Region geht das Holz aus

Die Preise für Baustoff bewegen sich derzeit stark nach oben. Das hat auch Auswirkungen auf die Bauunternehmen der Region. Foto: pixabay.com

Über leere Auftragsbücher können sich Unternehmen  in der Baubranche derzeit nicht beschweren. Doch eine Baustelle ohne entsprechendes Baumaterial bleibt eine Baustelle. Ein Bild, das sich inzwischen auch in der Region abzeichnet. Denn: Von den Herstellern zugesagte Baustoffe können aktuell nur teilweise bis gar nicht geliefert werden. Ein Problem, das auch viele Handwerksunternehmen in und um Chemnitz  plagt. Schuld daran sind explodierende Baupreise und Lieferprobleme im Bau- und Ausbaugewerbe. Insbesondere Dämmmaterialien, aber auch verschiedene Hölzer, Farben oder Metalle sind nur noch schwer erhältlich und haben sich gleichzeitig verteuert.

Aktuellstes Beispiel: Sachsens derzeit größte Baustelle, die zukünftige Justizvollzugsanstalt Zwickau. Das Gemeinschaftsprojekt vom Freistaat Thüringen und Sachsen nehme zwar inzwischen Gestalt an, doch für welchen Preis? Denn was sich zeigt am momentanen Bauerfolg sind schrumpfende Geldbeutel. Bisher genehmigte finanzielle Mittel würden nicht ausreichen, heißt es von den Verantwortlichen, um das Projekt im geplanten Umfang realisieren zu können.

Ursächlich dafür seien der gestiegene Baupreisindex und eine anhaltend gute Baukonjunktur, die zu hohen Marktpreisen führt. Liefer- und Personalengpässe in Folge der Corona-Pandemie hätten zudem unerwartete Preisaufschläge mit sich gebracht. Neue gesetzliche Vorgaben und geänderte Rahmenbedingungen aufgrund der 2018 mangels Angeboten nicht zustande gekommenen Vergabe an einen Generalunternehmer machten zudem planerische und bauliche Anpassungen erforderlich. In Summe steigen die Gesamtbaukosten von zuletzt 174 Millionen Euro nunmehr auf aktuell insgesamt rund 235 Millionen Euro an.

Probleme, die neben Häuslebauer derzeit auch viele Handwerksbetriebe beklagen müssen. Zahlreiche von ihnen fürchten um ihre laufenden oder neu abzuschließenden Vertragsverhältnisse.
Bauablaufstörungen aufgrund von Lieferschwierigkeiten und Marktpreiserhöhungen seien laut Handwerkskammer Chemnitz die Folge.

Genau wie bei Holz bewegen sich die Preise für Stahl, Roheisen und Bitumen laut Bauindustrieverband Ost ebenfalls weit nach oben. Innerhalb eines Jahres sind die Kosten für Roheisen und Stahl per März um 17,5 Prozent gestiegen, die Preise für Kupfer liegen um ein Fünftel über dem Vorjahr; Dämmstoffe haben sich um fünf Prozent verteuert.

„Gerade bei lang laufenden Bauprojekten führt diese Entwicklung zu großen Problemen in den Bauunternehmen, wenn noch zu wesentlich niedrigeren Preisen kalkuliert wurde und diese Kosten nicht weitergegeben werden können“, erklärt Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost e.V.

Deshalb fordert der Verband die Auftraggeber auf, sogenannte Stoffpreisgleitklauseln zu vereinbaren, um bei etwaigen Kostensteigerungen einen gerechten Ausgleich zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern zu erreichen.

Hintergrund für die Lage ist der weltweite Markt für Produkte im Baugewerbe. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden 2020 die Produktionskapazitäten für die verschiedenen Baustoffe gesenkt. Die Nachfrage – insbesondere in China – sei aber trotz der Krise weiterhin hoch. Auch in Deutschland liegt die Bautätigkeit weiter auf einem hohen Niveau. Die weltweite Nachfrage übersteigt dabei aber die Produktionskapazitäten deutlich, so dass ein Mangel entsteht bzw. sich die wenigen verfügbaren Produkte entsprechend verteuern.

Hinzu kommen Kurzarbeit in produzierenden Betrieben oder Quarantäne-Maßnahmen. Diese würden, so die Handwerkskammer Chemnitz, die Situation in den Betrieben zusätzlich verschlimmern. „Für die Betriebe, die ohnehin schon aufgrund der Corona-Pandemie finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, wird sich die wirtschaftliche Situation damit weiter verschärfen.“

 

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