Rettung für den Chemnitzer Kaufhof

Die Mitarbeiter im Kaufhof Chemnitz können aufatmen. Das Warenhaus in der City soll nun doch erhalten bleiben. Nach Zugeständnissen der Vermieter will der Konzern sechs Filialen weniger schließen als ursprünglich geplant. Das teilte am Freitag der Vorsitzende der Geschäftsführung Miguel Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief mit. Offen bleiben nach ersten Informationen folgende Standorte: Chemnitz, Dortmund, Leverkusen, Nürnberg und Potsdam.

Es seien schwierige Verhandlungen gewesen, wie Müllenbach sagt. Aber für die sechs Standorte gebe es wieder eine Zukunftsperspektive. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konnten so angepasst werden, dass die Filialen weiter bestehen können.

Auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig erreichte bereits die Nachricht: „Ich freue mich aus tiefstem Herzen für die Stadt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass die Galeria Kaufhof in Chemnitz eine Zukunft hat. Diese Entscheidung ist weiter Ansporn, als Stadt unseren Beitrag für eine lebendige Innenstadt, die viele Chemnitzer und Gäste anlockt, zu leisten. „Kämpfen lohnt sich!“ Das ist ein Motto unserer Kulturhauptstadt-Bewerbung. Das stimmt! Mein Dank gilt den Beschäftigten, allen die sich an den Unterstützungsaktionen – unter anderem der Unterschriftenaktion und der Menschenkette – beteiligt haben. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei unserem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer für seinen persönlichen Einsatz. Und vielen Dank an den Vorsitzenden der Geschäftsführung des Konzerns, Herrn Müllenbach, dass der Standort Chemnitz wieder eine Chance hat.“

Man solle sich jedoch noch nicht zu früh freuen. Denn da weitere Entscheidungen zur Sanierung des Gesamtkonzerns anstehen würden, ist aus Sicht des DGB jetzt kein Grund zum allgemeinen Jubel angebracht. Ralf Hron, DGB Regionsgeschäftsführer Südwestsachsen: „Man darf feststellen, dass die fleißige Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die sehr breite gemeinsame Unter-stützung die Konzernspitze zum Nachdenken gebracht hat. Die kommenden Monate und Jahre sind im Moment eine Chance. Es wird weiter hart an Zukunftskonzepten, auch für die Innenstadt gearbeitet werden.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Chemnitz sieht in der Entscheidung eine Chance, die Anstrengungen zur Stärkung der City gemeinsam weiter zu intensivieren. „Man hat gesehen, wie fragil das Gebilde der Chemnitzer Innenstadt noch ist. Die Drohkulisse der Kaufhof-Schließung sollte allen Verantwortungsträgern und handelnden Personen Anlass sein, die City weiter zu stärken und zu vermarkten. Dazu gehört vor allem ein langfristiges und finanziell ausreichend untersetztes Engagement der Stadt in das Citymanagement und das Citymarketing, selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Immobilieneigentümern. Aber auch bei der Stadtentwicklung muss die Stärkung des Kernbereiches der Innenstadt stets oberste Priorität haben.“

Erst vor zwei Wochen sorgte die Warenhausgruppe für Schockzustände bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Chemnitz begann man, Unterschriften zu sammeln gegen eine Schließung. Auch eine Menschenkette am vergangenen Freitag sollte den Kampfgeist der Betroffenen signalisieren. Danach folgten Gespräche zwischen dem Betriebsrat, der Stadt Chemnitz sowie der Landesregierung. Erst am Dienstag sicherte Sachsens Ministerpräsident seine volle Unterstützung zu.

Foto: Judith Hauße

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