Sachsenmeyer: Freiheit für Gepäck

Ich fahre gerne mit der Eisenbahn. Von Kindesbeinen an. Aber leider fahre ich immer seltener. Es ist alles so umständlich. Und mit Gepäck wird Zugfahren zu einer logistischen Katastrophe! Aber es steht einem frei, die Menge des Gepäcks zu bestimmen.

Die Reise beginnt dann mit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmitteln bis zum Bahnhof. Wobei bereits das Verlassen des Hauses und der Weg zur Haltestelle von Bahn oder Bus einer Expedition zum Nordpol gleichkommt.

Gut, wenn man nur zwei Gepäckstücke hat, geht es noch, aber ab vier Gepäckstücke wird es abenteuerlich. Und gemeinsam mit meiner Gudsten bringen wir es nicht selten bei einer längeren Reise ab vier Tage auf knapp ein Dutzend Gepäckstücke. Angefangen von je einer Tasche mit den Universalutensilien – von Portemonnaie, Notizbuch, Taschentüchern, Fotoapparat, Handy, Regenschirm, Lippenpomade, Bonbonschachtel, Einkaufsbeutel etc.pp. Dann die Tasche mit dem Laptop, drei Koffer mit Kleidung und Schuhwerk, ein Kleiderbeutel mit Kleidung für jeden Anlass und jedes Klima, ein Beutel mit Kopfkissen – meine Gudste braucht ihr gewohntes Kopfkissen, sonst kann sie nicht schlafen. Dann eine Kühlbox mit dem Reiseproviant. Das Klappfahrrad. Dann die Strandutensilien – Sonnenschirm, Campingstühle, Campingtisch, Windschutz, Liegematte… ich glaube, es reicht!

Es ist unmöglich, alles bis zum Bahnhof und dann in einen Zug hinein zu bugsieren. Man könnte höchstens ein Taxi mieten, aber auch dann würde man mit seinem Berg an Koffern, Taschen, Campingmobiliar und Beuteln hilflos vorm Bahnhof stehen und es würde regnen. Wenn man viel Gepäck zu schleppen hat, regnet es bekanntlich immer. Oder es schneit!

Absolute Höhepunkte beim Reisen mit Gepäck sind dann notwendige Umstiege auf diversen Bahnhöfen. Ankunft auf Gleis drei, Weiterfahrt auf Gleise siebzehn! Bitte Beeilung, der Zug fährt in zwei Minuten!

Ja, aber wo geht es denn zum Gleis siebzehn? Ein Mensch in Eisenbahneruniform verweist dich auf die Unterführung. Treppe runter, zweihundert Meter Eilmarsch mit Gepäck unter erschwerten Bedingungen, Treppe hoch… du sieht von wegfahrenden Zug immerhin die Rücklichter.

Nächster Zug in drei Stunden. Aber vom Gleis drei! Also retour!

Solcherlei Höhepunkte erlebt man meistens bei hochsommerlicher Hitze ab 38 Grad im Schatten.

Wenn der Zug dann pünktlich einfährt und schließlich auch pünktlich weiterfährt, kannst du dich als Glückspilz betrachten.

Nein, um wie viel einfacher ist da ein eigener PKW!

Da kann man alles reinschmeißen, was einem in den Sinn kommt. Selbst meine Gudste schafft es nicht, das Fassungsvermögen des Kofferraums unseres PKW zu überfordern. Nein, dann müssten wir noch Kinder haben, oder die Enkel mitnehmen. Wenn wir nur zu zweit auf Reisen gehen, reicht der Platz für unser Gepäck. Da besteht dann eher das Problem, unser Gepäck in dem angemieteten Quartier – Bungalow, Ferienwohnung, Hotelzimmer oder was auch immer – unterzubringen. Aber da kann man ja notfalls was im Auto lassen.

Als ich Kind war, sind meine Eltern mit mir jedes Jahr wie es sich gehörte, in den Urlaub gefahren. Mit der Eisenbahn! Wir hatten kein eigenes Auto. Die Urlaube waren immer vierzehn Tage lang. Oft waren wir in der Sächsischen Schweiz, oder in Thüringen oder an der Ostsee. Und wenn ich mich recht erinnere – meine Eltern hatten einen großen Koffer dabei, vielleicht zwei kleinere Taschen und ich hatte meinen Campingbeutel. Ein zweiter Koffer war manchmal vorher mit Bahn-Express zum Feriendomizil vorausgeschickt worden. Nicht zu fassen!

Das Problem bei Reisen mit Bussen oder Flugzeugen dürfte eigentlich ähnlich sein, wie bei den Reisen mit der Bahn. Da gibt es auch die Nahtstellen und Umsteigepunkte. Aber bei Flug und Bus wird die Menge des Gepäcks von vorn herein limitiert. Man darf eben nur eine bestimmte Menge an Gepäck dabei haben! Unter diesen Zwang gesetzt, ist es auch meiner Gudsten bei Busreisen beispielsweise schon mehrfach gelungen, mit zwei Gepäckstücken auszukommen. Aber wenn kein Zwang besteht, wenn man die Freiheit hat… und da haben wir wieder des Pudels Kern – Freiheit ist nur dann Freiheit, wenn sie Einsicht in die Notwendigkeiten einschließt. Das ungehemmte Ausnutzen von Freiheiten führt zu Behinderungen!

Oder – die Deutsche Bahn müsste vielleicht auch die zulässige Gepäckmenge pro Fahrgast limitieren. Das wäre allerdings dann eine Art Freiheitsberaubung.

Oder man schränkt sich aus Vernunft selber ein? Ja, Selbsteinschränkung!

Nein, das ist Utopie! Menschen die sich selbst einschränken?

Da könnten wir ja auch glatt die Klimaerwärmung eindämmen!

Eduard Sachsenmeyer

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