Sachsenmeyer: Erklärungsnot

Ostern! Wie erklär ich’s meinen Enkeln? Und die wollen ja von ihrem Opa nicht veräppelt werden.

Für “Veräppeln” ist der 1.April da, aber der ist ja schon lange vorbei.

Und auch vergackeiern will ich meine Enkel nicht. Wobei der Begriff “Vergackeiern” immerhin eine Nähe zum Osterfest besitzt. Da stecken zumindest die Eier drin, eben die Gackeier!

Warum “Gackeier” so heißen, weiß ich aber auch nicht. Kommt das vielleiht von  Hochdeutsch “kacken”? Weil die Hühner sozusagen Eier kacken… also, mal grob aus der Ferne betrachtet? Oder weil die Hühner, wenn sie ein Ei legen, dabei laut und schrill gackern?

Wobei es ja insgesamt ein ganz schönes Geeier ist, wenn man das Osterfest mit allen Aspekten, die da eine Rolle spielen, seinen Enkeln erklären will.

Das heißt, ich wollte eigentlich gar nicht, aber die haben mir keine Ruhe gelassen.

Das Geeier fängt eben bereits mit den Eiern an, die zu Ostern angeblich von Osterhasen gebracht und versteckt werden. Wie kommen die Osterhasen zu den Eiern? Die Eier, oder Gackeier, werden – wie bereits erwähnt – von Hühnern gelegt, aber doch nicht von Hasen! Und wenn die Hühner ihre Eier legen, dann sind die nicht bunt angemalt! Und schon gar nicht sind sie ausgeblasen und hohl!

Aber auch was die  Hasen betrifft – da muss man doch fragen, wie die denn die Eier festhalten und transportieren wollen? Halten die die Eier zwischen Ihren Vorderpfoten und hüpfen nur noch auf den Hinterläufen?

Wenn Hasen Kängurus wären, könnte man sich den Eiertransport besser vorstellen – eben dank des Beutels, den die Kängurus am Bauch haben. Aber Hasen sind keine Kängurus und haben keinen Beutel.

Nein, das ist alles höchst unglaubwürdig und wirr. Der Verweis, dass es auch Schokoladen-Osterhasen gibt, bringt erst Recht kein Licht ins Dunkel!

Aber auch wenn man die Hasen weglässt und offen zugibt, dass Eiertransport und das Verstecken der Eier reines Menschenwerk ist, erhebt sich die Frage nach dem “warum?”.

Gut, man könnte sagen, sie werden einfach aus Schabernack versteckt. Eier wurden versteckt, um andere zu vergackeiern! Das klingt logisch.

Aber das wollten meine Enkel nicht akzeptieren. Sie hatten da was vom Jesus gehört, der da auch eine Rolle spielen soll.

Also habe ich mich auf den Jesus Christus gestürzt  und versucht, die Sache von dieser Seite her aufzudröseln.

Es ist ja auch tatsächlich so, dass Ostern ein christliches Fest ist, wo es zwei Feiertage gibt – Karfreitag und Ostermontag -, was wir nicht den Hasen und den Eiern zu verdanken haben, sondern der Kirche mit dem Jesus an der Spitze. Die Christen, wie man die Leute nennt, die an Jesus Christus glauben, feiern an Ostern die Kreuzigung von Jesus Christus. Das klingt etwas makaber, ist aber nicht so gemeint. Man feiert, weil Christus die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat und weil man weiß, dass er auch wieder auferstanden ist. Bloß, was das mit den Hasen und den Eiern zu tun hat, ist sehr rätselhaft, wenn nicht mysteriös.

Natürlich ist auch die Auferstehung von Christus sehr mysteriös, aber da konnte ich mich gegenüber meinen Enkeln damit herausreden, dass ich damals noch nicht gelebt habe und deshalb der Auferstehung nicht beiwohnen konnte.

Ich habe meinen Enkeln jedenfalls versprochen, dass sie das alles verstehen werden, wenn sie einmal groß sind. Ich bin mir nun nicht ganz sicher, ob sie mir das geglaubt haben.

Nein, ich denke, diese Vermischung der heidnischen Sagen und Legenden mit den christlichen, ist nicht sehr glücklich, wenn ich da auch beispielsweise noch an Weihnachten erinnern darf, wo es auch ein ziemliches Durcheinander gibt, was den Zusammenhang zwischen der Geburt von Jesus Christus und dem Weihnachtsmann mit Sack und Rute betrifft.

Ich würde denken, man sollte das alles endlich mal entflechten – für die Christen alles mit Christus, für die anderen, das mit Hasen und Weihnachtsmann.

Gegenüber meinen Enkeln würde ich dann jedenfalls nicht mehr so dastehen, als wäre ich ein Schwindler, oder hätte eben von Eiern und Hasen keinen Dunst.

Eduard Sachsenmeyer

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