeln vor Sonnenlicht und Hitze geschützt. Er wird also viel schneller braun.

Wenn nun mal wieder ein Schauer kommt und der Rasen danach „explodieren“ will, lassen Sie ihn, umso besser verdaut er die weiteren Wochen.

Wichtig: Robotermäher bitte keinesfalls nachts laufen lassen. Dann sind u.a. Igel unterwegs,  die immer wieder zum Opfer werden, da sie unter die Klingen geraten.

  1. Pflanzen schützen

Vor allem zarte Gewächse, die keine üppigen Wurzeln haben, lassen dieser Tage enorm schnell die Köpfe hängen und verlangen andauernd die Gießkanne. Etwas einfacher kann man es sich machen, wenn man den Boden rings um das Gewächs üppig mit Rasen- oder ähnlichem Mulch abdeckt. Der wirkt wie eine Dämmmatte, hält die Bodenkühle länger und speichert auch noch Wasser.

  1. Tiefwurzler setzen

Es steht zu befürchten, dass die diesjährige Trockenperiode nicht die letzte sein wird. Und wenn Pflanzen das Zeug haben, auch künftige Perioden vergleichsweise gut zu überstehen, dann sogenannte Tiefwurzler. Dazu zählt der Walnussbaum ebenso wie Sanddorn und Tausendblütenstrauch.

Auch

  • Löwenzahn
  • Eibe
  • Skabiosen-Flockenblume
  • Wacholder
  • Kornblume
  • Ballonblume

sind als Pfahlwurzler ähnliche „Tiefgänger“, die auch bei starker Dürre noch Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen können. Sie sollte man künftig bevorzugt setzen.

  1. Tiere ernähren

Flache Blumentopf-Untersetzer, gegen Umkippen gern aus Steingut, sind die beste, sichere Getränkequelle für Igel, Spatz und Co. Foto: fotolia.com © Hans-Joerg Hellwig

Einer der maßgeblichsten Gründe, warum private Gärten fürs Ökosystem so wichtig sind, ist, dass sie Heimat für zahllose Tier- und Insektenarten sind. Bloß leiden die derzeit ganz enorm, weil sie alle kaum Wasser finden und viele auch keine Nahrung.

Was man jetzt tun kann:

  • An schattigen Stellen flache Schälchen (etwa Blumentopf-Untersetzer, die sind schön schwer) auf den Boden stellen oder halb eingraben und mit täglich frischem Wasser füllen – keine Eimer oder Tupperdosen. Wenn die halbleer sind, werden sie zur Todesfalle.
  • In Regentonnen und IBC-Tanks lange Äste/Besenstiele o.Ä. hineinstellen, damit Tiere sicher trinken und wieder hinausklettern können.
  • Ebenfalls an schattigen Stellen Futter bereitstellen. Kleingeschnittene Möhren sowie andere Gemüse- und Fruchtsorten, Nüsse, Haferflocken. Das mögen zwischen Eichhörnchen und Vögel alle Tiere.

Wer übrigens Spuren für einen Igel im Garten entdeckt, kann dem Stachelkameraden auch etwas Gutes tun, indem er abends einen Esslöffel voll angebratenem, ungewürztem Hackfleisch auf ein Tellerchen legt. Ist es morgens weg, darf man sicher sein, einen dankbaren Abnehmer zu haben.

Gewinnspiele
Facebook
Facebook By Weblizar Powered By Weblizar