Sachsenmeyer: Kehr nie um!

Die Winter der letzten Jahre waren meistens wenig winterlich. Kaum Schnee – und wenn, dann ein Tag heftig und das war’s! Meistens war es mir gelungen, genau an jenem Tag, da der Schneeeinbruch kam, zu einem Termin hinauf ins wilde Erzgebirge fahren zu müssen. Gespannt war ich nun in diesem Jahr, ob das wieder klappen würde.

Und was soll ich sagen – es klappte perfekt! Am Mittwoch vorige Woche, als der Schnee über das Erzgebirge herfiel, hatte ich einen Termin in Pockau. Gegen achtzehn Uhr wurde ich dort erwartet.

Eine Fahrt von Chemnitz nach Pockau ist normalerweise ein Klacks. Aber die Meldungen im Radio über den Straßenzustand im Freistaat sowie die zugehörigen Verkehrswarnungen besagten nichts Gutes – im Gegenteil! -, weswegen ich beschloss, doch rechtzeitig noch im Hellen loszufahren. Die bevorstehende Fahrstrecke – Südring bis zur Zschopauer Straße, dann weiter Richtung Marienberg bis zur Heinzebank, dort links ab und dann kommt nach Kalkwerk auch schon Pockau.

Für die B 174, die Richtung Marienberg bis zur Heinzebank führt, war ab Zschopau massiver Stau gemeldet. Eine Stunde Wartezeit sei einzuplanen. Auf der stark berganführenden Strecke bis zur Heinzebank lagen zig LKWs fest. Mit List und Tücke wurde der Verkehr schluckweise auf der glücklicherweise dreispurigen Straße mal hangabwärts, mal hangaufwärts durchgewinkt.

Okay – dachte ich, dann fahre ich in Gornau runter von der B 174 und fahre über Waldkirchen/Wünschendorf nach Pockau. Aber ich kam nur bis kurz nach dem Ortsausgangsschild von Chemnitz. Einige LKWs kamen selbst bei steigungsfreier Straße nicht mehr vorwärts. Ich verließ an der nächsten Abfahrt die B 174, um irgendwie so querdurch Richtung Gornau zu kommen. Bei schönem Wetter kein Problem. Aber schon die ersten zwei Kilometer auf einem Straßenabschnitt, der mich ins Sternmühlental führte, hätte es vorbei sein können. Wäre Gegenverkehr gekommen… – einer hätte nachgeben müssen – rückwärts bis zum Anfang der Straße durch zentimeterhohen Neuschnee! Rechts und links verschneite Abhänge oder Gräben!

Ich hatte Glück. Der Gegenverkehr, der nicht kam, auch!

Aber von der Methode – nach Nase querdurch! – verabschiedete ich mich. Schnell zurück nach Chemnitz. Vorsichtshalber rief ich aber im Hotel in Pockau an, um Bescheid zu geben, dass es bei mir später werden könnte. Auch wollte ich erfragen, ob man mir eine andere Strecke für die Anfahrt empfehlen könnte. Als ich dann fragte: “Und wie könnte ich denn zu ihnen nach Pockau kommen?” – antwortete mir die junge Frau am Telefon, dass das ja wohl meine Sache sei, aber ich könne es ja mal über Flöha versuchen!

Dann also ein zweiter Anlauf über Flöha/Waldkirchen nach Pockau. Die Straßen – meistens bergan führend – Schneemulch und vereiste Spurrinnen! Jeder einzelne Anstieg war ein Glückspiel – würde ich oben ankommen, hängenbleiben, in den Straßengraben rutschen oder mir an den Leitplanken das Auto zerschrammen?! Die Räder mit Schlupfautomatik drehten durch, oder fanden zufällig genug Reibung, um das Auto vorwärts zu bringen. Lenken war gefährlich. Zu starkes Einschlagen nach links, dazu Reibefläche für den linken Vorderantrieb und das Auto schoss nach links weg, wo vielleicht gerade ein anderer entgegen geschleudert kam. Und in den Serpentinen standen regelmäßig ein paar hängengebliebene LKWs. Einmal drei Stück hintereinander. Aber die linke Spur war zum Überholen frei. Also mit größtmöglichem Schwung den Berg hinan, an den LKWs vorbeigeschlingert… keinerlei Sicht auf die Straße voraus… – uff ,wieder Glück gehabt!

Sollte ich umdrehen? Der Weg zurück schien aber mittlerweile so gefährlich, wie der Weg nach vorn. Mir fiel der Spruch ein: Wer umkehrt verliert! Also weiter!

Ein querstehender LKW beendet die Fahrt kurz vor Waldkirchen. Aber es gab eine Straße nach rechts. Meiner Karte vertrauend, müsste mich die Straße auch irgendwie nach Pockau bringen. Und sie brachte mich tatsächlich nach Pockau. Am Ende flatterten meine Nerven wie aufgescheuchte Krähen.

Die, die mich dort im Hotel in Pockau erwarten sollten, hatten die Anfahrt nicht geschafft. Waren umgekehrt! Amateure! Bangbüchsen!

Eduard Sachsenmeyer

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