Rufmord am Diesel: Das sagen Autohändler und ein Wissenschaftler

Im Autohaus Melzer arbeiten Automobilverkäufer Daniel Gerlach und KFZ-Mechatroniker Sebastian Haucke mit Analysetechnik an einem Diesel-Fahrzeug. Foto: oha

Region. D i e s e l…DIESEL…diesel…Selbst wenn man das Wort nur hauchend flüstert, es ändert nichts: Die einst als sauber und effizient geltende Technologie hat den Ruf eines Meuchelmörders verpasst bekommen. Verlässliche Aussagen sind Fehlanzeige. „Es ist einfach nur ein Desaster“, findet Andre Nikolaizig, Verkaufsleiter des Auto Center Chemnitz GmbH mit den Filialen Nord, Süd, Lange und Röhrsdorf.

Die Verunsicherung bei den Verbrauchern sei extrem hoch, es gebe viele Fragen. Doch so gern er und seine Kollegen den Kunden alle Fragen beantworten würden: „Es gibt leider keine wirklich klaren Informationen“, bedauert er. Im Moment sei die Euro 6 noch von möglichen zukünftigen Fahrverboten ausgenommen, doch wie das in ein paar Jahren aussehe, wisse keiner.

Auch Christian Melzer, Inhaber des Autohauses Melzer in Chemnitz, weiß: „Die Verunsicherung ist sehr groß. Es bedarf hier einer klaren Regelung durch den Staat.“ Zu stark werden auch die Themen Einfahrverbote, zu denen bei seinen Kunden die meisten Fragen auf kommen, und EA189 vermischt. Aus seiner Sicht lohne sich ein Dieselfahrzeug aber immer noch, wenn jemand mehr als 15.000 bis 20.000 Kilometer pro Jahr unterwegs ist. Das sieht auch Andre Nikolaizig so. „Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass der Dieselpreis weiter gestützt wird.“

Blättert man Zeitungen, hört man Radio oder sieht man fern, begegnet man Umweltaktivisten, die dem vormals gepriesenen Motor an den Kragen wollen. Sie fordern Fahrverbote, zitieren EU-Studien, in denen von tausenden Toten durch Diesel-Manipulationen die Rede ist! Professor Dr. Thomas  Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und von 2003 bis 2013 bei Daimler in der Entwicklung von inzwischen ausgezeichneten Nutzfahrzeugmotoren tätig, nimmt seit Beginn der Debatte eine klare Gegenposition ein!

Professor Dr. Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Foto: KIT

Der Wissenschaftler sagt dem WochenENDspiegel: „Wenn man es rational betrachtet, ist das Abgasproblem bei Dieselmotoren technisch gelöst. Der Ausstoß von Stickoxid beträgt bei mittlerweile verbesserten, aktuellen Euro-6b-Modellen etwa 300 mg pro Kilometer, neueste Modelle der Norm Euro 6dtemp emittieren im Mittel etwa 20 bis 60 mg/km im Realbetrieb.“ Für den Wissenschaftler eine rasant-positive Entwicklung, die durch den Druck der Politik beschleunigt wurde. Laut Koch eine hoch einzuschätzende Leistung, weil die Senkung der Stickoxide technisch kompliziert ist und sich auf viele Fahrzeugparameter auswirkt.

„Natürlich sind seitens der Industrie Fehler gemacht worden, die nicht zu akzeptieren sind“, so Koch. „Aber man darf die Diesel-Technologie, die mittlerweile sehr gut beherrscht wird und die wir auch noch lange vor allem für Vielfahrer PKW und Nutzfahrzeugen benötigen werden, nicht leichtfertig kaputt machen und deren Verfechter als unvernünftig oder unglaubwürdig darstellen. Es ist auch nicht richtig, die Menschen derartig zu verunsichern, wie es aktuell der Fall ist.“

Die Diskussion um den Diesel beschäftigte letzte Woche den Landtag. Die Kernsätze der Parteien lesen Sie in einem Kasten auf dieser Seite. Im WochenENDspiegel betrachtet Prof. Dr. Thomas Koch die Problematik, ist kritisch. Der Spezialist untermauert seine Meinung mit Zahlen, wurde doch der Diesel auch für die Feinstaubthematik verantwortlich gemacht: „Aus einem partikelgefilterten Abgasstrom eines Dieselmotors kommen etwa 0,2 bis 0,5 Milligramm Partikel pro Kilometer. Der Bremsenabrieb einer Fahrradfelge verursacht im Mittel rund 2 bis 4 Milligramm pro Kilometer lungengängige Partikel!

Jeder hielte es für abwegig, deshalb ein Fahrrad-Verbot zu fordern, zumal der Gesundheitseinfluss von Partikeln kritischer gesehen wird als Stickstoffoxid.“ Ein anderer Vergleich wird im weltweit renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“ gemacht. Dort zeigt die Februarausgabe, dass die Belastung durch Alkohole, Chlorkohlenwasserstoffe oder andere Kohlenwasserstoffe in Wohnungen beispielsweise durch Lösungsmittel und Ausdünstungen zum Teil bis zu einhundertmal höher ist als im Freien. Trotzdem wird die nicht repräsentativ e NO2-Außenbelastung, die nur unmittelbar an den vielbefahrenen Straßen oberhalb des Grenzwertes liegt, als Referenz für die Umweltbelastung aufgeführt, obwohl sich der Mensch doch zu 80 bis 90 Prozent in Gebäuden aufhält.

Die Möglichkeit für Fahrverbote ist aber jetzt höchstrichterlich abgesegnet worden, für Südwestsachsen aber nicht relevant. Prof. Dr. Thomas Koch: „Die Diskussion über Fahrverbote ist im Rahmen der NO2-Grenzwertüberschreitung an den hochbelasteten Straßen entstanden. Die Werte sind dort seit über zehn Jahren im Fallen, mittlerweile deutlich, jedoch noch nicht im Ziel. Wären alle Dieselfahrzeuge auf dem Stand des Jahres 2014 mit einer NOx-optimierten EURO6b Auslegung von etwa 300mg/km, gäbe es keine Grenzwertüberschreitungen mehr. Mit dem neuesten Technologiestand EURO6dtemp beträgt der Verkehrsbeitrag nur noch einen Bruchteil des Immissionsgrenzwertes.“ Überhaupt betrifft dies nur sehr stark belastete Straßen, typischerweise mit mehr als 70.000 Fahrzeugen pro Tag und ist für Dieselfahrer in der Region kein Thema.

Insgesamt ist also die Tatsache wichtig, dass die NO2 Konzentration nur unmittelbar an den hochbelasteten Straßen im Jahresmittel erhöht ist. Dies ist noch eine Folge der dieselmotorischen Gesamtflotte bei kontinuierlich besser werdenden Werten und in wenigen Jahren mit einem vernachlässigbaren Anteil des Dieselmotors.
Bleiben die Toten durch Feinstaub und Stickoxide, die durch EU-Studien belegt sind. 38.000 Tote schreibt der FOCUS, 100.000 Tote schreibt die FAZ, von einer Million Krankheitsfällen berichtet die taz.

Doch die Zahl der Skeptiker, die sich auch öffentlich eindeutig positionieren, wächst. Dazu gehört auch Professor Dr. med Dieter Köhler. Er war von 2002 bis 2007 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, lehrte an den Universitäten Marburg und Freiburg. Auf einem Symposium zum Thema Autoabgase über das die Stuttgarter Nachrichten berichteten sagt er: „Die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide werden bewusst aufgebauscht. Die bisherigen Studien hätten allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos an vielbefahrenen Straßen festgestellt.“

Seiner Meinung nach gehe bei der Debatte um Autoabgase in Wahrheit gar nicht um die Gesundheit der Bevölkerung. Es gehe um Arbeitsplätze und Forschungsgelder. Köhler: „Diese Studien sind eine der größten Seifenblasen, die es gibt.“
Das Fazit: Frei von Ideologie betrachtet, ist das Problem der Dieselabgase technisch gelöst und in Südwestsachsen wird es keine Fahrverbote geben. Der Diesel rollt und rollt und rollt..

Das sagen Politiker zu dem Thema:

Diesel: Stimmen der Politiker

Eine Antwort auf Rufmord am Diesel: Das sagen Autohändler und ein Wissenschaftler

Facebook

Jobs in Deiner Region

Ausbildungsstellen in Deiner Region